Zweite Fußball-Bundesliga Riesenchance vertan

Fürths Torschütze zur Führung: Serdar Dursun zeigt aufs Kleeblatt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Sie rennen, sie gewinnen Zweikämpfe, sie kreieren Ecken - und sie verlieren erneut: Nach dem verlorenen Derby spitzt sich die Lage in Nürnberg zu.

Von Christopher Gerards

Alois Schwartz drehte sich um, er sah ganz ruhig aus. Er ging durch seine Coaching-Zone, vier Schritte, fünf, fast war er an der Trainerbank des 1. FC Nürnberg angekommen. Er sah noch immer ruhig aus, doch dann hob er seine rechte Hand, er schlug gegen das Dach über der Bank. Einige Meter weiter jubelte eine Gruppe in weiß-grünen Trikots. Serdar Dursun hatte zum 1:0 für Fürth getroffen, in der 40. Minute.

1. FC Nürnberg gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth, sechster Spieltag in der zweiten Liga, Frankenderby. Ein Spiel mit Emotionen, mit Tempo. Ein Spiel, das Spiel FCN-Trainer Schwartz als "Riesenchance" bezeichnet hatte, um die Stimmung zu drehen. Ein Spiel, das dabei jedoch nicht half: Fürth siegte 2:1 (1:0), weil auch Daniel Steininger traf (54.) und der Anschlusstreffer des eingewechselten Guido Burgstaller zu spät kam (90.+3). "Das ist ernüchternd", sagte Schwartz bei Sky: "Aber wir haben heute kompakt gestanden und gut nach vorne gespielt, es war ein Schritt in die richtige Richtung. Aber offenbar müssen wir noch mehr tun, um den Bock umzustoßen."

Beide Trainer hatten ihre Mannschaften stark umgebaut: Fürths Coach Stefan Ruthenbeck tauschte nach dem 0:3 gegen Würzburg fast die komplette Offensive, Sebastian Freis und Berisha kehrten nach Verletzungen zurück. Bei Nürnberg begann Even Hovland in der Innenverteidigung für Lukas Mühl, vor der Abwehr spielte Ondrej Petrak für Enis Alushi. Im Angriff verzichtete Schwartz auf den zuletzt gesperrten Torjäger Guido Burgstaller, stattdessen startete Tim Matavz als einzige Spitze.

Das Derby war keine vier Minuten alt, da war der Club schon zwei Mal in Bedrängnis geraten. Erst grätschte Dave Bulthuis am Ball vorbei, folgenlos. Dann klärte Laszlo Sepsi eine Flanke in die Füße von Veton Berisha, ein Kollege musste aushelfen. Schwartz wendete sich ab. Ging ja gut los.

Einige Minuten brauchten die Nürnberger, um ins Spiel zu kommen, doch dann dominierten sie. Sie rannten, sie gewannen Zweikämpfe, sie spielten schnell in die Spitze, sie kreierten Ecken. Nach 23 Minuten hatte Kevin Möhwald schon sechs Eckbälle geschlagen, ein Mittel, das Würzburg zuletzt zwei Mal erfolgreich gegen Fürth angewendet hatte. Die 20. Minute: Petrak verlängerte einen Eckstoß von Möhwald, in der Mitte reagierte Edgar Salli aber nicht mehr rechtzeitig. Die 22. Minute: Wieder flankte Möhwald, jetzt stieg Matavz hoch - und traf die Latte.

In der vergangenen Saison hatten beide Teams das Derby je ein Mal gewonnen, und auch dieses Mal war es lange ein Hin und Her. Die 35. Minute, Dursun schoss aus 18 Metern - knapp drüber. Fünf Minuten später zielte er besser. Gießelmann hatte einen Ball geschlagen, der, ob Schuss, ob Flanke, ans Lattenkreuz flog, dann prallte er zu Sebastian Freis, der ihn auf Serdar Dursun flankte, direkt vors Tor. Dursun schmiss sich hinein. Und jubelte.

Und die zweite Hälfte war neun Minuten alt, da schoss Steininger, der in seinem dritten Zweitligaspiel eine starke Vorstellung bot, vom rechten Strafraumeck, Sepsi fälschte den Ball ab - das 2:0. "Wir wollen euch kämpfen sehen", sangen Nürnbergs Fans. Und der FCN kämpfte, erspielte sich Chancen: Matavz köpfelte, Megyeri parierte (66.); Leibold schoss knapp vorbei (68.); der eingewechselte Cedric Teuchert verpasste den Anschluss ebenfalls (81.). Den erzielte Burgstaller - zu spät (90.+3). Sportvorstand Andreas Bornemann will trotz des Resultats keine Trainerdiskussion führen: "Wie sich die Mannschaft präsentiert, gibt derzeit keinen Anlass, am Trainer zu zweifeln."