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Wohnen:So schön zuhause

Faltenoptik durch aufwendige Glasbläserarbeit: Die "Plissée Lamp" von Classicon.

(Foto: Elias Hassos)

Ein Überblick über die schönsten Möbelstücke deutscher Designer, die dieses Jahr, anders als sonst, auf keiner Messe gezeigt werden können.

Mit dem Salone del Mobile in Mailand fällt für die Interieurbranche das wichtigste Schaufenster des Jahres aus, viele neue Entwürfe bekommen kein Publikum. Zudem leiden Möbelbauer und Designlabels unter den Geschäftsschließungen der letzten Wochen. Und das in einer Zeit, in der viele Menschen beim erzwungenen Zuhausebleiben merken, dass ihre vier Wände frischen Wind vertragen könnten. Um beiden Seiten zu helfen - hier statt Messebericht ein kleiner Überblick zu Neuigkeiten aus dem deutschen Möbeldesign.

Gisbert Pöppler

Zu schön für den Videocall - der Patio-Table verlangt nach leibhaftigen Menschen.

(Foto: Hersteller)

In der Branche ist Gisbert Pöppler längst als Architekt und extravaganter Innenausstatter bekannt, der in Berlin zuletzt einige außergewöhnliche Büro- und Wohnungsinterieurs verantwortete. Dabei versteht er sich als klassischer Full-Service-Architekt, der seine Visionen bis ins kleinste Möbeldetail ausarbeitet. Aus der jahrelangen Erfahrung mit mondänen Kunden ist in diesem Jahr auch eine exklusive Möbelkollektion entstanden. Dabei kombiniert Pöppler eine klare Formensprache mit delikaten Werkstoffen und satten Farben. Der "Patio Table" etwa besteht aus drei Elementen von Lavastein, gewonnen am Ätna. Preis auf Anfrage. gisbertpoeppler.com

Objekte unserer Tage

Der Stuhl "Wagner" von OUT ist ein guter Allrounder.

(Foto: Hersteller)

Möbelhersteller mit hohem handwerklichen Anspruch gibt es viele in Deutschland. Den Manufakturcharakter und das Made in Germany erkennt man dann allerdings meist am schmerzhaft hohen Preis. Das Berliner Label "Objekte unserer Tage" versucht aber seit seiner Gründung 2015, zeitgeistiges Design und hochwertige Fertigungsqualität mit moderaten Preisen zu verbinden. Beim Stuhl "Wagner", dem neuen Flaggschiff des Unternehmens, ist das gelungen. Trotz der großzügigen Rückenlehne aus gewachster Eiche, die auch als Armlehne fungiert, wirkt der Stuhl mit seinem Stahlgestell filigran und leicht. Er kann gestapelt werden und ist in verschiedenen Farben und Polster-Ausführungen erhältlich (ab 350 Euro). Für ein Stück, das fair, lokal und nachhaltig produziert wurde, eine Ansage aus der Hauptstadt.

Studio Ziben

Das schlichte Regal Picaflor in Esche ist in seiner kompakten Größe überall einsetzbar.

(Foto: Hersteller)

Hinter den spannenden Arbeiten des Studio Ziben steht der polnische Möbeldesigner Mariusz Malecki. Aufgewachsen mit sozialistischem Design, kennzeichnet nach dem Studium und Umzug nach Berlin eine gewisse Radikalität seine Entwürfe: Vintage-Tische halbiert Malecki kurzerhand und ergänzt sie mit einer modernen Hälfte, er lässt Hochglanzsegmente auf Altholz treffen oder stellt Vitrinen aus der Gründerzeit auf moderne Sockel. Malecki entwirft aber auch Möbel ohne Stilbrüche, wie das schlichte Regal Picaflor in Esche. Es ist in seiner kompakten Größe überall einsetzbar, die Lamellen auf der Rückwand sorgen für ein luftiges Erscheinungsbild und verleihen dem Regal einen schönen Rücken, sodass man es auch als Raumtrenner platzieren kann. studio-ziben.de

Moormann

Alles andere als hässlich: der Lounge-Chair "Brutissimo"

(Foto: Hersteller)

Nils Holger Moormann genießt mit seinem Unternehmen am Chiemsee seit Langem den Ruf eines genialen Einzelgängers, der in seinem Sortiment heute etliche Klassiker vereint - allen voran das Regal FNP, das vor Kurzem seinen 30. Geburtstag feierte. Statt auf Messeauftritte oder PR-Arbeit setzt man bei Moormann auf die Strahlkraft der Produkte oder Aktionen wie den Umbau eines Campingbusses. Allen Moormann-Möbeln (und dem Chef) gemein ist ein gewisser Mutterwitz, da macht auch der neue Lounge-Chair "Brutissimo" keine Ausnahme: Entworfen von Konrad Lohöfener ist er kein behäbig gepolsterter Fauteuil, sondern mit seinen Formholzschalen und Beinen aus Stahldraht ein kurios schlanker und minimalistischer Ruhesitz.

Classicon

Die "Plissée Lamp" von Classicon besticht durch ihre Lamellen aus Glas.

(Foto: Elias Hassos)

Das Label Classicon am Rande von München verbinden viele mit den eleganten Re-Editionen von Eileen Gray. Neben dieser Denkmalpflege in der klassischen Moderne arbeitet Classicon auch mit den Stars des zeitgenössischen Designs zusammen und hat dabei den Hang zu ganz großen Würfen beibehalten. So wurde etwa Sebastian Herkners "Bell Table" 2012 auf der ganzen Welt zum Erfolg und zum Kickstart für die Karriere des jungen Gestalters. Herkners neueste Zusammenarbeit mit Classicon ist mindestens so sinnlich geraten: Bei der "Plissée Lamp" schwebt ein großer Glasballon mit zarten Falten auf einem Metallsockel. Die Faltenoptik entsteht durch aufwendige Glasbläserarbeit und erzeugt ein angenehmes Raumlicht. Bitte außer Reichweite von Kindern aufbewahren!

Schönbuch

Sanft wirken die Holzobjekte von Schönbuch.

(Foto: Hersteller)

Trotz oder gerade wegen der Lage weitab der Großstadt: Der Familienbetrieb Schönbuch in Unterfranken macht seit Jahren mit mutigen Entwürfen und lebensfroher Farbpalette auf sein Möbelsortiment aufmerksam. Eigentlich Experte für präzise Stauraumlösungen, überrascht Schönbuch diesen Frühling mit poetischen Accessoires und einer Zusammenarbeit mit der Münchner Illustratorin Jasmin Khezri, die mit ihren Zeichnungen unter dem Namen IRMA Bekanntheit erlangte. Einige dieser leichten Skizzen hat Schönbuch jetzt in seiner Art Edition auf handschmeichelnden Objekten aus Eiche verewigt. Tablett und Schalen, die auf dem Schreibtisch schon ohne Inhalt eine Geschichte erzählen.

© SZ vom 25.04.2020

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