bedeckt München 15°

Stilkolumne "Ladies & Gentlemen":Tiefpunkte der Oberbekleidung

Juli Zeh Schriftstellerin Juristin in der ARD Talkshow GÜNTHER JAUCH am 25 05 2014 in Berlin Them

Schriftstellerin Juli Zeh spricht bei Günther Jauch über die Europawahl.

(Foto: Imago Stock&People)

Krampfhafte Manschetten an puffigen Ärmeln oder eine Merkel-Kette: Was anziehen bei Jauch und Co.? Politiker bleiben einfach in ihrem Bundestags-Look - für alle anderen Talkshowgäste ist diese Frage offensichtlich ein Dilemma.

Für alles gibt es einen Dresscode, aber nicht für Talkshows. Die Anzieh-Frage stellt nur für Langeweile-Talker kein Problem dar: Ich bleib so, wie ich bin, sagen sich Politiker und fallen vom Bundestag frohen Mutes in den nächsten Stuhl, die nächste Phrasendrescher-Runde. Für alle anderen bedeutet die Einladung den modischen Höllenritt. Schließlich ist noch nie definiert worden, worum es beim Outfit für den Polit-Talk geht: Seriösität? Volksnähe? Fernsehstar-Allüre?

Für den weiblichen Gast wiegt das Dilemma doppelt. Wagt sie einen zu tiefen Ausschnitt, muss sie jede Menge Altherrenwitze über sich ergehen lassen. Kommt sie hochgeschlossen, ist sie für die Nation eine verklemmte Kuh.

Der einzige Grund, letzte Woche Jauch zu schauen, war Juli Zeh. Die promovierte Völkerrechtlerin kann bekanntlich alles, Psychothriller schreiben, öffentliche Debatten anstoßen und Schlipsträgerrunden mit ihren Gedanken adeln, kurz, sie ist blitzgescheit. Nur sich anziehen, das kann sie nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass sie es noch nie versucht hat, aus guten Gründen.

Das wäre wirklich zu viel des Guten

Man stelle sich vor: ein weibliches Superbrain in einem Super-Chanelkleid! Deutschland stünde kopf, denn das wäre ja wirklich zu viel des Guten. Und so griff Juli Zeh seufzend zu einer Bluse, die über dem Busen spannte, sie warf sich eine Merkel-Kette um den Hals und steckte die Hosen in riesige Stiefel. Ein Durchschnitts-Fußgängerzonen-Outfit, die optimale Tarnkappe für eine Ausnahmeerscheinung.

Aus der Fashion-Perspektive führt das alles zum bitteren Fazit: blitzgescheit sein bringt einen hierzulande auch nicht weiter - jedenfalls nicht zu Prada-Klamotten und so.

(Julia Werner)