Volleyball:TSV Seelentröster

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DVV Viertelfinale Haching - Lüneburg; unterhaching lüneburg volleyball

Enttäuscht nach der erwartbaren Pleite: Hachings Kapitän Jonas Sagstetter (Zweiter von links) und seine Kollegen.

(Foto: Edmund Zuber/oh)

Hachings junge Volleyballer erleiden im Pokal-Viertelfinale gegen Lüneburg die nächste schmerzhafte 0:3-Niederlage - am 15. Januar endet unweigerlich ihre Saison. Spätestens dann erweist sich, wem aus dem Talente-Projekt der Sprung zu den Großen gelingt.

Von Sebastian Winter

Es ist kein übliches Bild in der Volleyball-Bundesliga, wenn Spieler nach dem Schlusspfiff in den Armen ihrer Familien, der Eltern und Geschwister liegen und getröstet werden müssen. Am Mittwochabend war das aber so in der Sportarena am Utzweg in Unterhaching - und es war im Grunde ein gutes Zeichen: Denn es zeigt, dass die Spieler des TSV Haching München sich nach wie vor richtig ärgern über Niederlagen; obwohl sie in dieser Saison bislang alle neun Ligaspiele verloren haben. "Es tut trotzdem weh", sagte stellvertretend Hachings Mittelblocker Paul Gehringer. 0:3 (20:25, 18:25, 13:25) endete das Spiel gegen die SVG Lüneburg an diesem Abend, wieder mal wurden die Hachinger Talente von einem übermächtigen Gegner in ihre Schranken verwiesen.

Und doch war es ein besonderer Abend. Immerhin stand gegen Lüneburg ja keines dieser Ligaduelle an, in denen die Hachinger mit ihrer sportlich kaum konkurrenzfähigen Nachwuchsmannschaft bislang nur Lehrgeld gezahlt haben seit der Rückkehr in die Bundesliga im Herbst 2020. Es ging vielmehr um den Einzug ins DVV-Pokal-Halbfinale, ein K.-o-Spiel also. "Es war eine große Chance", sagte Gehringer, auch, um vielleicht doch einen Coup zu landen gegen einen der etablierten Klubs der Liga. Um auf sich aufmerksam zu machen, im besten Sinne.

Es geht ja für die größten Hachinger Talente vor allem auch darum, sich anderen, konkurrenzfähigeren und zahlungskräftigeren Klubs anzubieten, bei denen sie später mal unterkommen können. Und dafür war dieses Pokalspiel wirklich eine Gelegenheit. Allerdings zeigten sie dann nur in Ansätzen, wie gut sie spielen können. Lucas Rösler überzeugte im Block, Diagonalmann Juro Petrusic zeigte manch guten Aufschlag und Angriff, Libero Leonard Graven, der spätere MVP, bis auf zwei Fehler eine solide Annahmeleistung. Am konstantesten spielte noch Kapitän Jonas Sagstetter, mit Lüneburgs US-Amerikaner Jordan Ewert der beste Scorer des Spiels. "Wir sind besser als letztes Jahr", sagt TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu, "wir werden ernst genommen. Aber uns fehlen eben zwei erfahrene Spieler." Für den Nachwuchs ist es eminent wichtig, ernstgenommen zu werden.

"Für acht Spiele in der Zwischenrunde wären das zusätzlich 40 000 Euro gewesen", rechnet TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu vor, warum nach der Hauptrunde Schluss ist

In der Liga geht es für Haching München zugleich um nicht viel mehr, als Erfahrung und Wettkampfhärte zu sammeln. Denn den Abstieg hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) in ihrem Oberhaus bei Frauen wie Männern wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Und in die neue Zwischenrunde und die Playoffs der Top acht dürfen die Hachinger in der Neunerliga in Absprache mit der VBL gar nicht vorstoßen, weil ihnen dafür selbst im Falle einer sportlichen Qualifikation schlicht das Geld gefehlt hätte. "Für acht Spiele in der Zwischenrunde wären das zusätzlich 40 000 Euro gewesen", rechnet Paduretu vor. Zu hohe Kosten für die klammen Hachinger, die das mit großem Abstand geringste Budget der Liga haben. Die Saison für Haching München endet damit unweigerlich am 15. Januar mit dem letzten Hauptrundenspiel in Lüneburg.

Was macht das eigentlich mit so einer Mannschaft, alles zu verlieren (bis auf das 3:0 im Pokal-Achtelfinale gegen den Zweitligisten Kriftel)? "Sport ohne Gewinnen ist schwierig für die Psyche", sagt ihr Trainer Bogdan Tanase eine halbe Stunde nach dem Lüneburg-Spiel. Der Rumäne war zwischen 2013 und 2016 drei Jahre lang Co-Trainer unter Stelian Moculescu beim VfB Friedrichshafen - und ist daher eher Siege gewohnt. Doch der 40-Jährige sagt auch: "Meine Spieler pushen sich trotzdem in jedem Spiel." Er sieht eher die derzeitige Belastung als Problem, nicht die ständigen Niederlagen: "Wir haben uns etwas erhofft, gut trainiert, aber es sind gerade zu viele Spiele für so ein junges Team." Fünf müssen die Hachinger gerade binnen elf Tagen absolvieren, in der Liga geht es für sie am Freitag nach Herrsching, am Sonntag empfangen sie Giesen. Und nach dem 15. Januar?

Jene, die sich besonders empfohlen haben, könnten dann für die Zwischenrunde und die Playoffs bei anderen Klubs unterkommen, was gar keine schlechte Perspektive ist. Andere könnten zu einem Zweitligisten wechseln. Und wieder andere trainieren einfach weiter mit Bogdan Tanase. Dann beginnt schon bald das Frühjahr, die Beachsaison. Und im nächsten Herbst wollen die um eine weitere Saison gereiften Hachinger dann wieder antreten, so konkurrenzfähig wie nie zuvor in ihrer jungen Karriere. Es sei denn, sie sind schon abgesprungen von der Hachinger Karriereplattform.

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