Arbeitslosenzahl Die Drei ist wieder da

Plötzlich hat Deutschland wieder mehr als drei Millionen Arbeitslose. Ist das deutsche Jobwunder nun vorbei? Wer ein bisschen genauer hinschaut, sieht, dass die Arbeitsmarktdaten noch immer erstaunlich positiv sind. Nur: Womöglich nicht mehr lange.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner

Jetzt ist sie wieder da, die gefürchtete Drei. Mehr als drei Millionen Menschen suchten im Januar offiziell einen Job, etwa 300.000 mehr als im Vormonat. Das klingt nicht gut, ist aber kein Grund zur Beunruhigung. Im Winter ruht auf vielen Baustellen die Arbeit.

Das Weihnachtsgeschäft ist zu Ende gegangen. Die Unternehmen halten sich mit Neueinstellungen zurück. Entscheidend ist jedoch, was ohne diese witterungsbedingten Einflüsse am Arbeitsmarkt passiert. Und hier zeigen die neuen Zahlen: Ohne die saisonalen Faktoren gerechnet, sinkt die Arbeitslosigkeit weiter. Die Frage ist nur, wie lange das deutsche Jobwunder anhalten kann.

Weitet sich die Euro-Krise zu einem weltweiten Abschwung aus, ist Wirtschaft und Politik dafür schlechter gerüstet als vor gut drei Jahren nach der Pleite der Lehman-Bank.

Das milliardenschwere Polster der Bundesagentur für Arbeit ist aufgebraucht, die abgeräumten Zeitkonten in den Firmen sind noch nicht wieder gefüllt, die Förderprogramme für Arbeitslose von der Bundesregierung gekürzt. Bei der nächsten Rezession wird es schwieriger, den Anstieg der Arbeitslosigkeit wie 2009 zu begrenzen.

Aber selbst wenn die Konjunktur wie erhofft Mitte des Jahres wieder stärker anzieht, ist nicht damit zu rechnen, dass es am Arbeitsmarkt so weitergeht wie seit den Hartz-Reformen.

Um zwei Millionen hat sich die Zahl der Arbeitslosen binnen sechs Jahren verringert. Nur ein Phantast würde darauf wetten, dass dies noch einmal so schnell gelingt. Der weitere Abbau wird richtig schwer, weil die meisten Jungen, Flexiblen, Gesunden und gut Qualifizierten längst einen Job haben und die Übriggebliebenen nur schwer zu vermitteln sind.