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Neue Barbie-Puppe:Endlich Emanze

Barbie Celebrates 50th Anniversary of Sports Illustrated Swimsuit

Zu blond, zu dünn, zu doof - über Barbie konnte man sich schon immer aufregen.

(Foto: dpa)

Glitzerprinzessin, Ballkönigin, Krankenschwester, Stewardess: Barbie hatte schon die unterschiedlichsten Berufe. Dennoch wird sie als blondes Dummchen wahrgenommen. Nun aber gibt es die Puppe auch als Unternehmerin - ob sich das Image dadurch ändert?

Die Geschichte der Barbara Millicent Roberts ist seit jeher eine Geschichte voller Missverständnisse. Seit 55 Jahren geht das nun schon so. Das größte Missverständnis von allen wäre wohl, zu glauben, dass es sich bei Barbara Millicent Roberts, besser bekannt als "Barbie", einfach nur um eine blöde Puppe handle. Barbie ist ein Politikum, immer schon. Oder, deutlicher: Über Barbie regt man sich auf. Immer schon.

Viele verschiedene Menschen haben im Lauf der Jahrzehnte ihre Ablehnung formuliert. Manche eher nüchtern im Tonfall, Ärzte zum Beispiel. Die weisen gerne darauf hin, dass eine Frau mit Barbies Körperbau im realen Leben leider permanent nach vorne kippen würde - weil die Füße zu klein, der Busen zu groß und das Becken zu schmal wären, um sich damit aufrecht vorwärts zu bewegen.

Andere wurden emotionaler. Pädagogen etwa, die sich öffentlich Sorgen machten um das Körpergefühl junger Mädchen. Und dann, ganz vorne und vielleicht am lautesten, waren da immer auch Menschen, die das Frauenbild kritisierten, das Barbie ihrer Meinung nach transportiert: ein blondes, vollbusiges Weibchen mit eingefrorenem Lächeln, das einen Gutteil seiner Aufmerksamkeit Schuhen, Kleidern, Häusern, Kutschen und Ponys widmet. Ein Doofchen. Das kann doch wirklich keiner wollen!

Tatsächlich wollte das zumindest Ruth Handler nicht. Handler, 2002 im Alter von 85 Jahren gestorben, hatte die Barbie 1959 erfunden - und sie hatte sie eigentlich als Beitrag zur Emanzipation der Frau verstanden. "Ich dachte, es könnte hilfreich sein für die Selbstachtung junger Mädchen, mit einer Puppe zu spielen, die Brüste hat." Barbie, so sagte Handler, sei als Alternative zu den damals üblichen Babypuppen gedacht gewesen. Sie sollte den Töchtern dieser Zeit verdeutlichen, dass es noch andere Möglichkeiten gebe, sein Leben zu gestalten, als sich um schreiende Babys zu kümmern. Die Frage ist: Wie konnte sie so missverstanden werden?

Der Plastik gewordene Albtraum der Alice Schwarzer

Tatsächlich hatte das blonde Dummchen schnell die unterschiedlichsten Berufe. Barbie war nicht nur Glitzerprinzessin und Ballkönigin, sondern auch Krankenschwester, Ballerina und Stewardess. Spätestens in den Achtzigern wurden die Ansprüche größer. Barbie wurde dann Ärztin, Pilotin, Botschafterin und, im Jahr 2000, schließlich Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Aber an der öffentlichen Wahrnehmung änderte das nichts. Barbie blieb, was sie immer war: der Plastik gewordene Albtraum der Alice Schwarzer.

Ob sich das jetzt ändert? In diesem Jahr präsentierte der Hersteller Mattel bei der New Yorker Spielzeugmesse Barbie erstmals als selbständige Unternehmerin. Das passt, schließlich steigt auch die Zahl der realen Unternehmensgründerinnen seit Jahren. Überhaupt hat die Barbie stets auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert - ob sie sie auch unterstützt hat, ist fraglich. Bei Mattel, scheint es, hatte man die Frage nach der political correctness jedenfalls immer im Blick: Barbie legte diverse beachtliche Karrieren hin, und sie hatte nicht nur Freundinnen mit unterschiedlichsten Wurzeln; auch Barbie selbst gibt es längst mit verschiedenen Hautfarben.

Und Business-Barbie? Über ihr genaues Geschäftsmodell erfährt man nichts, die Ausrüstung mit Smartphone, Tablet-Computer und Aktentasche veranlasste aber manchen Beobachter zu der Mutmaßung, Barbie sei vielleicht ins Internetbusiness eingestiegen. Allerdings, das muss erwähnt werden, kommt die Gründer-Barbie natürlich nicht mit Turnschuhen und Kapuzenpullover daher, sondern im pinken Kleidchen und den unvermeidlichen High Heels. Und, um die Frage vorweg zu nehmen: Nein, dicker geworden ist sie diesmal wieder nicht.

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