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Mode und Corona:Maske oder Marotte

(Foto: Instagram/Bearbeitung: SZ)

Auf die Anzugfarbe abstimmen? Oder doch lieber den Kopf-bis-Fuß-Panik-Look? Man wird die Maske in Zukunft vermutlich noch häufiger tragen müssen, das ist klar. Aber wie trägt man sie und wozu?

Cape der guten Hoffnung

Gibt es in Corona-Zeiten noch Trends? Na klar. Noch vor ein paar Wochen hieß es, das Tragen von Atemschutzmasken sei out. Jetzt rufen manche Politiker die Dinger zum nächsten heißen Ding aus, weil zwar nicht alle Modelle den Träger selbst, wohl aber die Mitmenschen vor Ansteckung schützen.

Modehäuser wie Chanel haben ihre Produktion ja bereits auf Masken umgestellt, um in der Krise den Krankenhäusern zu helfen. Natürlich werden wir uns hier nicht die Frage stellen, ob die schöner sind als die von anderen Herstellern - das wäre dem Ernst der Lage unangemessen. Aber wie man eine Maske im Alltag weniger bedrohlich aussehen lassen kann, darüber darf man sich ruhig Gedanken machen. Werden wir unsere Masken in Zukunft auf die Jackenfarbe abstimmen, oder was wird der Colour-Clash du jour sein? Ob neue Formen oder Prints das Krisen-Accessoire bestimmen werden, wissen wir noch nicht - dass man aber das Einkommen an der Maske, also an Seide oder Kaffeefilter, erkennen wird, schon. Darin wird die Mode sich nicht ändern.

Deshalb sollten wir uns in den nächsten Monaten daran erinnern, wie es mit der Maskenmode losging - im Fall von Naomi Campbell kam sie nämlich von Amazon. Bereits im März trug das Model den Kopf-bis-Fuß-Panik-Look, kombiniert mit einem luxuriösen Cape. Wirkt ein bisschen drüber? Ja. Aber das tun Trends am Anfang immer. Dann werden sie kommerziell ausgeschlachtet, mit Logos versehen und machen plötzlich gar keine Angst mehr. Hoffentlich ist das mit Masken auch so. Julia Werner

(Foto: David Zalubowski/AP; Bearbeitung: SZ)

Maske oder Marotte?

Bei diesem Herrn handelt es sich um Jared Polis, seines Zeichens Gouverneur von Colorado. Wie es sich für einen Volksvertreter gehört, geht er mit gutem Beispiel und einer Maske voran, die klarmacht, dass die Lage ernst ist. Sie ist zudem, wie soll man sagen, ein wenig anders als andere Masken. Aber wenn selbst der erste Mann im Bundesstaat eine selbstgemachte oder zumindest ungenormte Maske trägt, liegt darin wohl auch eine Botschaft. Entweder nämlich, dass keine andere verfügbar ist oder die Situation in ihrer Tragweite eben über Einweg-Masken hinausgeht, die zuletzt bei europäischen Politikern zu sehen waren. Gewöhnt euch dran, sagt dieser Auftritt - die Schutzmaske wird uns als individualisiertes Accessoire noch länger begleiten. Vielleicht ist es also noch Gewöhnungssache, dass einem dieses Modell an einem soliden Politiker und in einer Pressekonferenz trotzdem ein wenig zu persönlich vorkommt. In Kombination mit dem korrekten Anzug wirkt es jedenfalls, als wäre hier ein Kleidungsstück versehentlich ins Blickfeld gerutscht, das eigentlich nicht gesehen werden sollte. Als hätte man einen überraschenden Blick auf seinen Unterhosenbund oder in seine Sockenschublade bekommen. Noch steht die Regelkunde für Maskenmode am Anfang, aber warum sollte sie sich bei Würden- und Anzugträgern nicht auch an Hemd oder Krawatte orientieren? So sieht Herr Polis aus, als würde er im Anschluss eine Postkutsche überfallen. Aber vielleicht ist das in Colorado immer noch en vogue? Max Scharnigg

© SZ vom 11.04.2020
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