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Geschmackssache:Sobrassada

Fleischgewordener Bauerntrampel: die spanische Sobrassada.

(Foto: Imago)

Sie ist optisch nicht gerade die Catherine Deneuve unter den Würsten, doch geschmacklich dafür um so feiner. Sobrassada verdankt ihr Aroma großen Mengen an Pfeffer und Parika. Und sie eignet sich vorzüglich als Gewürz für Eintöpfe.

Achtung, für Ende Mai wird es nun ungewohnt deftig. Aber was soll's, das Wetter tut schließlich auch so als wäre Anfang April. Es geht um Sobrassada, eine luftgetrocknete mallorquinische Schweinswurst und optisch nicht gerade die Catherine Deneuve unter den befüllten Naturdärmen. Außen bräunlich und unförmig, innen schön fettig und cremig bis schmierig. Kurzum: Sie verkörpert alles, wovor uns Ernährungsideologen und Frauenzeitschriften immer gewarnt haben, was für sich genommen heute schon ein kulinarischer Adelstitel ist. Et voilà: Geschmacklich ist Sobrassada so intensiv wie nur wenige ihrer Verwandten, und dabei komplex, denn beachtliche Mengen an Paprika und Pfeffer geben der Wurst eine herrliche Würze. Zudem beweist ausgerechnet dieser fleischgewordene Bauerntrampel, dass man Wurst nicht in rauen Mengen verschlingen muss, sondern dass man sie sparsam und fein einsetzen kann, Scheibchen für Scheibchen, etwa als Gewürz für Eintöpfe. Schließlich war Sobrassada noch bis weit in die 50er-Jahre hinein für viele Mallorquiner das einzige bezahlbare Fleisch überhaupt. Der englische Koch Rick Stein empfiehlt Sobrassada als pikante Beigabe eines mediterranen Schmorgerichts. Dafür brät er Hühnerbrustfilets mit Salz und Chili golden in Sonnenblumenöl an und gibt wenige Scheiben Wurst dazu, die im Bräter schmelzen. Dazu kommen Zucchini-Würfel, Weiße Bohnen und eine vorgekochte Soße aus geschnittenen Tomaten, Knoblauch, Oregano und Weißwein. Alles bei geschlossenem Deckel schmoren lassen, bis es gar ist (etwa 20 Minuten). Mit diesem Gericht wird es fast schon wieder sommerlich.

© SZ vom 23.05.2015
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