Angeschlagener Autobauer Peugeot-Familie gibt Kontrolle ab

Traditionsmarke mit Löwenemblem: Die Autokrise in Europa bereitet dem Peugeot-Konzern seit Jahren Probleme.

Der chinesische Autobauer Dongfeng und der französische Staat sollen Peugeot retten. Dafür gibt die Gründerfamilie des ältesten noch existierenden Autobauers ihre Kontrollmehrheit ab.

Alles begann mit einer Ölmühle, später kam eine Eisengießerei hinzu, dann wurden Pfeffermühlen produziert. Peugeot ist ein französisches Traditionsunternehmen. Seit 1891 stellt der Konzern Autos her - und gilt damit als ältester noch existierender Automobilbauer. Doch nun muss die Familie Kontrolle abgeben: Der französische Staat und ein chinesischer Investor sollen das Unternehmen retten.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Bezug auf Insider, dass der chinesische Autokonzern Dongfeng 800 Millionen Euro in Peugeot investieren wird. Damit würde Dongfeng 14 Prozent der Anteile übernehmen. Einen gleich großen Anteil soll dem Bericht zufolge auch die französische Regierung erwerben. Zudem wolle Peugeot durch den Verkauf von Aktien an Altaktionäre weiteres Geld einsammeln und damit insgesamt drei Milliarden Euro einnehmen. Eine entsprechende Absichtserklärung werde noch im Tagesverlauf unterzeichnet, verlautete am Dienstag aus dem chinesischen Unternehmen.

Für Peugeot ist der Plan möglicherweise die letzte Rettung

Durch den Einstieg von Dongfeng und der französischen Regierung wird die Peugeot-Familie wohl ihr Vetorecht und damit die alleinige Kontrolle über das Traditionsunternehmen verlieren. Bislang hielt die Familie 25 Prozent an dem von ihr gegründeten Konzern und kontrollierte 38 Prozent der Stimmrechte. Nach der Kapitalerhöhung werde die Familie noch 14 Prozent der Anteile besitzen, also etwa so viel wie Dongfeng und der französische Staat, berichtete Reuters unter Bezug auf Personen, die mit den den Plänen vertraut sind.

Peugeot verhandelt seit Monaten über einen Rettungsplan. Ein Sprecher von Dongfeng erklärte, das Unternehmen werde am Mittwoch eine Stellungnahme zu Peugeot abgeben. Den Insidern zufolge werden Peugeot und Dongfeng ihr bestehendes Joint Venture ausbauen und auch ihre gemeinsame Forschung und Entwicklung mit Blick auf eine Expansion in Südostasien intensivieren.

Für den französischen Traditionskonzern ist die Einigung möglicherweise die letzte Überlebenschance. Zuletzt waren Gespräche mit der Opel-Mutter General Motors gescheitert. Die Autokrise in Europa hatte PSA Peugeot Citroën stark getroffen. In den vergangenen Jahren verlor das Unternehmen viel Geld. Hinzu kamen die Kosten für Stellenstreichungen und die Schließung eines großen Werks bei Paris.