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Autoindustrie:Es war nie Liebe

BMW und Daimler starten neues Mobilitätsunternehmen

Nicht wirklich beste Freunde: BMW-Chef Harald Krüger (li.) und Daimler-Boss Dieter Zetsche.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Daimler und BMW grenzen die geplante umfassende Kooperation ein - auf ein preiswertes Elektroauto, das in China produziert werden soll. Aber auch das ist nicht sicher.

Zwischen BMW und Mercedes wird es offenbar nicht zu einer umfassenden Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge kommen. Das Aus für die Pläne, über die seit Monaten verhandelt worden war, wurde nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bereits am Rande des Genfer Autosalons intern kommuniziert. Statt einer Kooperation für die gesamte Modellpalette wird nun über den Bau eines kompakten Elektroautos auf einer gemeinsamen Plattform verhandelt, das in China produziert werden soll.

In einem vertraulichen Papier wird dieses Projekt bereits bis ins Detail beschrieben. Gedacht ist demnach an ein E-Auto in der Preisklasse zwischen 27 500 und 32 500 Euro, ein Preissegment also, das die Chance bietet, für Elektroautos einen Massenmarkt zu erschließen. Als erste Karosserievariante wird eine viertürige Limousine im Format des BMW 1-er und der Mercedes A-Klasse erwogen, die ab 2024 auf den Markt kommen könnte. Sollten sich beide Hersteller auf ein solches Projekt einigen, ist vorgesehen, dafür ein 50:50-Joint-Venture zu gründen und sich die Kapazität des neuen Werkes in China zu teilen. Innerhalb einer Laufzeit von sieben Jahren sollen den Plänen zufolge von beiden Partner jeweils eine Million Stromer produziert werden.

Ob es tatsächlich zu diesem Projekt kommt, ist aber noch völlig offen. Auch bei den Gesprächen über eine umfassende gemeinsame Architektur für künftige Modelle hatte es vor allem auf der BMW-Seite erhebliche Bedenken gegeben. Während Mercedes stark auf eine Entscheidung gedrängt haben soll, war bei BMW die Angst groß, dass damit der eigene Markenkern verwässert wird und die Unterschiede zwischen den beiden Premium-Marken verwischt werden.

Auch der neue Plan stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung, weder in München noch in Stuttgart. Das hat auch damit zu tun, dass sowohl BMW als auch Mercedes bereits Kooperationen mit chinesischen Partnern eingegangen sind, aus denen sich künftig weitere Projekte entwickeln könnten. Mercedes will den Smart, der hierzulande nie wirklich erfolgreich war, künftig im Verbund mit dem chinesischen Geely-Konzern, dem auch Volvo gehört, weiterentwickeln. Der erste Smart aus dieser Kooperation soll 2022 auf den Markt kommen. BMW wiederum hat für die nächste Generation des Mini eine Zusammenarbeit mit Great Wall vereinbart, das erste Mini-Modell aus chinesischer Produktion ist für 2021 geplant.

Die Kooperation der beiden führenden deutschen Premium-Hersteller mit chinesischen Partnern hat für beide Seiten ökonomische Vorteile. No-Name-Marken wie Great Wall und Geely hätten damit einen attraktiven Zugang zum Weltmarkt. Umgekehrt könnten BMW und Mercedes mit in China produzierten Kleinwagen auf ein profitables Wachstum im Einstiegssegment hoffen, das in Europa kaum noch möglich ist.

Vor diesem Hintergrund wird die Skepsis, künftig ausgerechnet mit dem schärfsten Rivalen, wenn auch nur punktuell, gemeinsame Sache zu machen, verständlich. Ein BMW-Manager, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte dazu: "Warum sollten wir über mehrere Schatten springen und uns mit Mercedes zusammentun, wenn sich im Rahmen des Joint Ventures mit Great Wall ganz ähnlich Möglichkeiten auftun? Wahrscheinlich stellen auch Daimler und Geely längst vergleichbare Überlegungen an."

Das muss aber nicht das letzte Wort sein. Denn die Chinesen können zwar preiswert produzieren, aber sie können (noch) keine Premium-Autos bauen. Ein deutsch-deutsches Gemeinschaftsprojekt, das gemeinsam mit asiatischen Partnern umgesetzt wird, könnte deshalb am Ende der Königsweg sein.