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Merkels Gehhilfe:Krücken, die verzücken

In manchen Situationen sind Krücken gar nicht mal so schlecht

(Foto: AFP)

Für Angela Merkel sind ihre Krücken mehr als nur eine elegante Gelegenheitslösung: Sie ersparen der Kanzlerin so manchen Handshake, hier und da ein Bussi und sogar den ein oder anderen lästigen Termin. Ach, hätte sie die Gehhilfe doch nur schon viel früher gehabt.

Manchmal ist es schon angenehm, wenn man die Leute auf Abstand halten kann. Wenn man vor Zudringlichkeiten aller Art geschützt ist. Und wenn man, wie Fall der Bundeskanzlerin, eine absolut glaubwürdige Begründung hat, um lästige Begrüßungsrituale, möglicherweise sogar körperliche Nähe zu vermeiden.

Seit ein paar Wochen schon nutzt Angela Merkel ihre Gehhilfen für diesen Zweck: Sie verschafft sich Bewegungsfreiheit, indem sie ihren Langlaufunfall ins Feld führt. Wie begrüßt man zum Beispiel einen lieben Freund aus der Türkei, der sich selbst für einen der weltgrößten Staatsmänner hält? Mit einem freundlichen Humpeln, einem ironischen Wackeln mit der Krücke und einem Lächeln. Und schon hat man sich wieder einen Handshake, im besten Fall sogar ein Bussi erspart.

Im Rückblick eigentlich schade, dass die Kanzlerin ihre Stöcke noch nicht hatte, als sich noch Silvio Berlusconi mit dem Charme eines alternden Filous an sie heranwanzte - dem hätte sie damit gleich mal zärtlich auf die Finger hauen können. Noch viel besser funktioniert Merkels Gehhilfe als pauschale Entschuldigung, um endlich mal den Terminkalender auszumisten: Schon wieder so ein Auftritt im Dingsbumsverband, ein Stelldichein mit deutschen Konzernmanagern, ein Abend mit verdienten Parteigrößen?

Die Regierungschefin muss leider passen, sie bedauert es sehr, nicht dabei sein zu können, weil die Ärzte ihr befohlen haben, die Beine hochzulegen. Man ahnt: Die Kanzlerin und ihre Krücken, das ist mehr als eine elegante Gelegenheitslösung. Das ist eine Liebesbeziehung.