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Volleyball:Verblüfft bis erleichtert

Volleyball Grafing Saisonauftakt

Vorzeitige Weihnachtspause: Volleybälle müssen in der zweiten Liga frühestens Mitte Januar wieder desinfiziert werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Am Montag hat die Volleyball-Bundesliga die sofortige Aussetzung des Zweitliga-Spielbetriebs bis einschließlich 10. Januar beschlossen. Auch Grafings Männer sowie Lohhofs und Planegg-Kraillings Frauen sind betroffen - und gehen sehr unterschiedlich mit der Entscheidung um. Ein Pro und Contra.

Von Sebastian Winter

Elena Kiesling, Trainerin von Lohhofs Frauen

"Mich hat es sehr verblüfft, dass die Volleyball-Bundesliga die Notbremse selber gezogen hat. Dabei war klar, dass der Profisport erstmal so weiterläuft trotz des Lockdowns. Natürlich tragen wir die Entscheidung mit, aber man konnte zuletzt ja sogar Spiele verlegen, wenn man wegen zu hoher Inzidenzwerte nicht antreten wollte. Dann gleich allen das Spielen zu verbieten, fand ich überraschend. Für die Vereine ist es eh schon total krass, ohne Zuschauer zu spielen. Auch das hält jeder für sinnvoll und notwendig. Aber wenn dann die ganze Sportlandschaft kaputtgeht, ist das auch nicht so schön. Wir leben nicht in einer Bubble, haben hier aber mit dem Hygienekonzept, den Corona-Tests, unserer neuen Halle und der dortigen Lüftung eine relativ sichere Umgebung. Das hat super funktioniert, auch übrigens bei unserem Derby in Planegg.

"Mich hat die Entscheidung verblüfft": Lohhofs Trainerin Elena Kiesling.

(Foto: Claus Schunk)

Uns allen war klar, dass wir absolut privilegiert sind, wir bewegen uns unfassbar vorsichtig in der Welt, gehen nur zur Arbeit und ins Training. Die Mannschaft hatte sich mega aufs letzte Spiel vor Weihnachten gegen Dingolfing gefreut. Natürlich spielen in der zweiten Liga nicht nur Profis, aber es gibt trotzdem Leute, die dort den Großteil ihres Lebensunterhalts verdienen, deren Beruf das ist - und sie ist eben als Profisport-Liga eingestuft. Es ist jedes Jahr ein schwieriger Akt, ein Zweitligateam auf die Beine zu stellen. Und wenn es nicht weitergeht im Januar, dann raubt das manchen die Existenzgrundlage. Jetzt ist erstmal Winterpause, aber im neuen Jahr werden wir hoffentlich sehr bald wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen. Ich muss das jetzt so verpacken, dass wir gestärkt aus dem Ganzen herausgehen. Denn das ist keine Saison wie jede andere, wo es am Ende darum geht, wer Meister, Zweiter oder Dritter geworden ist."

Stephanie Mehnert, Teammanagerin von Planegg-Kraillings Frauen und Internistin in Murnau

"Ich hatte zuletzt immer wieder aus dem sozialen Umfeld gehört, 'es kann ja nicht sein, dass ihr noch spielen dürft'. Nachdem sich die politischen Ereignisse am Sonntag dann überschlagen haben und der harte Lockdown beschlossen war, war dann klar: Wir können nicht so tun, als wären wir in unserer eigenen Blase unterwegs, sondern müssen uns auch als Solidargemeinschaft innerhalb der Gesellschaft zeigen. Ich bin erleichtert über die Pause, aus zwei Gründen: Ich habe den Spielerinnen angemerkt, dass sie ein bisschen durch sind. Ein paar sind auch psychisch am Limit, auch weil sie im Beruf unter Druck stehen. Für alle war es eine anstrengende Zeit, mit einem Corona-Fall innerhalb des Teams, Quarantäne, zwei aufeinander folgenden Doppelspieltags-Wochenenden und drei ganz langen Auswärtsfahrten inklusive Übernachtung. Die Mannschaft ist Sonntagnacht um 3 Uhr zurückgekommen und Montagfrüh ging es für jeden wieder im Job weiter. Das war zehrend, belastend, hinzu kam die Unsicherheit vor Spielen bei den Tests, hoffentlich hat sich keiner mit Corona infiziert.

