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Zlatan Ibrahimovic:"Bitte schön!"

Los Angeles Galaxy v Los Angeles FC - Western Conference Semifinals

In 58 Spielen für L. A. erzielte Zlatan Ibrahimovic 54 Tore - aber spricht das für ihn oder gegen die Liga?

(Foto: Harry How/AFP)

Trotz 31 Saisontoren geht der Flirt von Zlatan Ibrahimovic mit Los Angeles wohl zu Ende, ohne dass daraus wirklich eine Liebesbeziehung wurde.

Von Jürgen Schmieder

Am Ende dieser Playoff-Partie, die Los Angeles Galaxy beim Stadtrivalen LAFC mit 3:5 verlor, präsentierte Zlatan Ibrahimovic noch einmal sein Markenzeichen: das ungläubige Starren. Er war ja auch bei seinen vielen Stationen in Europa nicht gerade für Zurückhaltung bekannt gewesen, in den USA mischte sich seine Begeisterung über die eigenen Fähigkeiten mit der Fassungslosigkeit, dass die nordamerikanische MLS tatsächlich als Profiliga durchgeht. Ibrahimovic zeigte das Mitspielern, Gegnern und Ligaoffiziellen am liebsten mit diesem Gesichtsausdruck - am Donnerstagabend starrte er seinen Kollege Jonathan dos Santos wegen einer misslungenen Ecke an. Kurz danach pfiff der Schiedsrichter ab, und das Ende dieser Saison dürfte auch das Ende dieses Gastspiels gewesen sein.

Es begann vor eineinhalb Jahren mit einer ganzseitigen Anzeige in der Los Angeles Times: ein weißes Blatt, links unten unterschrieben von Zlatan Ibrahimovic, oben stand in kleinen Buchstaben: "Dear Los Angeles. You're welcome." Liebes Los Angeles, bitte schön.

Die Sportstadt, die derzeit Akteure wie Kawhi Leonard und LeBron James (Basketball), Clayton Kershaw und Mike Trout (Baseball), Jeff Carter (Eishockey), Todd Gurley (Football) und Conor McGregor (Kampfsport) beheimatet, sie konnte sich jetzt nun wirklich nicht daran erinnern, einmal "Danke" gesagt zu haben.

Man kann Ibrahimovic nicht vorwerfen, diese Liga nicht mit spektakulären Toren verwöhnt zu haben, in dieser Saison waren es 31 in 31 Partien, insgesamt schoss er 54 Treffer in 58 Spielen. Nur: Sagt das mehr über die Qualitäten des mittlerweile 38 Jahre alten Angreifers aus oder über das Niveau der Liga?

Ibrahimovic sprach von sich selbst in der dritten Person und von der MLS als Witzliga. Deren System aus regulärer Spielzeit und Playoffs würde für mangelnden Ehrgeiz und schlechte Leistungen sorgen. Und immer mal wieder ließ er die Leute wissen, dass er bei Klubs gespielt hat, bei denen die Kurzform reicht, um sie zu identifizieren: Ajax. Juve. Inter. Barça. Milan. PSG. ManUnited.

Sein Team jedoch verpasste in der Saison zuvor die Playoffs, nun scheiterte es in Runde zwei im Derby - und damit wird es problematisch: In Los Angeles darf jeder selbstbewusst und gerne auch arrogant sein, solange er dieser Stadt Titel beschert. Wenn er allerdings permanent motzt, jeden ungläubig anstarrt und dann keine Trophäe präsentiert, fragen sich die Leute doch tatsächlich, wofür denn nun "Danke" gesagt werden soll.

Ibrahimovic verdient in dieser Spielzeit 7,2 Millionen Dollar. Sie respektieren ihn in Los Angeles, sie lieben ihn jedoch nicht so, wie es Bastian Schweinsteiger in Chicago erlebte. Der hat zwar ebenfalls keinen Titel gewonnen, ist jedoch durch Teamgeist, Bescheidenheit und Visiten bei anderen Sportklubs der Stadt zum Liebling geworden. Ibrahimovic blieb eine Attraktion, die sich nicht beim Publikum fürs Kommen bedankte, sondern allenfalls betonte: "Bitte schön!"

Der Vertrag von Ibrahimovic läuft bis Jahresende, er hatte vor den Playoffs betont, keine spontane Entscheidung treffen zu wollen. Es heißt nun, dass mindestens drei seiner früheren Vereine (Inter, Milan, ManUnited) zumindest an einem kurzfristigen Engagement interessiert seien. Und in einem Nagelstudio, in dem Ibrahimovic Stammkunde ist, erzählen sie, dass er doch etwas enttäuscht sei, dass ihn Hollywood noch nicht als idealen Bösewicht für einen Actionfilm entdeckt habe.

© SZ vom 27.10.2019
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