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Bahn:Klimakrise im ICE

Greta Thunberg

"In überfüllten Zügen durch Deutschland", twittert Greta Thunberg während ihrer Heimreise.

(Foto: GretaThunberg/Twitter)

Greta Thunberg strandet in einem überfüllten deutschen Zug. Die Bahn entschuldigt sich und will mehr Geld in Züge stecken. Das Angebot soll sich dadurch verbessern.

Von Markus Balser, Berlin

Strapaziöse Reisen ist Greta Thunberg gewohnt. 20 Tage dauerte allein ihr Trip per Segelboot vom New Yorker Klimagipfel im Herbst zurück nach Europa. Erst Anfang Dezember kam sie in Portugal an. Mit dem Zug reiste sie gleich weiter zu den nächsten Klimaverhandlungen in Madrid und Ende vergangener Woche auch noch zu Protesten nach Turin. Hinter Thunberg also lagen Tausende Kilometer beschwerlicher Reise, als sie sich am Samstag einer ganz eigenen Herausforderung stellen musste: der Deutschen Bahn.

Was sie hier zu Lande auf ihrer Heimreise nach Schweden in Deutschland erlebte, erwischte Thunberg offenbar auf dem falschen Fuß. Sie sei zwar endlich auf dem Heimweg, postete Thunberg bei Twitter. Allerdings "in überfüllten Zügen durch Deutschland", stand unter einem Foto, das Thunberg sitzend neben viel Gepäck auf dem Gang eines ICE zeigt. Darüber die Bahn-Eigenwerbung: "Einsteigen und genießen."

Der Bahn war diese Publicity offenkundig ziemlich peinlich. Der Konzern entschuldigte sich öffentlich und versprach, "hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen" zu arbeiten.

Allerdings hatte die Bahn auch noch eine überraschende Erkenntnis parat. Denn nach Angaben des Konzerns saß Thunberg auf der Reise von Zürich in Richtung Kiel am Samstag wohl nicht ständig auf dem Boden. Sondern zumindest auch zeitweise auf einem Platz in der ersten Klasse. "Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der ersten Klasse betreut worden bist", ätzte der Konzern am Sonntag Mittag ebenfalls per Twitter zurück. Thunberg sei keineswegs nur im Gang gereist. Zwischen Kassel und Hamburg habe sie auf ihrem Sitzplatz in der ersten Klasse gesessen. Dort saßen nach Angaben der Bahn bereits ab Frankfurt auch ihre Mitreisenden. Offenbar fuhr Thunberg aber zuvor in einem defekten und überfüllten Zug, der dann ausgetauscht wurde. Zur Unzeit kommt die Aufregung um die Klimaaktivistin auf jeden Fall. Denn der Tweet zog im Netz jede Menge Häme nach sich. Dabei warb die Bahn just am Sonntag damit, dass es zum Fahrplanwechsel mehr Züge und Fahrten gebe. Klimafreundliches Reisen werde so noch attraktiver. Der bundeseigene Konzern spielt eine wichtige Rolle auch im Programm der Bundesregierung für mehr Klimaschutz. Allerdings leidet die Bahn noch immer unter Qualitätsproblemen und Engpässen. Nach neuen Ankündigungen soll der Ankauf von neuen Zügen dem Konzern helfen, das Angebot zu verbessern. Die Bahn werde in den nächsten Jahren zwölf Milliarden Euro in die Fahrzeugflotte investieren, sagt Personenverkehrsvorstand Berthold Huber. Davon sollen 8,5 Milliarden in Züge für den Fern- und 2,7 Milliarden Euro in den Nahverkehr, etwa neue S-Bahnen, fließen. So solle die Fahrzeugflotte bis 2026 modernisiert werden. Mit Hilfe weiterer und längerer Züge soll etwa ab 2021 ein 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin und eine neue IC-Linie zwischen Frankfurt und Dortmund über Siegen eingeführt werden. Ab 2026 will die Bahn von Hamburg nach Frankfurt und von dort nach München im Halbstundentakt fahren.

© SZ vom 16.12.2019

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