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Ernährung:Wie Weißbrot - nur in lila

In Singapur hat ein Ernährungswissenschaftler ein Weißbrot mit ungewöhnlicher Farbe entwickelt. "Purple bread" soll aber gesünder sein als das Original.

Die Superfoods Gojibeeren, Chia-Samen, Spirulina, Kokoswasser und Baby-Kale bekommen harte Konkurrenz aus Singapur. Dort hat ein Ernährungswissenschaftler purple bread entwickelt, also lilafarbenes Brot.

"Die vergangenen zehn Jahre war Brot unter Beschuss", sagte Zhou Weibiao CNN. Damit hat der Forscher Recht. Seit Jahren ist Brot, besonders Weißbrot, der Endgegner der Superfood-Liebhaber, der Langweiler unter den Broten. Was wurde dem armen Weißbrot nicht schon alles vorgeworfen? Macht dick. Verursacht Pickel, Depressionen, Kopfschmerzen. Statt einer Stulle knabbern figurbewusste Fitnessjünger daher höchstens Eiweißbrot (ohne Butter oder Nutella, versteht sich).

Weich, gesund, lila

Jetzt gibt es optische Abwechslung: Das lila Brot wird bereits als erstes gebackenes Superfood gehandelt. Es steckt dem CNN-Bericht zufolge voller Antioxidantien, wird 20 Prozent langsamer verdaut als Weißbrot und ist komplett aus natürlichen Inhaltsstoffen.

"Die Herausforderung war, die Zusammensetzung von Brot zu verändern, ohne die weiche Textur zu verändern. Denn die lieben Menschen an Weißbrot", sagte Zhou. Also entnahm er Anthocyane aus schwarzem Reis und fügte sie dem Brotteig hinzu. Diese wasserlösslichen Pflanzenfarbstoffe machen das Brot durch die chemische Reaktion mit Stärke lila. Anthocyane haben Untersuchungen zufolge antioxidative Wirkung, die die von Vitamin C und Vitamin E um ein Vielfaches übersteigen soll. 80 Prozent der Antioxidantien bleiben sogar in der Kruste erhalten, wenn das Brot bei 200 Grad gebacken wird, sagt Zhou.

Einen Haken gibt es

Anthocyane sorgen bei Obst und Gemüse wie Weintrauben, Blaubeeren oder Süßkartoffeln für den typischen roten, violetten oder blauen Farbton. Studien zufolge können sie vor kardiologischen und neurologischen Erkrankungen schützen, sagt Zhou. Der Wissenschaftler gibt aber zu Bedenken: "Nicht alle lilafarbenen Früchte sind Superfoods."

Das neu entwickelte Brot angeblich schon. Einen Haken hat es allerdings: Weniger Kalorien als Weißbrot hat das purple bread nicht. Das muss auch Professor Zhou zugeben: "Sie essen die gleiche Menge an Stärke und Weizen, der Nährwert ist also derselbe. Anders ist aber, dass sie mit diesen Kalorien über einen längeren Zeitraum auskommen."

Es ist also eigentlich doch nur Weißbrot - in Farbe. Und erinnert vom Aussehen her eher an Wurst.

Noch gibt es das lila Brot nicht in den Läden, aber Zhou will es bald kommerziell verkaufen. Er habe sogar schon eine Anfrage aus Südafrika von einem Mann erhalten, der wissen wollte, ob man statt Weißbrot auch Schokolade nehmen könne. "Man könnte Anthocyane Schokolade hinzufügen, aber Schokolade enthält nicht die gleiche Stärke, sodass es nicht den gleichen Effekt hätte", weiß Zhou.

© SZ.de/jana/kat
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