Steffi Stephanie Mehnert Planegg Volleyball

"Es ist für mich geboten, dass man mitmacht. Ansonsten wäre das fast schon respektlos." Lohhofs Teammanagerin Stephanie Mehnert.

(Foto: Christoph Bamberger/oh)

Die Pause kommt zur rechten Zeit. Wir reden von zwei Spieltagen, am 19./20. Dezember und am 9./10. Januar. Und trainieren können wir ja immer noch. Danach soll es wieder weitergehen, und das halte ich auch für realistisch. Sportlich mit dem Hygienekonzept haut das ja alles hin, wir hatten keine explodierenden Zahlen im Landkreis. Aber im Gesamtkontext, auch weil die Spielerinnen nach Hause fahren und ihre Großeltern besuchen wollen, ist es sinnvoll zu sagen, man schränkt auch bei uns die Kontakte vorher ein - und das ist dann eben auch die Sporthalle. Das sehe ich auch als Internistin so: Das Risiko steigt einfach, die Infektions- und Todeszahlen auch, die Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken berichten von schlimmen Zuständen. Da ist es für mich noch mehr geboten, dass man mitmacht. Ansonsten wäre das fast schon respektlos."

Markus Zymmara, Trainer von Grafings Volleyballern

"Wir haben das schon kommen sehen, es war eine Frage der Zeit, wann das passieren wird. Es ist sportlich total ärgerlich, in den zwei Spielen vor Weihnachten hätten wir gerne noch etwas ausprobiert für die Rückrunde, und das Spitzenspiel gegen Mimmenhausen Anfang Januar ist ja auch verschoben. Als Trainer finde ich das scheiße, aber ich habe ja auch eine politische Meinung und verstehe die Entscheidung. Wir haben zwar den Status "Profisport" aber letztlich ist die zweite Liga noch immer leistungsorientierter Amateursport. Für mich steht das ohnehin in keinem Verhältnis, zu dem, was auf dem Spiel steht. Gerade im Hinblick auf Weihnachten, wo man mit der Familie feiern will. In der Nordstaffel haben sich beispielsweise 20 Spieler an einem Spieltag angesteckt. Es gibt ja auch Alternativen, Doppelspieltage in der Rückrunde oder eine Art Playoff-System, was gerade diskutiert wird.

"Als Trainer finde ich das scheiße, aber ich habe ja auch eine politische Meinung und verstehe die Entscheidung": Grafings Coach Markus Zymmara.

(Foto: Christian Endt)

In Grafing wird in diesem Jahr komplett ehrenamtlich gearbeitet, kein Spieler bekommt Geld, die Trainer auch nicht, so viele Ausgaben hat man dann ja nicht mehr. Und ich kann mir jetzt auch nicht vorstellen, dass die Liga zehn Vereine auf einmal fallen lässt. Es gilt jetzt für alle, strenger zu wirtschaften. Ein paar meiner Spieler sind jetzt auch leer, die brauchen ein bisschen Pause. Bei uns ist es glaube ich noch nicht so schlimm wie bei anderen Teams, wir haben Privilegien, einen Schlüssel zur Turnhalle, wir dürfen mit dem Ball spielen, den Kraftraum nutzen. Andere Leute würden da gerade richtig viel Geld bezahlen. So viele Spieler wie jetzt waren noch nie im Kraftraum. Für unseren Angreifer Michael Zierhut war es etwas bitter, der hatte sich wegen seines Jura-Staatsexamens fünf Wochen lang in Selbstquarantäne begeben, gerade hat er wieder erstmals mittrainiert - und jetzt ist Ligapause."

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