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Adidas:Stress in Herzogenaurach

Adidas Herzogen Aurach

Es gab Zeiten, da wurde bei Adidas in Herzogenaurach gefeiert. Doch der Erfolgsdruck auf die Mitarbeiter ist gestiegen.

(Foto: Roland Halbe/oh)

Spekulationen um Jobabbau beim Sportartikelhersteller Adidas.

Es ist noch nicht lange her, da haben sie bei Adidas in Herzogenaurach noch groß gefeiert. Mit der Musik der Hip-Hop-Band Run-DMC, mit Surfer-Welle, Fußballlegende Philipp Lahm und vielen anderen Prominenten aus Show- und Sport. Ein Wochenende lang zelebrierte der Sportartikelhersteller Mitte August seinen 70. Geburtstag und zugleich den Bezug der "Arena", des größten und mit 350 Millionen Euro auch teuersten Neubaus auf dem Unternehmenscampus "World of Sports". Zwei Monate später scheint die Freude bei Adidas einer gewissen Verunsicherung gewichen zu sein.

Obwohl es dem Konzern wirtschaftlich blendend gehe, plane er etwa jeden zehnten Arbeitsplatz in Herzogenaurach zu streichen, schrieb die Nürnberger Zeitung (NZ) und berief sich auf Insider. Derzeit arbeiten 5600 Menschen aus 100 Nationen in der "World of Sports". Vorstandschef Kasper Rorsted sei unzufrieden mit dem Geschäftsverlauf und wolle die Jobs in die kostengünstigeren Länder Indien und Kolumbien verlagern, schrieb die NZ und fragte plakativ: "Ist die Party bei Adidas vorbei?"

Die Antwort des Unternehmens lautet sinngemäß: nein. Man sei kontinuierlich dabei "Organisationsstrukturen und Prozesse" anzupassen, und zwar "wenn und wo dies notwendig ist", so ein Konzernsprecher auf Anfrage. Daher finde kein Abbau statt, sondern eher eine Umschichtung von Arbeitsplätzen und damit verbundenen Qualifikationsanforderungen. "Wir investieren gezielt in unsere strategischen Wachstumstreiber, insbesondere in unser digitales Geschäft", so der Sprecher weiter. "Dort sind wir auf der Suche nach neuen Talenten."

Unterm Strich steige die Zahl der Mitarbeiter bei Adidas leicht an und man erwarte, dass sich diese Entwicklung so fortsetze, heißt es. In den vergangenen zwölf Monaten sei die Zahl der Beschäftigten um knapp 1500 auf 57 500 gestiegen. Abbau an der einen, Neuzugänge an der anderen Stelle - das gibt es auch in anderen Unternehmen. Mit einer Million Bewerbern pro Jahr ist Adidas ein weltweit gefragter Arbeitgeber.

Wobei allerdings die Stimmung speziell in der Herzogenauracher Zentrale schon deutlich besser war. Kritiker machen den Wandel an Kasper Rorsted fest. Seit er vor drei Jahren den Chefposten beim Konsumgüterhersteller Henkel mit jenem bei Adidas getauscht hat, treibt er das Wachstum voran, vor allem aber trimmt er Adidas auf Rendite.

Ein halbes Jahr im Amt, korrigierte Rorsted bereits die Unternehmensziele nach oben. Bis 2020 soll der Umsatz währungsbereinigt um durchschnittlich zwölf Prozent wachsen, der Gewinn aber um bis zu 22 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet Adidas knapp 23,7 Milliarden Umsatz und einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro. Die Konzentration auf möglichst hohe Renditen freut naturgemäß die Anleger, viele Mitarbeiter aber reagieren, nun ja, mindestens gestresst. Zumal die Zeiten damit deutlich rauer geworden seien.