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Neues in Sachen Fahrradbekleidung:Der Schick der radelnden Schotten

SZW 06.04.

Wenn das Vehikel zum modischen Accessoire wird: Das Fahrrad im Stil der Dreißiger Jahre, das Outfit im passenden Retro-Chic.

(Foto: Pret-a-velo)

Bye-bye, Funktionswäsche: Seit Räder passend zur Lebenseinstellung ausgewählt werden, schwingt das Pendel der Fahrradmode weg von der Wurstpelle und hin zum Zwirn. Von der Insel kommen gar gedeckte Farben - Zeit, einen genaueren Blick zu riskieren.

Die "Belgische Mischung" versetzt einen in Staunen. Es ist schwer vorzustellen, dass die Radsportler einst nicht einfach aus ihren Sätteln gekippt und auf der Straße verendet sind. Denn diese "Pot Belge", die sie sich früher reingezogen haben, ist eine Teufelsmischung aus Amphetaminen, Heroin, Kokain, Betäubungsmitteln, Corticosteroiden und was der Medizinschrank und der Drogenmarkt sonst noch so hergaben. Mit dieser Art des Brachialdopings kurbelten Zweiradjunkies in den Zeiten vor Epo und Co über asphaltierte Leidenswege.

Die Zeiten sind vorangeschritten, die Dopingmethoden haben sich verfeinert - nur die Schmerzen sind geblieben. Zum Beispiel, wenn man den Katalog eines großen deutschen Fahrrad-Versenders durchblättert: Der Anblick gängiger Fahrradbekleidung löst Pein aus. Die aktuellen Kollektionen für Mountainbikefahrer sehen aus, als hätte man Schränke mit Skimode aus den achtziger Jahren gefleddert: Die Shirts sind weit geschnitten, die Muster knallen und die Farben sind neongrell. Es ist schwer bis unmöglich, diese Funktionswäsche mit Würde zu tragen.

Dabei geht es längst schon anders. Denn das Rad ist nicht mehr das Vehikel der armen Leute, die sich kein Automobil leisten können - und dementsprechend ist die Radmode mittlerweile auch von den verschiedensten Designern entdeckt worden. Das Rad-Outfit kostet dann gerne mal mehr als das Veloziped selbst. Das Rad ist Sinnbild der Lebenseinstellung des jeweiligen Fahrers geworden, denn wer möchte behaupten, es sei egal, ob man nun ein minimalistisches Singlespeed-Rad, ein voll ausgestattetes Mountainbike oder ein Elektrofahrrad fährt?

So, wie die Räder in den vergangenen Jahren diversifiziert wurden, hat sich auch die Mode erweitert. Radkleidung war noch vor ein paar Jahren reine Sportkleidung - die immer gleiche Wurstpellenoptik mit Popo-Dämpfung. Die allerdings passt nicht zu einem lässigen Singlespeed-Rad, und ins Büro mag damit auch nicht jeder fahren.

Das Fahrrad als Verkaufsvehikel

Große Bekleidungsfirmen wie der Jeanshersteller Levi's haben deshalb das Zweirad als Verkaufsvehikel entdeckt. Designer wie der Brite Paul Smith entwerfen Kleider, die zum stilechten Brooks-Ledersattel passen. Unternehmen wie der Berliner Laden Prêt-à-Vélo verkaufen Textilien im Retro-Chic und Modeschauen mit Zweirad werden in Berlin, München und anderswo auch längst organisiert. Das Pendel der Fahrradmode schwingt - weg von der Wurstpelle hin zum Zwirn. Wagen wir einen genaueren Blick.

Zum Beispiel auf das Boultbee Blackwell Cycling Jacket. Es wird aus wasserabweisendem Material gefertigt und soll den strampelnden Büromenschen auf dem Weg zur Arbeit in den Übergangszeiten vor Nässe schützen. Es sieht ein bisschen wie eine abgespeckte Version der klassischen Barbour-Jacke aus: dunkles, leicht angeschlammtes Grün, am Hals eine Art Gürtelschnalle und eine Tasche links neben dem Reißverschluss.

Reflektierende Riemen und Ellbogenpatches

Dass es sich um eine Jacke für Radler handelt, gibt lediglich der Schnitt preis: Am Rücken ragt halbrund ein Textillappen nach unten, der den Hintern vor Spritzwasser schützt. Denn in sportlicher Fahrhaltung rutscht die Rückenbedeckung ohne die runden Extralappen über den Hosenbund - und dann kann Regenwasser hineinlaufen. Bestimmt passt die Jacke ganz großartig zum ab Werk vorgealterten Brooks-Ledersattel aus Großbritannien - doch hier kommt der Haken: Das edle Stück kostet 549 Euro.

Für nur 150 Euro mehr erwirbt der solvente Moderadler dazu einen Blazer vom gleichen Hersteller. Das Boultbee-Elder-Street-Cycling-Jacket besteht aus wasserabweisendem Fox Brothers Tweed. Die Ärmel seien für den Radsport vorgeformt, heißt es, am Rücken befinde sich eine schräg angesetzte Sturmtasche, ganz wie bei einem herkömmlichen Trikot. Reflektierende Riemen sind ebenfalls aufgenäht und die Ellbogenpatches kann man an Münchner Ampeln sicher gut einsetzen.

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