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Würzburg - FC Bayern II:Liegestütze bei Hitze

20 07 2019 xjhx Fussball 3 Liga Kickers Wuerzburg FC Bayern Muenchen U23 emspor v l Luca Pfe

„Die dritte Liga ist so ausgeglichen, da muss man erst einmal mit einem Sieg starten.“ – Luca Pfeiffer trug mit seinem frühen Treffer dazu bei.

(Foto: Jan Huebner/imago images)

Würzburg gewinnt erstmals unter Trainer Schiele ein Auftaktspiel, Kollege Hoeneß ist "alles in allem zufrieden".

Ein Samstagmittag kurz vor den Sommerferien bei hochsommerlichen Temperaturen in Würzburg - optimales Wetter, um einen spaßigen Badetag im Dallenbergbad zu verbringen. Allerdings entschieden sich knapp 8000 Menschen dazu, an diesem Nachmittag am Eingang des Bades links abzubiegen - und den Saisonauftakt der Würzburger Kickers direkt nebenan zu verfolgen. Die Profis des FC Bayern München befinden sich aktuell auf Werbetour in den USA, deshalb entschieden sich die Ultras des Rekordmeisters dazu, am Wochenende die Reise nach Würzburg anzutreten - knapp 2000 Fans sorgten 90 Minuten lang für Bayern-Heimspielstimmung in Franken. "Die Atmosphäre war top", freute sich aber auch Würzburgs Luca Pfeiffer nach dem Spiel. "Es macht einfach Spaß, zu Hause vor so einem Publikum zu gewinnen."

Pfeiffer war am Samstag einer von vier Zugängen, die beim 3:1-Erfolg gegen den FC Bayern München II in der Startaufstellung der Kickers standen. Insgesamt gab es 27 Personalwechsel bei den Würzburger Kickers in der Sommerpause - nicht unbedingt optimale Voraussetzungen, um die starken Platzierungen aus den vorherigen drei Jahren in Deutschlands drittstärkster Fußball-Liga zu bestätigen. "Es ist immer schwierig, weil man eben nie weiß, was einen in dieser Saison erwartet", sagte Pfeiffer nach dem Spiel. "Die dritte Liga ist so ausgeglichen, da muss man erst einmal mit einem Sieg starten."

Der Angreifer weiß, wovon er spricht: Mit dem VfL Osnabrück gelang ihm in der letzten Saison der Aufstieg in die zweite Bundesliga, im Sommer wechselte er aber zurück in die Heimat - und er drückte dem Spiel direkt seinen Stempel auf: Gerade einmal neun Minuten dauerte es, bis der 22-Jährige eine Kopfballstafette vollendete und die Kickers in Führung brachte. "Besser hätte es nicht laufen können", freute er sich nach dem Spiel: "So ein frühes Tor gibt Selbstvertrauen."

Selbstvertrauen, das den Kickers gegen den Aufsteiger in der Anfangsphase nicht unbedingt anzusehen war. Motiviert begann hingegen der FC Bayern München II, er ließ außer dem Tor kaum Großchancen zu und kontrollierte lange Zeit den Ball. "Ich glaube, wir haben über weite Strecken gut gespielt", sagte Cheftrainer Sebastian Hoeneß nach der Partie. "Wir haben das Spiel in der Anfangsphase bestimmt und diktiert, deshalb bin ich alles in allem zufrieden." Allerdings blieben die Torchancen aus - in der ersten Hälfte machten die 33 Grad Außentemperaturen allen Akteuren deutlich zu schaffen.

"Wir sind sehr nervös reingekommen, obwohl wir schon früh ein Tor gemacht haben", gestand auch Würzburgs Coach Michael Schiele. "Trotzdem war die erste Halbzeit von Nervosität und Abspielfehlern nach Ballgewinnen geprägt." Seit 2017 steht Schiele bei den Kickers an der Seitenlinie - noch nie konnte er mit ihnen einen Auftaktsieg einfahren. "Endlich sind wir auch mal mit einem Sieg in die Runde gestartet", sagte er dementsprechend mit einem Lächeln.

FCB-Stürmer Wriedt empfiehlt sich wieder für höhere Aufgabe

Allerdings stand dieser Sieg bis in die Schlussminuten hinein auf der Kippe - was vor allem an den Zugängen des FC Bayern II lag. Die größte Chance für die so genannten Bayern-Amateure hatte Timo Kern, der in der vergangenen Regionalliga-Saison 17 Tore für Mannheim erzielte - in Würzburg stand allerdings die Querlatte zwischen ihm und seinem ersten Tor im Bayern-Dress. Für den Ausgleich sorgte dann Kwasi Okyere Wriedt, der als einzige Spitze beim FC Bayern agierte.

In der Vergangenheit war er einer der Torgaranten des FCB II, erzielte in der vergangenen Saison 24 Tore und war maßgeblich am Aufstieg beteiligt. Auch in Würzburg empfahl sich der 25-Jährige wieder für höhere Aufgaben - insgesamt drei Großchancen erarbeitete er sich, die entscheidende in der 78. Minute saß. Trotzdem: Der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt war durchaus schmeichelhaft - hatten die Kickers bis dahin doch gleich vier oder fünf Großchancen gehabt, um die Partie schon früh zu entscheiden. "Wir müssen versuchen, uns einfach mehr zu belohnen, so dass es viel ruhiger wird", kritisierte Würzburgs Fabio Kaufmann. "Die Chancenverwertung war schon im letzten Jahr unser großes Manko. Und auch wenn wir heute das 2:0 machen, kommen die Bayern vielleicht auch gar nicht mehr heran."

Stattdessen mussten die Kickers nach dem Ausgleich Durchhaltequalitäten beweisen. Gerade einmal fünf Minuten dauerte es, bis der FWK einen Zwei-Tore-Vorsprung herausspielte. Das wichtige Tor zum 2:1 erzielte Kaufmann in der 80. Minute durch eine Einzelaktion, bevor der eingewechselte Dave Gnaase zwei Minuten später den Deckel auf die Partie schraubte. "Normalerweise bin ich ein Spieler, der seine Mitspieler gerne in Szene setzt", sagte Torschütze Kaufmann nach der Partie. "Nichtsdestotrotz muss auch ich mehr Verantwortung übernehmen, was den Abschluss angeht."

Er feierte sein Tor mit Liegestütze vor der Haupttribüne - und das, obwohl der Akku zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich leer war. "Für die Liegestütze hat es trotzdem gereicht, für die muss es immer reichen. Auch bei 33 Grad in der Nachspielzeit."