Geldbörsen für Herren Was uns drückt

Die rechte Gesäßtasche ist der natürliche Lebensraum des Herren-Portmonnaies.

(Foto: iStockphoto)

Männer haben eine Problemzone, von der viele Frauen nichts wissen und viele Männer nichts wissen wollen: Das Portemonnaie in der Gesäßtasche. Es drückt. Dabei gäbe es durchaus Alternativen.

Von Harald Hordych

Frauen verstehen viel mehr von Mode als Männer. Das ist gerade unter Frauen unbestritten. Aber von einer Modesache verstehen sie nichts. Das ist der Druck, der von unten kommt. Weil Druck sonst immer von oben kommt, vom Chef, vom Finanzamt, von dem Schmerz, der bei Föhn im Kopf arbeitet. Aber den Druck von unten, hervorgerufen von dem Portemonnaie, das in der Gesäßtasche steckt, den kennen sie nicht.

Das Portemonnaie: vollgestopft mit Kreditkarten, Vereinsmitgliedskarten, abgelaufenen Versicherungskarten, Videothekmitgliedskarten von geschlossenen Videotheken, dem Führerschein, dem Fahrzeugschein in der dicken Plastikhülle, den Münzen für den Parkautomat, dem Stapel Visitenkarten, die man nie verteilt. Die Summe dieser Kleinigkeiten entwickelt ihn, den massiven Druck von unten.

Eine Typologie des Herren-Portemonnaies

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Wenn ein Mann spürt, dass die eine Seite seines Körpers fünf Zentimeter höher gehoben wird als die andere, so als ob irgendwas bei ihm ausgetauscht werden soll, wie bei einem Radwechsel - wenn der Mann das spürt, dann ist die Katastrophe nicht mehr fern, weil die Fehlerkette eröffnet ist. Dann verlässt der Mann nämlich den Pfad eingeübten Alltagsverhaltens.

Für viele Männer ein Tabuthema

Der Mann denkt immerzu an sein Gesäß, genauer an die aufgebockte Seite, er will den Druck loswerden. Also zieht er das Portemonnaie aus der Gesäßtasche und deponiert es. Das Wort klingt fachmännisch, aber deswegen ist es ganz falsch, da wird nichts deponiert. Der bedrückte Mann pult es aus der engen Gesäßtasche und legt es . . . - ja, wohin denn, sagen wir: Er legt es neben sich. Dieser Raum klingt überschaubar. Aber er ist riesengroß, und er wächst mit jeder Sekunde, bis er so weit und leer ist wie der Kopf des Mannes, wenn der Druck weg ist. Dann denkt der entspannte Mann in die Weite hinein, in die Leere. Dorthin geht er dann auch. Und zurück bleibt der Druck. Und das Portemonnaie.

Eine Typologie des Herren-Portemonnaies

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Darüber wird nicht viel gesprochen. Männer geben sich nicht gern als Tollpatsch zu erkennen. Es kommt zwar immer raus, wenn er was verliert. Aber darüber spricht der Mann nicht gern. Was soll er auch sagen? Dass er das Portemonnaie nicht gern in die Innentasche seines Jacketts steckt. Weil es dann aussieht, als habe er dort für alle Fälle einen Colt versteckt. Dass er die vielfältigen Aufgaben des Portemonnaies nicht gern auf mehrere kleine Ledergefäße verteilen möchte, weil er dann immer eines nicht dabeihat. Garantiert das, welches er gerade braucht. Dass er sein Portemonnaie nicht gern in einem Herrenhandtäschchen platziert, weil er kein Herrenhandtäschchentyp ist.

Aber was heißt das schon? Viele Männer sind überhaupt kein Typ. Sie halten das Portemonnaie für einen Sammelbehälter, den man so lange plattsitzt, bis er aussieht wie ein geschrumpftes glattpoliertes Furzkissen. Dabei gibt es Alternativen. Wir stellen einige vor und die Typen, die Männer sein können, wenn sie sich endlich entscheiden.