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Seetang:Knuspriges Algenbrot und Seepferdchen-Kuchen

Kein Wunder also, dass nun das halbe Land bereit steht für den Boom der Algen als Lebensmittel. Paul Cobb zum Beispiel, der bis zur Finanzkrise in der Baubranche war und danach bei einer Algenfarm anheuerte. Vor der Küste von Bantry versenkt Cobb lange Seile im Wasser, die er jetzt im Frühjahr, dicht bewuchert, wieder aberntet. Dazwischen tüftelt er daran, Braun- und Rotalgen in küchenfertige Produkte zu verwandeln. Beliebt sind seine "Chorizo Style Vegan Sausage", vegane Würstchen, die über Eichenholz geräuchert sind.

Die Meeresbiologin Cindy O'Brien und ihre Tochter Sinead bieten Besuchern in Gewächshäusern, die an einem Meerarm in Sichtweite der Aran-Inseln stehen, asiatisch abgeschmeckte Algensalate an. Eigentlich betreiben die Frauen eine Abalone-Farm, doch haben sie zufällig bemerkt, dass sich Dulse oder Meeresspaghetti in den von Salzwasser durchspülten Plastiktanks wohlfühlen, in denen auch die Muscheln reifen. Nun vermarkten sie Meeresgemüse - unter dem mit einem knurrigen Seebären verzierten Label "Mungo Murphy's".

James Cunningham wiederum denkt in größeren Maßstäben. Er hat noch bis vor Kurzem ein nach der Algenart "Dulse" benanntes Restaurant in Barna nahe der Westküstenstadt Galway geführt, in der Küche wurde mit Gewürzmischungen aus gemahlenen Algen gearbeitet. "Zufällig haben wir bemerkt, dass unser Brot übers Wochenende frisch blieb", erzählt er. Sein Start-up "Connemara Food Ventures" produziert nun natürliche Zusätze für die Back-Industrie, die Treibmittel, Geschmacksverstärker, ja die ganze Chemie überflüssig machen sollen.

Mancher hier lobt die Vorzüge vor allem für die Struktur der Krume, in Galway gibt es Bäcker, die knuspriges Algenbrot verkaufen und ihr Schaufenster mit filigranen Seepferdchen-Kuchen dekorieren. Das Restaurant hat James Cunningham aufgegeben, seine Algenprodukte sind nun in Dutzenden Ländern erhältlich, es gibt auch Brühe und Sauce für den Gastronomie-Großhandel. Einzig die Produktion eines Energieriegels hat er gestoppt, der an die alte Tradition anknüpfen sollte, getrocknete Algen in den Jackentaschen zu tragen.

Bedrohung für die Unterwasserwälder

Die Iren sind mindestens so egalitär wie die Skandinavier, ob Koch, Dulse-Farmerin oder Backmittelproduzent - geschäftlichen Besuch empfangen die neuen Kleinstunternehmer oft in ihrer Wohnküche. Weswegen man die Geschichte von den Garagen als Schaltzentrale von Start-ups gerade etwas umdichten möchte: Von den Küchen und Küsten Irlands aus wirkt die Algen-Industrie wie das nächste große Geschäft. Doch ob die Sache Zukunft hat, vor allem für die Iren, hängt nicht allein von Erfindergeist und Risikobereitschaft ab. Sondern auch davon, ob dem Boom nicht bald schon sein Rohstoff ausgeht.

Denn die Regierung hat die Traditionsfirma "Arramara" für eine nicht genannte Summe an den kanadischen Multi "Acadian Seaplants" verkauft, mitsamt der Ernterechte an gut einem Fünftel der irischen Küste, heißt es. Und nicht allein die neuen Kleinunternehmer fürchten um den Nachschub, Algen-Ernter und Umweltschützer malen sich eine Zukunft aus, in der mechanisch geerntet wird, in der Roboter systematisch den Meeresgrund abrasieren, wo bislang jeder Taucher und Pflücker mit Steinen markiert, welche Pflanze kürzlich abgeerntet wurde und sich erholen darf.

Am Ortseingang von Bantry steht ein kleines Schild, das vor dem drohenden Verlust der Unterwasserwälder warnt, in denen uralte Kelp-Pflanzen kleineren Algensorten, aber auch Krebsen, Hummern und frisch geschlüpften Fischen Nahrung und Unterschlupf bieten. Der von kleinen und mittelständischen Unternehmern als undurchsichtig empfundene Verkauf - er könnte das Image aller beschädigen. Der Mythos von der irischen Alge in ihrem seewassersauberen Habitat, er würde den Boom nicht überleben.

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