Antennentechnik:Out of Rosenheim

Ericsson übernimmt Antennengeschäft von Kathrein

In Rosenheim werden weiterhin Antennen entwickelt - der sich abzeichnende Boom bei 5G dürfte das Geschäft beflügeln.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Dem Antennenspezialisten Kathrein ging es nicht gut - da passte es, dass der schwedische Ericsson-Konzern nach einer Firma mit diesen Kenntnissen suchte. Der neue Chef ist jedenfalls guter Hoffnung.

Von Helmut Martin-Jung, München

Es hätte auch schlimmer kommen können für Kathrein. Der traditionsreiche Antennenspezialist aus Rosenheim hatte sich verzettelt, "die Kostenstruktur war nicht mehr konkurrenzfähig", sagt Mikael Eriksson, der neue Chef in Rosenheim. Eriksson arbeitet für den schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson, der genau das brauchte, was Kathrein ja doch hatte: technologisch weit fortgeschrittene Antennen.

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass die Schweden die Antennensparte von Kathrein übernommen haben. Kathrein habe genau in die neue Firmenstrategie gepasst, zu einem umfassenden Anbieter für die Branche zu werden, sagt Eriksson. "Dazu brauchten wir ein breiteres Portfolio." Und dafür müsse auch noch mehr Aufwand in Forschung und Entwicklung gesteckt werden, ist er sich sicher. Ein erstes Ergebnis gibt es schon: Vor kurzem präsentierte Ericsson die erste gemeinsam mit Kathrein entwickelte Antenne, in der Schweiz ist sie bereits im Einsatz.

Völlig schmerzfrei ging es natürlich nicht ab für die Kathrein-Mitarbeiter, 400 von ihnen mussten weltweit gehen, 230 davon im Rahmen eines Freiwilligen-Programms am Firmenstammsitz in Rosenheim. 650 Arbeitsplätze in Rosenheim sollen aber erhalten bleiben. Die Kooperation mit dem Mutterkonzern Ericsson soll vor allem Verbesserungen bei der Produktivität bringen. Bei Abteilungen wie Personalwesen, der Herstellung und beim Controlling werden Synergien genutzt.

Was Eriksson Hoffnung macht, ist vor allem die Geschwindigkeit beim Ausbau der neuen Mobilfunktechnologie 5G. Dieses Mal seien anders als bei Vorgängerstandards wie 3G und 4G bereits viele Geräte verfügbar, zudem gebe es ein starkes Momentum für Innovationen. Bis Ende dieses Jahres erwartet man bei Ericsson, dass 190 Millionen Mobilfunknutzer einen 5G-Vertrag abgeschlossen haben. Fünf Jahre später, 2025, könnte bereits knapp die Hälfte des gesamten mobilen Datenverkehrs über 5G laufen. Zu diesem Zeitpunkt könnte 5G bereits 65 Prozent der Weltbevölkerung mit schnellem Internet versorgen.

Die Corona-Pandemie war zwar eine große Herausforderung, aber "wir waren resilienter als andere", sagt Eriksson. Was wohl auch daran lag, dass die Telekommunikation in der Krise noch wichtiger war als ohnehin schon. Eriksson glaubt daher auch, dass die Pandemie in dieser Hinsicht bleibende Änderungen mit sich bringt: "Covid-19 verändert, wie wir arbeiten." Ericsson gehörte zu den ersten, die im Februar ihre Teilnahme am Mobile World Congress (MWC) in Barcelona absagten, obwohl die Messe als das wichtigste Treffen der Branche weltweit gilt.

5G wäre natürlich dort wieder das größte Thema gewesen, und zum ersten Mal wäre es nicht bloß um Konzepte und einige Testinstallationen gegangen. In Korea und in den USA gibt es bereits sehr viele 5G-Zugänge, "die übernehmen die Führung", sagt Eriksson. In Europa sei die Schweiz vorne dran. Zur deutschen Telekommunikationspolitik äußert er sich diplomatisch: Es wäre besser gewesen, sagt er, hätte die Regierung mehr auf die Langzeitwirkung geschaut als darauf, mit einer Frequenzauktion ein paar Milliarden Euro einzunehmen.

Übersetzt heißt das so viel wie: Der Staat hatte die Frequenzen kostenlos vergeben sollen, dafür aber mit Auflagen, was wann ausgebaut sein soll. Potenzial sieht Eriksson vor allem in der Industrie ("Das ist eine große Sache."), aber auch im Gesundheits- und Bildungswesen sowie im Umweltschutz. Das Wichtigste für ihn aber ist: "Der 5G-Standard unterstützt Innovationen."

Bis 2022 rechnet Eriksson noch mit einem Wachstum des Vorgängerstandards 4G, der in Deutschland auch noch nicht flächendeckend verfügbar ist, danach werde 5G übernehmen und sich in verschiedenen Märkten unterschiedlich entwickeln. Was auch von den regulatorischen Rahmenbedingungen abhänge.

© SZ
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