Ladies & Gentlemen:Arbeitskleidung deluxe

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(Foto: Imago/Avalon.red)

Zwischen Mode und Laborkittel: Schlichte Workwear und simple Einheitslooks erreichen diesen Sommer auch die Edelmarken.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Ideale Anti-Mode

Während die Modeindustrie über das Ende des Quiet Luxury nachdenkt, also dieses langweiligen Looks, der auf teure Basics setzt und jede Frau zumindest äußerlich zur Milliardärsgattin macht, tragen die echten Leute auf den Straßen East Londons und anderer Hipster-Hotspots natürlich was ganz anderes: von Arbeitskleidung inspirierte Jacken und Hosen. Die Schnitte sind aufs Allernötigste reduziert, die Materialien auch. Ganz so, als ob es peinlich wäre, Seide zu tragen. Oder über das nachzudenken, was man trägt. Ist es ja wirklich, weil man mit diesen überstylten Leuten, die jetzt während der Schauen auf den Straßen fotografiert werden, auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden möchte.

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(Foto: Imago/Avalon.red)

Die baumwollene Anti-Mode ist aber auch wieder nur Pose. Wer sich anzieht, setzt ein modisches Statement in die Welt, ob man will oder nicht. Es war deshalb natürlich nur eine Frage der Zeit, bis der "Mir egal, was ich trage"-Look auf den Laufstegen ankommt, und zwar schön konterkariert. Cecilie Bahnsen, die skandinavische Topadresse für moderne Elfen-Romantik, hat zwischen ihre rüschigen Kleider und ausladenden Tüllröcke still und leise einen dieser Workwear-Looks geschmuggelt, in diesem Fall in Puderrosa, mit ein paar zarten Details und einem angedeuteten Schößchen, also einer Taille. Niemand wird einem in so einem Dress glauben, dass man morgens gar nicht übers Outfit nachgedacht hat, dabei ist das bei Workwear zum ersten Mal wahr: So eine Uniform nimmt einem das Styling (Fashion-Sprech für Denken) zum ersten Mal wirklich ab. Anziehen und sofort gut aussehen, so muss es sein.

Für ihn: Der neue Blaumann

Es gibt einen komischen Effekt bei Männern: Wenn man sie bei etwas beobachtet, das ihre völlige Hingabe erfordert, wenn sie gerade ganz in einer Sache aufgehen, ist das ein enormer Attraktivitäts-Boost. Worum es sich dabei handelt, ist relativ egal, es kann ein in seine präzisen Handgriffe vertiefter Koch sein, ein souverän agierender Rettungssanitäter, ein Pilot bei der Landung, ein Dirigent in Ekstase. Wo auch immer - fachliche Konzentration ist sexy. Zusätzlich unterstützt wird dieser Effekt dann oft noch von passender Berufsbekleidung, allen voran Uniformen, aber auch anderen sachlich legitimierten Klamotten, denn deren Botschaft ist: Der Träger nimmt seine Passion ernst und hält sich nicht mit Eitelkeiten auf.

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(Foto: Imago/Avalon.red)

Mit diesem Appeal funktioniert auch die sogenannte Workwear, die seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Streetwear ist. Sie soll eben auch dann als maskuliner Geschmacksverstärker dienen, wenn der Typ eigentlich nur in den Club oder auf den Wochenmarkt geht und gar nicht wirklich aufs Dach klettert oder Bäume fällt. Auf den Laufstegen für die Sommermode wurde die nüchterne Uniformität von Arbeitskleidung zum Beispiel bei Valentino durchdekliniert und remixt, hier etwa mit einem Ensemble, das an Intensivstation oder Hochsicherheitslabor denken lässt. Der oben skizzierte Profi-Charme greift auch hierbei, zumindest kann man sich gut vorstellen, dass dieser Jüngling irgendeine wissenschaftlich fundierte Agenda und ein wichtiges Ziel vor Augen hat - für jemanden, der auf einem komplett ziellosen Laufsteg herumläuft, ist das doch ein beachtlicher Effekt.

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