Küchenzeilen: Spaghetti aus Gemüse Zudeln statt Nudeln

Gemüsenudeln

Gemüsenudeln im wahrsten Sinne des Wortes - gesund und lecker.

(Foto: Illustration: Yinfinity)

Pasta aus Gemüse? Klingt so trostlos wie veganer Leberkäse. Nudeln aus Zucchini lassen einen aber bereitwillig auf einen alten Trick hereinfallen.

Von Kathrin Hollmer

Oma hat jetzt einen "Spirelli". Einen sanduhrförmigen Spiralschneider, mit dem man auf der einen Seite dünne, spaghetti-artige und auf der anderen Seite breitere, bandnudelartige Streifen aus Gemüse schneidet. Ein "Spirelli" funktioniert wie ein Bleistiftspitzer: Karotte rein, drehen - und an der Seite schlängeln sich "Karotten-Spaghetti" heraus. Wenn man Foodbloggern glaubt, ist dieser "Spitzer" die Revolution unseres "Gemüse-Lifestyles", eine Offenbarung, der höchstens noch der Kochautomat "Thermomix" gleichkommt.

Für mich klingt Pasta aus Gemüse wie veganer Leberkäse - nach einem trostlosen Ersatzprodukt, in diesem Fall für Kohlenhydrate. Doch weil sich Oma auf dem Jahrmarkt so ein Zaubergerät besorgt hat, kochen wir jetzt "Zudeln". Als ich mit den Augen rolle, ergänzt sie, extra langsam: "Zucchini-Nudeln". Alla Carbonara - und zwar einer Interpretation des Klassikers, bei dem statt Eier Sahne verwendet wird. (Rezept siehe unten)

An den "Veggie Noodles" kommt man derzeit nicht vorbei. Foodblogs, Facebook und Twitter sind voll von Rezepten für kohlenhydratfreie Pasta, die ersten Kochbücher zum Thema erscheinen und allein auf Amazon werden Dutzende verschiedener Spiralschneider angeboten.

Das Zauberding, das Gemüse in Kringel schneidet

Gemüse-Spaghetti vereinen gleich mehrere Trends in sich: Sie ersetzen Nudeln, die erklärten Feinde der Healthy-Bewegung, die auf Kohlenhydrate und Gluten (und noch vieles mehr) verzichtet. Auch Paleo-Anhänger, die unter anderem keine Getreideprodukte essen, können sich, während sie Zucchinistreifen um ihre Gabeln wickeln, vorstellen, wie das war, als sie noch Nudeln gegessen haben. Aus diesen Gründen preisen Foodblogger im Moment auch im Backofen getrocknete Grünkohlblätter als Alternative zu Chips an.

So sehen die rohen "Nudeln" aus, wenn sie durch den Spiralschneider gedreht wurden.

(Foto: SZ.de / Kathrin Hollmer)

Mit dem Spiralschneider kriegt man am besten weiches Gemüse wie Zucchini klein. Karotten darin anzuspitzen, ist ein wenig anstrengender, und die Gefahr, sich dabei in den Finger zu schneiden, weil man zu fest dreht, größer. Statt eigens einen Spiralschneider anzuschaffen, kann man das Gemüse auch mit einem Messer in feine Streifen schneiden oder es mit einem Sparschäler zu Bandnudeln hobeln.

Die Klassiker unter den Gemüse-Spaghetti sind - wegen ihrer Form - Möhren und Zucchini, aber auch rote Bete, Spargel und Kohlrabi werden im "Spirelli" angespitzt oder mit dem Sparschäler in Pappardelle verwandelt. Danach werden sie in der Pfanne gedünstet oder, wie etwa Möhren (Mudeln!) und Kohlrabi (Kudeln!), kurz in Salzwasser blanchiert, und schließlich mit einer Soße serviert: klassisch mit Pesto, all'arrabbiata oder mit einem Ragù alla bolognese, als Lasagne mit Zucchini-"Blättern", asiatisch als Karotten-Nudeln mit Ingwer-Limetten-Erdnuss-Soße und Koriander oder vegan, wie bei Attila Hildmann: als Kohlrabi-Spaghetti mit Tomaten-Basilikum-Soße und "Pinienkern-Parmesan" (mit Verlaub, ein trostloser Ersatz).

Die Carbonara-"Zudeln" schmecken übrigens gut. Wie, nun ja, Zucchini mit Speck, Sahne und Käse eben. Überzeugend, solange man keine Nudeln erwartet. Und praktisch, weil uns die Gemüse-Spaghetti ganz nebenbei Vitamine unterjubeln (wem das zu gesund ist, kann auch zur Hälfte herkömmliche Nudeln verwenden). Das erinnert an die Zeit, in der "Gemüse-Lifestyle" noch darin bestand, dass Karotten, Gurken und Tomaten erst genießbar waren, nachdem die Eltern lustige Gesichter daraus gelegt hatten. Die Gemüse-Spaghetti lassen uns bereitwillig auf diesen alten Trick hereinfallen. Nur "Pasta" sollte man nicht ankündigen, wenn man Essensgäste erwartet. Das könnte zu fragenden Blicken führen.

Gesunde Gemüsenudeln, mit sündiger Sauce - alla carbonara.

(Foto: SZ.de / Kathrin Hollmer)

Rezept für "Paleo Low Carb Carbonara"

Zutaten (für zwei Portionen):

· 3 Zucchini, gewaschen und geputzt

· 3 Knoblauchzehen, fein gewürfelt

· 4 Scheiben Frühstücksspeck

· 1 Esslöffel Sahne

· 3 EL frisch geriebenen Parmesan; plus Parmesan zum Garnieren

· Salz, Pfeffer, Kräuter (nach Belieben)

Zubereitung:

Den Speck langsam in einer Pfanne anbraten, bis er schön knusprig ist. Speck aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen, dabei das Fett in der Pfanne behalten und darin den Knoblauch kurz anschmelzen. Die Zucchini mit einem Spiralschneider, Sparschäler oder einem Messer in Spaghetti- oder Bandnudelform schneiden und in die Pfanne zum Knoblauch geben. Vorsichtig umrühren, bis Fett und Knoblauch sich verteilt haben. Den Herd auf die höchste Stufe stellen, immer wieder vorsichtig umrühren, damit die "Zudeln" ihre Form behalten. Sie sollen nicht zerfallen oder braun werden. Überschüssiges Fett abgießen. Die Pfanne zurück auf den Herd stellen und auf mittlere Stufe zurückdrehen. Käse und Sahne unter Rühren zugeben. Den Speck zerbröseln und ebenfalls dazugeben. Mit Salz und Pfeffer und nach Belieben Kräutern abschmecken. Wenn die Soße etwas angedickt ist, Pfanne vom Herd nehmen und die "Zudeln" auf Tellern verteilen und mit Parmesan bestreuen.

Quelle: Sweetdesigns.com (leicht variiert)