Zum Tod von Karl LagerfeldDer Maître und seine Musen

Der Modedesigner scharte Charaktere um sich, die ihn inspirierten. Einige gelten als seine Entdeckungen. Sie sind immer schön, oft klug und in einem Fall äußerst flauschig.

Model-Gespür

Karl Lagerfeld hatte ein enormes Gespür dafür, welche Personen den Zeitgeist verkörpern. Immer wieder sah er in Frauen und Männern etwas Außergewöhnliches und schickte sie auf den Laufsteg, damit sie seine Kreationen bestmöglich vorführen: Adlige, Arbeiter, Schüler, Prominentensprosse, Sänger, Künstler. Die Geschichten von seinen Entdeckungen erscheinen teilweise märchenhaft: Claudia Schiffer war einst Schülerin und Disco-Gängerin, ehe sie nach Paris kam. Baptiste Giabiconi war Mechaniker und trainierte im Fitnessstudio, als er entdeckt wurde. Es folgten Weltkarrieren. Lagerfelds Musen wurden bekannt, verdienten gut, bekamen neue Job-Perspektiven. Dafür gaben sie dem Maître, so sagte er selbst, Inspiration. Karl Lagerfeld war angezogen von Prominenz, aber die Prominenz war auch angezogen von ihm, weil Chanel weltweit das vornehme französische Image verkörperte, das Neureiche und Stars und Sternchen attraktiv erscheint. Die meisten, die es einmal in Karl Lagerfelds Herz geschafft haben, hatten dort einen Platz für alle Zeiten sicher. Es entstanden Freundschaften, die oft - wie bei Vanessa Paradis - sogar in der nächsten Generation fortbestanden.

Bild: ddp images/abaca press 20. Februar 2019, 14:552019-02-20 14:55:17 © SZ.de/ick/stein