Wohnen Zum Aufbruch bereit

Leicht aufzubauen, leicht zu transportieren: preisgekrönte Einrichtung von Elena Bompani.

(Foto: Elena Bompani)

Junge Menschen ziehen heute viel öfter um als früher, Möbel müssen individuell gestaltbar und leicht zu transportieren sein. Über die passende Einrichtung für Großstadtnomaden.

Von Anne Backhaus

Das eigene Leben passt in sieben Kartons, eine Reisetasche und einen Rucksack. Dazu gehören noch: drei Stühle, Matratze, Schrank. So ein Leben lässt sich also locker mit zwei Freunden transportieren. Das ist gut, denn es zieht in eine neue Stadt. In eine Einzimmerwohnung, die so viel kostet wie die alte Zweizimmerwohnung. Für einen Job, der befristet und jederzeit zum Monatsende kündbar ist. Deswegen ist das mit der winzigen, überteuerten Wohnung auch nicht so tragisch. Die ist ja nicht für zum Altwerden. Die ist nur für den Übergang.

"Ich bin jetzt 25 und habe in 13 verschiedenen Wohnungen und vielen verschiedenen Ländern und Städten gewohnt", sagt Elena Bompani. "Am Ende braucht es zum Wohlfühlen vor allem irgendwie persönliche Gegenstände." Die Produktdesignerin meldet sich über Skype aus Fabrica, wo sie für einige Wochen arbeitet. Anfang April wird sie im Rahmen der Möbelmesse in Mailand ihre neue Nomadenkollektion vorstellen. Bompani hatte Ende 2016 viel Zuspruch für ihr Master-Projekt "Itaca" bekommen. Eine Möbelserie, die exakt auf die Bedürfnisse von Millennials zugeschnitten ist und vor allem eines bieten soll: ein Zuhause, weit weg von Zuhause.

"Wir werden alle immer mehr zu Nomaden und Objekte können uns Halt geben", sagt Bompani, die ihre Itaca-Kollektion anfangs einfach nur für sich selbst entwarf. Ein pritschenähnliches Bett, ein Doppelregal mit Kleiderstange und einen kleinen Hocker. Die Möbelstücke werden per Stecksystem aufgebaut und mit Ledergürteln fixiert. Bompani war überrascht davon, wie viele Zuschriften und Kaufanfragen sie dafür bekam.

Für viele Designer und Möbelhersteller sind die Millennials inzwischen zu einer der größten Käufergruppen geworden und die Branche richtet sich immer mehr nach ihnen aus. Denn die heute 17- bis 37-Jährigen, die rund zweiundzwanzig Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, geben gerne und viel Geld aus. Obwohl sie teilweise auch zur schlecht bezahlten Generation Praktikum gehören, leisten sie sich auffallend ausgewählte Einrichtungsgegenstände. Gleichzeitig sind sie aber so weit von der eigenen Festnetzleitung, Eigentumswohnung und Schrankwand entfernt, wie es die Generation ihrer Eltern wohl nie vermutet hätte.

Stecksysteme, wie Bompani sie auch für ihre Möbel entwickelt hat, sind daher unglaublich gefragt. Kaum einer besitzt noch einen Werkzeugkasten. Alles muss flexibel und individuell gestaltbar, leicht aufbaubar und vor allem gut zu transportieren sein. Angesagt ist sozusagen, was möglichst reibungslos ins eigene mobile Leben passt - oder schlicht gut aussieht. Zumindest für den Übergang.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte mit SZ Plus:
Wohnen Das ist nur für den Übergang

Möbel

Das ist nur für den Übergang

Die sogenannten Millenials haben Jobs, die zum Monatsende kündbar sind, sie ziehen oft um, und ihre Möbel sind sehr praktisch oder sehr schön. Wie eine Generation lebt, die rastlos ist.   Von Anne Backhaus