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Auma Obama im Interview:Entwicklungshilfe einfach abschaffen?

Viele Jahre lang bestimmte die Diskussion über die Entwicklungshilfe das Verhältnis zwischen europäischen und afrikanischen Ländern. Hat die Entwicklungshilfe am Ende mehr geschadet als genutzt?

Leider hat man lange Zeit bei uns den armen Menschen 'geholfen', ohne zu verlangen, dass sie auch für sich selbst etwas tun. Dadurch haben die ärmsten der Armen gelernt, dass sie selbst nichts tun müssen - es kümmert sich ja jemand anders um ihre Probleme. Das ist ein großer Fehler. Jeder Mensch ist selbst dafür verantwortlich, was in seinem Leben passiert. Das versuche ich bei meiner Arbeit mit den jungen Leuten zu vermitteln.

Also Entwicklungshilfe abschaffen?

Inzwischen wird ja von Entwicklungszusammenarbeit gesprochen. Aber ein entscheidender Fortschritt ist das noch nicht. Wichtig ist die Art der Zusammenarbeit. Es wird immer noch zu wenig mit den Menschen gesprochen, darüber, was sie wirklich brauchen und ob die von außen identifizierten Nöte auch tatsächlich Probleme sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Jugendlichen, mit denen ich auf dem Land arbeite, sind arm. Aber ganz ehrlich betrachtet, sind viele Familien arm, weil sie nicht wissen, wie sie vorhandene Ressourcen richtig nutzen, um finanziell zu profitieren. Den Menschen muss gezeigt werden, wie sie das tun können, damit sie sich selber helfen können.

Es fehlt also die Hilfe zur Selbsthilfe?

Nein. Es geht darum, mit den Leuten Klartext zu reden. Tut was!

Wer soll so mit ihnen reden?

Es ist egal, ob die Kritik aus Deutschland oder Kenia kommt. Wenn man die Leute mit Samthandschuhen anfasst, kommt man nicht weit. Doch genau das wird gemacht, wenn es um Afrika als Kontinent geht. Man fürchtet sich, Klartext zu reden. Es wird nur wenig erreicht.

China investiert stark in afrikanischen Ländern. Die Volksrepublik ist an Rohstoffen interessiert und schließt Partnerschaften. Profitieren die afrikanischen Länder am Ende mehr davon als von der Entwicklungshilfe westlicher Länder?

Egal, wie man das nennt, es hat immer mit Wirtschaft und Profit zu tun. Jeder will für sich das Beste herausholen. Wenn eine deutsche Firma einen Auftrag in Kenia bekommt, hilft das der deutschen Wirtschaft. Wir bringen den Jugendlichen deshalb bei, gründlich zu hinterfragen, auf was sie sich einlassen. Es soll ein beidseitiges Geben und Nehmen sein. Sie müssen hinterfragen, was sie davon haben. Nur wenn sie das verstehen, handeln sie auch im eigenen Interesse und können Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Es geht um Geschäfte auf Augenhöhe?

Ja. Aber Geschäfte auf Augenhöhe, das funktioniert in der Regel noch nicht. Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit holen immer noch zu wenig Rat von ihren Zielgruppen und den einheimischen Experten vor Ort.

Das klingt frustriert.

Überwiegend gibt es nur das eine Bild von Afrika, von Armut. Eine Auma Obama, beziehungsweise eine gebildete Schicht von Afrikanern, gibt es nicht in diesem Bild. Deswegen muss man auch nicht mit ihr reden. Hinzu kommt, dass die gebildete Oberschicht in afrikanischen Ländern oft mit einer korrupten Elite gleichgesetzt wird, die ihr eigenes Land ausnimmt. Dabei sind das meistens ganz normale Leute. Sie arbeiten hart um ihre Erfolge, genauso wie im gehobenen deutschen Mittelstand. Es wird aber immer pauschalisiert.

Wird nicht gerade die Leistung der Frauen in Afrika häufig unterschätzt?

Das bestimmt! Aber hier darf auch nicht pauschalisiert werden. Afrika ist sehr groß. Welche Regionen meinen Sie genau?

Nehmen wir Ghana, Kamerun, Elfenbeinküste oder das südliche Afrika. Die Arbeit in der Landwirtschaft wird dort vor allem von Frauen erledigt.

Sie haben also den Eindruck, dass die Frauen die ganze Arbeit machen und die Männer nichts tun?