Zwölf besondere Olympioniken – Shin A Lam

Shin A Lam: Im TV-Betrieb während der Spiele gibt es wenig Raum zwischen schwarzer, roter und goldener Berichterstattung. Umso erstaunlicher war der Abend des Degenhalbfinales der Frauen. In einstimmigem Lamento besang die London-Berichterstattung eine südkoreanische Fechterin, die gerade das Finale verpasst hatte. Doch Shin A Lam hatte nicht nur verloren, in der letzten Sekunde, die eigentlich die letzte Hundertstelsekunde war. Es war zudem höchst umstritten.

Eine Stunde saß die vermeintlich Geschlagene auf der Planche, das Regelwerk zwang sie - während der Protest ihrer Betreuer lief -, in aller Öffentlichkeit zu leiden. Während abseits der Scheinwerfer diskutiert wurde, weinte Shin erst, dann zitterte sie vor Erregung, dann weinte sie wieder. Irgendwann kauerte sie am Rand der Planche, allein. Kurz zuvor hatte ihr jemand ein Handtuch über die Schultern gelegt. Eine Stunde nach dem letzten "en garde" erfuhr Shin, dass sie verloren hatte. Endgültig. Sie warf das Handtuch von sich. Sie war untröstlich - auch der Ehrenpreis des Weltverbandes wird da keine Hilfe sein.

(fred)

Bild: REUTERS 6. August 2012, 17:112012-08-06 17:11:23 © Süddeutsche.de/sas/jbe/lala