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Zweite Bundesliga:Fortunas Königstransfer

Klaus Allofs (Düsseldorf) präsentiert die Kicker Torjägerkanone

So sah er 1979 aus: Klaus Allofs holte im Fortuna-Trikot die Bundesliga-Torjägerkanone - mit 22 Treffern.

(Foto: Liedel/imago images)

Der ehemalige Top-Torjäger Klaus Allofs kehrt nach Düsseldorf zurück - als Fußball-Vorstand.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Namhafte Entdeckungen von Klaus Allofs hießen zuletzt Potemkin und Rolando. Potemkin ist ein neunjähriger Wallach und Rolando ein sechsjähriger Hengst. Weil der Pferdebesitzer Allofs sich so gut mit Vollblütern auskennt, ist er im vergangenen Jahr in den Vorstand des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins gewählt worden. Am Sonntag gab der Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf bekannt, dass der 63 Jahre alte, gebürtige Düsseldorfer von diesem Montag an auch dem nunmehr vierköpfigen Fortuna-Vorstand angehört und sich darin um die Themengebiete Fußball und Entwicklung sowie Kommunikation und Corporate Social Responsibility - die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen - kümmert. Mit seiner Erfahrung als früherer, sehr erfolgreicher Fortuna-Fußballer sowie als Manager bei Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg kann er den Düsseldorfern sportlich gewiss weiterhelfen und ist in diesem Sommer so etwas wie Fortunas Königstransfer.

Am Samstag hat Allofs schon auf der Tribüne in der Düsseldorfer Arena gesessen und an der Seite seines Bruders Thomas beobachtet, wie Dawid Kownacki gegen die Würzburger Kickers in der 82. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielt hat. Der Pole hat die Fortuna damit eine Woche nach der Auftaktniederlage beim Hamburger SV vor einem Fehlstart bewahrt. Nach zwei Jahren Bundesliga fühlen sich die Düsseldorfer in der zweiten Liga ein bisschen unterrepräsentiert und streben langfristig eine Etablierung im erlauchten Kreise an. Schon länger war man zu diesem Zwecke auf der Suche nach einem fußballerisch profilierten Entwicklungshelfer.

Wolf Werner, Helmut Schulte, Rachid Azzouzi, Erich Rutemöller und Lutz Pfannenstiel waren Sportdirektoren, die sich in den vergangenen Jahren daran versuchten, die Fortuna zum dauerhaften Bundesliga-Teilnehmer zu entwickeln, aber aus unterschiedlichsten Gründen dabei scheiterten. Seit Pfannenstiels selbst gewähltem Abgang hatte eigentlich Uwe Klein die Position des Sportchefs inne; er wird von Allofs nun aber hierarchisch übertrumpft.

Bei der Fortuna haben sie das Gefühl, mit Allofs einen Hauptgewinn gemacht zu haben. "Ich bin sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, mit ihm einen der erfolgreichsten Fußballmanager Deutschlands zu seinem Heimatverein zurück zu lotsen", sagt der Aufsichtsrats-Vize Sebastian Fuchs. Das Kontrollgremium wird nun erwartungsfroh beobachten, was die Zusammenarbeit zwischen Allofs und Vorstandschef Thomas Röttgermann erbringt. Die beiden haben von 2012 bis 2016 schon beim VfL Wolfsburg zusammen die Fäden gezogen. Das hat in den Abschlusstabellen 2014 bis 2016 unter dem Trainer Dieter Hecking drei einstellige Platzierungen eingebracht sowie 2015 den DFB-Pokalsieg. Doch in der finalen Saison ging alles den Bach runter. Erst wurde im Oktober 2016 Hecking entlassen, dann im Dezember Allofs, am Ende schaffte Wolfsburg den Klassenerhalt 2017 erst in der Relegation.

Ein bisschen überregionalen Glanz im Vorstand erhoffen sich die Düsseldorfer durch die Präsenz des renommierten Managers, dessen Branchen-Netzwerk auch der Kaderqualität in den kommenden Jahren zuträglich sein soll. Allofs' Vertrag gilt zunächst bis 2023. "Wir werden sehen, was hier möglich ist", sagt Allofs.

Ein finanzieller Spielraum, der mit jenem damals beim VfL Wolfsburg vergleichbar wäre, ist bei der Fortuna aktuell zwar nicht vorstellbar, allerdings spielen auch emotionale Gründe für die Rückkehr zu seinem Heimatverein eine Rolle. "Die Fortuna liegt mir schon besonders am Herzen", sagt er. Allofs lebt seit einigen Jahren in Duisburg.

© SZ vom 28.09.2020

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