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Autobranche:Fast 500 Sammelklagen wegen VW-Dieselaffäre in den USA

  • In den USA sind mittlerweile nahezu 500 Zivilklagen gegen VW, Audi, Porsche und Zulieferer Bosch eingereicht worden.
  • Die meisten Kläger sind Privatpersonen oder Unternehmen, es sind aber auch Kommunen und Hochschulen darunter.

Von Max Hägler und Peter Hornung

Die Flut der US-Sammelklagen gegen den VW-Konzern wegen der Abgasaffäre hält unvermindert an. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe vor zweieinhalb Monaten wurden nahezu 500 solcher Zivilklagen bei Gerichten aller US-Bundesstaaten eingereicht. Neben Volkswagen und seiner amerikanischen Tochterfirma sind dabei auch weitere Konzernmarken sowie Zulieferer im Fokus. So ist dem US-weiten Gerichtsinformationssystem Pacer zufolge die Audi AG in 120 Fällen Beklagter, der Sportwagenbauer Porsche in 22 Fällen und der Zulieferer Bosch in 19 Fällen.

Auch gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und den Chef von Volkswagen USA, Michael Horn, persönlich richten sich einige der Klagen. Die Kläger sind zumeist Privatpersonen und Unternehmen, es sind jedoch auch Kommunen und Hochschulen darunter. Die meisten werfen dem Volkswagen-Konzern Betrug, Täuschung oder Wettbewerbsverstöße vor und fordern Schadenersatz von insgesamt mehreren Milliarden US-Dollar.

Vorwurf der "Verschwörung" gegen VW-Zulieferer Bosch

Dem schwäbischen Bosch-Konzern wiederum werfen Anwälte in einer erst jüngst eingereichten Klage vor, zusammen mit Volkswagen eine "Verschwörung" angezettelt zu haben. Tatsächlich hat das Stuttgarter Unternehmen früh erklärt, Abgaskomponenten und Software bei einigen der manipulierten VW-Motoren zugeliefert zu haben - aber verweist immer wieder darauf, dass die Anpassung Volkswagen selbst vorgenommen habe. Die US-Rechtsanwälte stellen das infrage - haben aber offenbar keine eigenen Erkenntnisse und sie haben dazu offensichtlich noch ungenau recherchiert: Ausdrücklich verweisen die Juristen in ihrer Klageschrift auf Berichte deutscher und französischer Medien vom September, wonach Bosch im Jahr 2007 Volkswagen vor der Benutzung seiner Software als illegale Abschalteinrichtung gewarnt habe.

Trotz dieser Warnung habe VW die Software in elf Millionen Fahrzeuge ausgeliefert und folglich von den mutmaßlichen Rechtsverstößen durch VW profitiert. Allerdings bestätigten bislang weder Bosch noch VW die Existenz eines solchen Schreibens. Und die genannte Zahl der betroffenen Motoren ist falsch und zeigt die Schwäche zumindest dieser Klage: Bosch war nur einer von mehreren Zulieferern bei Abgassystemen, hat also nur einen Teil der elf Millionen Motoren ausgestattet.

Unterdessen wird in Finanzkreisen darüber spekuliert, ob sich Gläubigerbanken des VW-Konzerns im Gegenzug für eine einjährige Kreditlinie von 20 Milliarden Euro Anteile an VW-Töchtern sichern wollen. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Abend, VW habe seinen Geldgebern versprochen, für die Rückzahlung des Darlehens im Notfall auch Unternehmensanteile abzugeben. Die Rede sei nicht von großen Konzerntöchtern wie Audi oder Porsche, sondern Randgeschäfte wie etwa Teile der Lkw-Tochter MAN, zu der unter anderem auch eine Schiffstriebwerke-Sparte gehört. Auch Luxus-Markentöchter wie Bentley oder Lamborghini seien im Gespräch. In VW-Kreisen wurde dies am Abend dementiert. Es gebe zwar "Szenarien", aber keinerlei Absprachen.

© SZ vom 04.12.2015/vit
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