bedeckt München 20°

WM-Qualifikation:Existenzkampf

Die Menschen in Neuseeland gelten als ein wenig zurückhaltend, vor allem aber als ausnehmend freundlich und zuvorkommend gegenüber Gästen. Schön und gut, sagt Andy Martin, aber diesmal, dieses eine Mal, sollten seine Landsleute ihre gute Kinderstube doch bitteschön vergessen. Zu viel, sagt der Chef des neuseeländischen Fußballverbandes NZF, stehe auf dem Spiel, es gehe um Millionen, um die Zukunft des Sports im Lande.

Neuseeland spielt in den Play-offs zur Teilnahme an der WM in Russland gegen Peru. Und Martin findet, die Südamerikaner sollten beim Hinspiel am Samstag in Wellington (4.15 Uhr MEZ) in Ansätzen erleben, was die All Whites beim Rückspiel vier Tage später in Lima erwartet. "Natürlich wollen wir, dass alles fair abläuft. Aber es geht nicht darum, dass wir Peru hier bei uns willkommen heißen. Die müssen wissen: Das ist eine Schlacht." Ungemütlich soll es werden für die Peruaner am Hafen der Hauptstadt, das Stadion soll mit 38 500 Zuschauern ausverkauft sein. "Wir müssen ihnen", fordert Martin, "das Leben so schwer wie möglich machen." Dazu passt: Die Arena, "Kuchenform" genannt, ist berüchtigt, weil der Ball dort bei Wind kuriose Flugbahnen nimmt. Zum Spiel soll es mit Böen bis zu 70 Kilometer pro Stunde winden.

Peru ist seit 1982 nicht mehr bei einer WM dabei gewesen, für die Südamerikaner, die auf den wegen Dopings gesperrten Paolo Guerrero verzichten müssen, geht es um viel. Für Neuseeland aber steht die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel. Eine WM-Teilnahme garantiert etwa 14 Millionen (neuseeländische) Dollar, etwa 8,5 Millionen Euro. Dies entspräche einer Verdoppelung des Verbandsetats. "Das ist ein riesiges Spiel", sagt Wynton Rufer, "mit dem Geld kannst Du in den nächsten vier Jahren richtig was machen." Der ehemalige Bremer Bundesliga-Profi, der nach wie vor weltweit für Werder im Einsatz ist, hätte auch Ideen - allein: mit dem Verband liegt er über Kreuz. "Als Einheimischer hast Du es bei uns schwer", seufzt Rufer.

Der Verband hat zudem das Problem, dass sich die besten Athleten des Landes für den Nationalsport Rugby entscheiden. Eine Entwicklung wie in Island, wo sie unter 330 000 Einwohnern genügend Spieler finden, um sich für die EM und nun die WM zu qualifizieren, hält Rufer in Neuseeland für nicht möglich. Abhilfe könnte die Qualifikation für 2018 schaffen. Es wäre die dritte Teilnahme nach 1982 und 2010 - allerdings steht Peru als die Nummer 10 der Weltrangliste 112 Plätze besser da als Neuseeland. Die Mannschaft, versichert Martin, "wird alles tun, was auf dem Rasen möglich ist". Bleibt zu klären: "Was können wir außerhalb das Platzes tun?"