Guide Michelin 2012:Die Wohlfahrt'sche Schule

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Besonders groß dürfte die Freude in Berlin und Hamburg sein, wo je zwei neue Zwei-Sterne-Restaurants zu feiern sind. Berlin festigt damit seine Stellung als kulinarische Hauptstadt mit nun insgesamt 16 Sternen, gefolgt von München mit 13 und Hamburg mit 11. Weil auch Sylt und Lübeck einen neuen Zwei-Sterne-Koch bekommen haben, kann man von einer Art Hoch im Norden sprechen, eine Entwicklung, die sich schon im vergangenen Jahr anbahnte, als an Deutschlands Küsten bereits drei neue Zwei-Sterne-Restaurants gekürt wurden.

Doch ist neben dem geographischen auch ein stilistischer Trend zu beobachten? Kann man gar von einer neuen deutschen Schule sprechen? Eher nicht. Die frisch Ausgezeichneten sind, was Kochstil und kulinarische Prägung angeht, ein durchaus bunter Haufen und bestätigen eigentlich nur eines: Das Angebot in der deutschen Spitzengastronomie wird immer vielfältiger.

Stilprägend wirkte bei dieser Entwicklung eine Ausnahmeerscheinung wie Harald Wohlfahrt von der Schwarzwaldstube in Baiersbronn, der dienstälteste deutsche Drei-Sterne-Koch. Thomas Bühner ist neben seinen Kollegen Klaus Erfort und Christian Bau nun schon der dritte unter den jüngeren deutschen Drei-Sterne-Köchen, der durch die Wohlfahrt'sche Schule ging. Auch unter den neu gekürten Zwei-Sterne-Köchen sind gleich drei Talente, die aus der Schwarzwaldstube hervorgegangen sind: Sebastian Zier (La Mer, Sylt), Christian Scharrer (Buddenbrooks, Lübeck) und Christoph Rüffer (Haerlin, Hamburg).

Dass der Michelin nun gerade in diesem Jahr ein wahres Füllhorn ausschüttet, kann aber auch noch andere Gründe haben. Denn die klassischen Gourmetführer geraten angesichts zunehmender Konkurrenz von mehr oder minder seriösen Bewertungsportalen im Internet zunehmend unter Druck, auch wirtschaftlich. Ein spektakulärer Sternesegen wie in diesem Jahr ist sicherlich sowohl der Publicity als auch den Verkaufszahlen zuträglich.

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