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Mikro-Skulpturen:Gehen zwölf Apostel durch ein Nadelöhr

Die Kunstwerke von Willard Wigan sind weltberühmt. Dabei sind sie so winzig, dass man sie nur durch ein Mikroskop betrachten kann - einmal hat der englische Bildhauer eines versehentlich eingeatmet. Derzeit sind die Mikro-Skulpturen in Hamburg zu sehen.

Von Violetta Simon

15 Bilder

Willard Wigan, Kleine Welten, Skyline

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Eine Geschenkidee für Weihnachten, für die man zwar extrem gute Augen, dafür nur wenig Platz braucht: Die Nadelöhr-Kunstwerke des Bildhauers Willard Wigan. Eine Ausstellung in Bildern.

So winzig wie ein menschliches Blutkörperchen: Die Mikro-Skulpturen des Engländers Willard Wigan sind weniger als 0,005 Millimeter groß. Wolkenkratzer, Bäume und Figuren sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

"Skyline"

Willard Wigan, Kleine Welten, Golden Harley

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Entsprechend klein sind die Spezialwerkzeuge, die der Bildhauer aus Birmingham benutzt: ein Mikroskop, ein selbst gebautes Mikroskalpell und Meißel, gefertigt aus Nägeln, an denen Rubin- und Diamantsplitter befestigt sind.

"Golden Harley"

Willard Wigan, Kleine Welten, UsainBolt-Jamaica

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Als Pinsel dienen Wigan seine eigenen Wimpern: "Wenn eine Figur fertig ist, nehme ich die kleinste am Rand meines Augenlids und reiße sie heraus. Mit einer Pinzette wird sie zu einem winzigen Pinsel", erklärt der Künstler in einem Interview. Früher habe er ein Haar vom Rücken einer Fliege genommen, aber die Wimper funktioniere genauso gut.

Der Jamaikaner Usain Bolt, schnellster Mann der Welt, in seiner berühmten Siegerpose

willard wigan

Quelle: CATERS NEWS AGENCY

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Manche Kunstwerke schnitzt der 56-jährige Künstler aus Sandkörnern, andere aus Gold - wie diesen WM-Pokal.

Willard Wigan, Kleine Welten, ThreePigs_Wolf

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Als Kind hatte Wigan es schwer. Er litt an Legasthenie, wurde in der Schule von Mitschülern und Lehrern gehänselt. Der Junge zog sich zurück in eine eigene Welt und baute dort für Ameisen ganze Wohnkomplexe mitsamt Innenausstattung und Mobiliar - maßstabsgetreu.

"Three Pigs & Wolf"

Willard Wigan, Kleine Welten, SylvaHands2012

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Früher glaubte Wigan, dass sein Werk, wenn es nicht sichtbar seit, auch nicht kritisiert werden könnte. "In der Schule konnte ich mich nicht ausdrücken und ich habe mich wie ein Niemand gefühlt", sagt er. Oft verhöhnt als "Nichts", nimmt sich Wigan vor, den Spöttern zu zeigen, dass "Nichts" nicht existiert.

"Sylva Hands", 2012

Willard Wigan, Kleine Welten, Whitehouse

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"Meine Arbeit ist eine Reflexion meiner selbst", sagt der Engländer. Er wolle den Menschen zeigen, dass kleine Dinge die größten sein können. "Ich wollte mit dieser Welt experimentieren, die wir nicht sehen können."

"White House"

kamele im nadelöhr

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Die Idee zu seinen Kunstwerken kam ihm, als er den Bibelspruch hörte: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich kommt." Das stachelte Wigans Ehrgeiz an. Mit Hilfe eines Mikroskops schafft er am Ende etwas Unglaubliches: Durch sein Nadelöhr passt eine ganze Karawane - neun Kamele aus Teppichfasern.

"Neun Kamele"

Willard Wigan, Kleine Welten, TailorOfGloucester

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Heute befinden sich in den Nadelöhren ganze Märchenwelten: Schneewittchen, Rotkäppchen oder Alice im Wunderland - wobei es sich bei letzterer um ein Zweitexemplar handelt. Das Original hat der Künstler versehentlich inhaliert: "Ich musste Alice mit einer meiner eigenen Wimpern sehr sehr vorsichtig hochheben und dann zwischen Stuhl und Tisch schieben", erzählt der Künstler. "Während ich dabei war, klingelte mein Telefon. Als ich wieder hinschaute, stellte ich fest, dass ich Alice eingeatmet hatte."

"The Tailor of Gloucester"

Willard Wigan, Kleine Welten, Last Supper

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Die wichtigste Voraussetzung für Wigans Arbeit ist Ruhe - äußerlich wie innerlich. Sogar das Echo des Verkehrs draußen kann seine Arbeit beeinträchtigen. Darum zieht sich der Künstler an ruhige Orte zurück oder arbeitet nachts.

"Last Supper"

Willard Wigan, Kleine Welten, Seesaw

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Um seine Mikroskulpturen zu perfektionieren, hat der Engländer das Stillhalten verinnerlicht: Wigan kann Herzschlag und Puls kontrollieren. Dafür trainiert der 56-Jährige seit Jahren wie ein Spitzensportler.

"Seesaw"

Willard Wigan, Kleine Welten, Pieta

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Besonders filigrane Arbeiten erledigt er in den anderthalb Sekunden zwischen zwei Herzschlägen, den Pulsschlag im Finger benutzt er wie einen Presslufthammer. Der Künstler selbst nennt seine Arbeitsweise "death man working".

"Pieta"

Willard Wigan, Kleine Welten

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Seit der Geschichte mit Alice im Wunderland achtet er präzise auf seine Atmung. Damals verschwand die Arbeit von Monaten in seiner Luftröhre. "Wenn ich etwa 18 Stunden am Tag arbeite, brauche ich ungefähr zwei Monate für eine Skulptur, für manche sogar mehr. Danach muss ich meist drei Wochen Pause machen und mich erholen. Im Jahr schaffe ich zwischen vier und fünf Skulpturen."

"Cinderella"

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2007 verlieh Königin Elisabeth II. Wigan den Ritterorden (Order of the British Empire) für seine Verdienste um die Kunst. 2012 wurde er beauftragt, anlässlich des diamantenen Thronjubiläums von Queen Elisabeth II die Krönungskrone nachzubilden. Das winzige Kunstwerk wird im Buckingham Palace aufbewahrt.

"Tower Bridge" in London, "Snow White and Seven Dwarfs"

Willard Wigan, Kleine Welten, RedRiidingHood

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Der Lohn für die Mühe: Wigans Kunstwerke gelten als "achtes Weltwunder" und stehen im Guinnessbuch der Rekorde. Vor allem aber erzielen die unglaublich winzigen Werke mittlerweile unglaublich hohe Preise: zwischen 100.000 und 150.000 Euro zahlen Kunstliebhaber für einzelne Mini-Skulpturen.

"Red Riding Hood"

Mehr über den Künstler und sein Werk finden Sie auf Willard Wigans Homepage. In der Ausstellung "Kleine Welten" in Hamburg sind Wigans Kunstwerke noch bis zum 14. März zu sehen.

© SZ.de/vs/feko/leja

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