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Frankreich:Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot

FILE PHOTO: Designer Pierre Cardin attends a fashion collection presentation at his Studio Pierre Cardin in Paris

Der französische Designer Pierre Cardin ist im Alter von 98 Jahren verstorben.

(Foto: CHARLES PLATIAU/REUTERS)

Er galt als Erfinder der futuristischen Mode und schickte in den 60ern seine Models in astronautenähnlichen Anzügen auf den Laufsteg. Jetzt ist Pierre Cardin im Alter von 98 Jahren verstorben.

Der Pariser Modeschöpfer Pierre Cardin ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP am Dienstag unter Berufung auf seine Familie. Cardin starb demnach im amerikanischen Krankenhaus in Neuilly bei Paris.

Mit Cardin hat Frankreich einen der größten Visionäre der Mode verloren. Denn der Designer hat nicht nur die futuristische Mode mitbegründet, sondern als erster seiner Branche Mode für die Masse entworfen und wie kein anderer seinen Namen weltweit vermarktet.

Als Pietro Costante Cardini wurde er am 2. Juli 1922 in San Biagio di Callalta in Venetien geboren, wuchs aber in Frankreich auf. Er war der jüngste von sieben Geschwistern, der Vater war Weinhändler. Mit 14 Jahren ging er bei einem Schneider in Saint-Étienne in die Lehre. Seine Karriere startete er 1944 als Modezeichner im Haus Paquin. Nur drei Jahre später wechselte er zu Christian Dior. Dort entwarf er den sogenannten "New Look" - Kleider mit weit ausgestellten Röcken, schmalen Schultern und engen Taillen.

Schon 1950 gründete Cardin ein eigenes Haute-Couture-Unternehmen und designte hochwertige Prêt-à-Porter-Mode für den Weltmarkt. Neben Paco Rabanne und André Courrèges galt er als als Erfinder der futuristischen Mode. Er revolutionierte die Mode mit skulpturartigen Formen und neuen Stoffen wie etwa Vinyl. Künstlerische Mode wollte er auch einem breiten Publikum zugänglich machen. Einfach und alltagstauglich, dabei aber immer elegant - das zeichnete seine Kollektionen aus. Ein Jahrzehnt später entwarf Cardin als erster großer Modemacher auch Kollektionen für Männer. Seine Mannequins schickte er damals in astronautenähnlichen Anzügen und mit Helm über den Laufsteg.

Der Modedesigner war sehr geschäftstüchtig. Bis ins hohe Alter hinein entwarf er Kollektionen. Zu seinen erfolgreichsten Kreationen gehörten etwa geometrisch geschnittene Minikleider mit Schießscheibenmustern. Daneben besaß er mehrere Hundert Firmen in 180 Ländern, darunter auch Restaurants und Theater. Aus seinem Reichtum hat er nie einen Hehl gemacht: Er könne sich alles leisten, wie er einst in einem Interview unbefangen erklärte.

© SZ/dpa/lot
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