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Mode:Gianni Versace - unsterblich begabt

Gianni And Donatella Versace

Gianni und seine Schwester Donatella Versace - das Foto entstand 1988 in einer Villa am Comer See.

(Foto: Evelyn Hofer/Getty Images)

Vor 20 Jahren wurde der italienische Designer ermordet. Gianni Versace gilt als Entdecker der Supermodels - und veränderte die Sicht auf die Mode.

Das schönste Märchen der Modewelt geht so: Ein Schneider, jung und begierig nach Ruhm, bricht aus dem armen Süden seines Landes auf zu großen Taten. Bald versetzt er mit golddurchwirkten Gewändern die Welt in Staunen und speist von feinsten Tellern, ohne seine Herkunft zu vergessen. Eines Morgens lauert ihm vor seinem Palast ein Mörder auf und tötet ihn. Der Vielgeliebte wird beweint, von Neidern verleumdet - und vor allem: Er wird unsterblich.

Das ist, in groben Zügen, die Geschichte des Modeschöpfers Gianni Versace aus der süditalienischen Provinz Kalabrien. Der Versuch, sein Leben zusammenzufassen, ohne dabei klischeehaft zu klingen, ist so aussichtslos, dass man es besser gar nicht versucht. Versace selbst liebte ja nichts so sehr wie Übertreibungen, sie kennzeichnen seine Mode, seine Werbekampagnen, sie sind der Kern seiner unermüdlichen Selbstinszenierung. Er spielte mal den Medici-Fürsten, mal den römischen Potentaten. Kleiner ging es nicht.

Es ist jetzt exakt zwei Jahrzehnte her, dass der Designer am 15. Juli 1997 vor seiner Villa am Ocean Drive in Miami Beach ermordet wurde. Das war das Ende einer sagenhaft erfolgreichen Karriere, in der Gianni Versace alles erreichte, was in den Achtziger- und Neunzigerjahren entscheidend war. Er sah gut aus, bekam die berühmtesten Models, war umweht von einem Hauch Dekadenz und Kokain und machte Kleider, die jeder Mensch schon von Weitem seiner Firma zuordnen konnte.

Erstens, weil sie mit einem Logo versehen waren, der schaurig schönen Medusa, die immer irgendwo prangte. Und zweitens, weil sie so geschnitten waren, dass die meisten Menschen bei ihrem Anblick eher an Ausziehen dachten als an Ankleiden. Das war auch für modische Neulinge ein leicht zu merkendes Markenzeichen.

Zum 20. Todestag setzt das Interesse an Gianni Versace nun genau an der Stelle wieder an, wo es irgendwann erloschen war, als nach dem Mord auch die letzte Schockwelle verebbte: bei der Sensation des gefallenen Helden. Ein scheinbar Unverwundbarer, umflattert von den Schönsten und Reichsten, brutal niedergeschossen von einem Serienmörder - das ist Stoff für Hollywood. Penélope Cruz steht gerade blondiert vor der Kamera als Versaces Schwester Donatella, für eine neue Staffel der Erfolgsserie "American Crime Story". Sie soll im kommenden Jahr starten. Und der Regisseur Bille August hat Antonio Banderas auserkoren für die Titelrolle in seinem geplanten Versace-Biopic.

Und mit jeder vogelwilden Kollektion das postmoderne Mantra: Spaß, Spaß, Spaß

Und das Œuvre, die Kollektionen, das Vermächtnis als Couturier? Man kann von Folgendem ausgehen: In beiden Produktionen wird nicht die Mode im Mittelpunkt stehen, sondern Dekoration sein für das Drama um den Mann, den Schöpfer. Und das ist nicht mal verkehrt, weil das Dekor, die Ausschmückung von Anfang an im Zentrum von Versaces Entwürfen stand. Kein anderer war so regelrecht besessen von Schnallen, goldenen Nieten, Gliederketten und Zierriemen. Niemand vor ihm hat Textil so bunt, laut und ohne Scheu vor zu viel Gepränge bedrucken lassen wie Gianni Versace. (Und niemand hat so wenig Textil gebraucht, um Frauen anzuziehen. Liz Hurleys Sicherheitsnadel-Kleid!)

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