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Ladies and Gentlemen:Frottee für Hedonisten

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(Foto: Hersteller (Terry/Arket))

In den Siebzigerjahren war der kuschelige Stoff schon mal ganz groß in Mode, jetzt kehrt er zurück - auch für sommerliche Kleidungsstücke.

Von Julia Werner und Jan Kedves

Für sie: Die neue Sanftheit

In schicken Hotels hat der Waffelpiqué-Bademantel ja den aus Frottee abgelöst. Warum das moderner sein soll, bleibt ein Rätsel. Schließlich ist nichts angenehmer auf der nackten Haut als eben dieser Baumwollstoff, während man Room-Service bestellt und Fernsehen schaut. Der andere ist dafür viel zu fest und kalt! Es wird also höchste Zeit, dass wir wieder ein bisschen mehr frottieren, aber nicht länger drinnen, da lauert Virengefahr, sondern draußen, in der Öffentlichkeit! Ihre absolut besten Zeiten erlebten Handtuchklamotten in den Neunziger- und in den Siebzigerjahren, mit Jumpsuits, Shorts und knappen Oberteilen. Sah gut aus zu Rollschuhen und so. Genau die gleichen Kleidungsstücke sind jetzt, in diesem Sommer, wirklich überall zu haben, sogar bei Zara - Rollschuhe aber nicht. Wohin also in solchen Shorts? Pool oder Strand natürlich! Dass eine Frau darin meistens nicht aussieht wie Farrah Fawcett, sondern wie eine Frau in Handtuchklamotten, sollte dabei nicht stören. Denn um Hotness geht es bei dem Trend gar nicht, sondern um Sanftheit. Zwar ist dieser Playsuit von Terry (englisch für Frottee, gesehen bei matchesfashion.com) auf den ersten Blick nicht unsexy. Erst auf den zweiten verwandelt er sich in einen gigantischen Babystrampler. Er bringt der Trägerin also keine optischen Vorteile, dafür aber eine gewisse Coolness und diese trockene Samstagabend-Wetten-dass-im-Bademantel-vor-dem-Fernseher-Sicherheit, wenn sie jetzt nach dem Lockdown vor lauter Publikumskontakt zu schwitzen anfängt.

Für ihn: Flauschige Männlichkeit

Sei kein Waschlappen! Sagte man früher zu Männern, wenn man sie nicht stramm genug fand oder irgendwie zu flauschig. Heute dürfen Männer schon weich sein, wobei viele von ihnen das gar nicht so wollen. Sie machen extra ein bisschen auf hart, zum Beispiel trocknen sie sich, wenn sie athletisch sind oder es gern wären, mit diesen ultradünnen Mikrofaser-Handtüchern ab. Die sind Hightech, was dem Kerl immer gut gefällt, und sie sind wahnsinnig saugstark, fast hätte hier gestanden: saufstark. Solche Plastiktücher trocknen nach dem Duschen ratzfatz wieder, viel schneller als Frottee, und sie wiegen fast nichts. Aber wie fühlen sie sich auf der Haut an? Als würde man sich mit Löschpapier abrubbeln. Es quietscht ja fast. Wie viel angenehmer und sanfter zur Haut ist da der Baumwoll-Flor des guten alten Frottee mit seinen winzigen weichen Schlingen. Aus der Sporttasche verbannt, darf er zumindest als Oberteil wiederkommen. Die H&M-Schwester Arket macht zum Beispiel mit beim Frottee-Trend und bietet Poloshirts aus dem Stoff an, sogar aus Bio-Baumwolle. Wenn es richtig heiß wird, hält so ein Polo schon ein bisschen zu warm, wärmer jedenfalls als ein normales Polo aus Piqué. Aber da kommt die Handtuchqualität zum Tragen: Schwitzen und abtrocknen geht in so einem Shirt nämlich gleichzeitig. Außerdem kann Mann, ohne damit draußen allzu weichlich auszusehen, sich reinkuscheln wie in den Pandemie-Bademantel, den er sich heimlich im Home-Office angewöhnt hat und den doch nur der Paketbote sieht.

© SZ/chrm
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