Volleyball:Im Zeichen des Standmixers

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Victory ceremony with Schwerin after 2020 Womens Volleyball Supercup in Dresden/GER between SSC Palmberg Schwerin (yello; Volleyball

Bereit für den nächsten Titel: Schwerins Volleyballerinnen präsentieren 2020 den Supercup - seit 2017 hat kein anderes Team den Pokal gewonnen.

(Foto: Schreyer/Imago)

Beim Supercup am Samstag in Schwerin wird deutlich, dass die Volleyballerinnen in Deutschland auf der Überholspur sind. Sie haben die Männer national abgehängt, den anderen Frauen-Teamsport sowieso. In vier Jahren wollen sie drittstärkste Liga Europas sein.

Von Sebastian Winter, Schwerin/München

Der Supercup im Volleyball ist, was seinen sportlichen Wert betrifft, ähnlich gut beleumundet wie im Fußball oder Handball. Der Meister trifft auch hier vor dem eigentlichen Ligastart auf den Pokalsieger, es ist ein erster Fingerzeig und Formcheck, die Fernsehübertragung ist gerade für den Randsport auch ganz nett. Aber dieser erste Titel der Saison kann dann doch nicht mit den wirklich wichtigen Auszeichnungen mithalten. Im Volleyball merkt man das schon daran, dass die Trophäe an einen übergroßen silbernen Standmixer erinnert. Und dennoch weist dieser Supercup, der am Samstag pandemiebedingt in Schwerin vor höchstens 1000 Zuschauern ausgetragen wird, weit über die kommende Saison hinaus.

Man sieht das schon an einem kleinen Detail. Denn während das Frauen-Duell des Pokalsiegers SSC Palmberg Schwerin mit dem deutschen Meister Dresdner SC im Sportfernsehen übertragen wird, ist das Spiel des Männer-Abonnementmeisters Berlin Recycling Volleys gegen Cup-Gewinner United Volleys Frankfurt nur auf einem interaktiven Live-Streaming-Portal zu sehen, das vorrangig Videospiel-Wettkämpfe überträgt. Die Männer bleiben auch während der kommenden Saison, die am Mittwoch beginnt, im Netz, auch weil die TV-Einschaltquoten bei den Frauen besser sind.

Diese haben künftig freitagabends einen festen Sendeplatz bei Sport 1. Allerdings ist nur das jeweilige Topspiel frei empfangbar, alle anderen Partien überträgt der Sender in einem neuen und kostenpflichtigen Livestream mit verschiedenen Abo-Modellen. Der Plan ist, dass die Vereine durch die Zugriffe Geld verdienen. Ob er aufgeht, das ist die große Frage. Während der Pandemie hatten die Bundesligisten sich und ihre Sponsoren immerhin an jedem Spieltag im Stream präsentieren können - im Internet allerdings nur in unattraktivem Gewand: mit nur einer Kameraeinstellung, ohne Kommentar und Zeitlupen. Auch das soll nun anders werden.

Klar ist schon seit längerer Zeit, dass die Volleyballerinnen auf der Überholspur sind. Sie waren, was das Zuschauerinteresse in Vor-Virus-Zeiten angeht, ohnehin schon Frauensport Nummer eins in Deutschland - vor Fußball, Handball und Basketball. Wobei die Fußballerinnen laut Volleyball-Bundesliga (VBL) auch wegen manch finanzkräftigem Verein offenbar aufholen. Inzwischen haben sich auch die Etats der Volleyballerinnen jenen ihres Pendants angeglichen. Das Top-Duo bei den Männern, Berlin und Friedrichshafen, bewegt sich wie das Top-Trio bei den Frauen, Schwerin, Stuttgart und Dresden, zwischen knapp zwei und 2,5 Millionen Euro.

Noch sind die Ziele eher plakative Überschriften

Strukturell stehen die Frauen ohnehin weitaus besser da. Die Männer sind in der Bundesliga nach dem Rückzug Rottenburgs vor eineinhalb Jahren nur noch zu neunt, Friedrichshafen muss mangels eigener Halle bis auf Weiteres für Heimspiele nach Neu-Ulm umziehen. Die acht Teilnehmer der Playoffs ergeben sich außerdem quasi von selbst, weil der etatschwache TSV Haching München dort nicht mitmachen darf. Weil der Klub einige Lizenz-Voraussetzungen nicht erfüllt, aber gleichzeitig als Nachwuchsprojekt gilt, beendet er die Saison in Absprache mit der VBL nach der Rückrunde. Absteigen können die Hachinger ohnehin nicht - die Liga hat wegen der Corona-Krise auch kommende Saison bei Frauen wie Männern die Relegation ausgesetzt.

Ins Oberhaus aufsteigen mag zugleich wegen finanzieller Unwägbarkeiten und fehlender Strukturen seit Jahren kein Männer-Zweitligist. Spannender wirkt da die Zwölfer-Liga der Frauen, in die der VC Neuwied aufgerückt ist. Mittelfristig soll sie auf 16 Klubs erweitert werden, und die Pläne sind noch weitaus ehrgeiziger. Hinter den Top-Ligen in der Türkei und in Italien soll sie in drei bis vier Jahren, so die Vision, zur Nummer drei in Europa werden. "Ich kenne keinen anderen Mannschaftssport, wo die Frauen so sehr aus dem Schatten der Männer hervorgetreten sind", sagt Dresdens Geschäftsführerin Sandra Zimmermann.

Noch sind diese Ziele eher plakative Überschriften, denn es fehlen nach wie vor noch ein paar Eckpfeiler: So ist die Frauen-Nationalmannschaft gerade meilenweit von Europas Spitze entfernt, wie ihr Achtelfinal-Aus Ende August bei der EM gezeigt hat; eine Art B-Auswahl für deutsche Talente soll aufgebaut und die Nachwuchsprogramme enger verzahnt werden. Auch fehlen weiterhin zahlungskräftige Ligasponsoren - bei Männern wie Frauen.

Schwerins Volleyballerinnen haben kürzlich selbst wieder mal festgestellt, welch weiter Weg es noch ist bis zu Europas Spitze. Sie waren für vier Tage zu Gast in Istanbul, beim Vakifbank Sports Club, der wohl stärksten Klub-Mannschaft der Welt. Istanbuls Etat bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich, die Mannschaft hat perfekte Bedingungen am Bosporus - und gewann gegen Schwerin alle neun Trainingssätze. Aber das ist auch nicht der Maßstab für den SSC. Dem Klub, der seit 2017 keinen Supercup mehr verloren hat, würde am Samstag schon mal ein Sieg gegen Dresden genügen, hässlicher Pott hin oder her.

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