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US Open im Golf:Ein richtig unterhaltsamer Zoff

"Es ist schön, dass ich mietfrei in deinem Kopf lebe": Bryson DeChambeau versteht es auch, Spitzen zu setzen in Richtung Brooks Koepka.

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)

Brooks Koepka und Bryson DeChambeau sind unheimlich genervt voneinander - die Fehde der beiden amerikanischen Golfprofis löst sogar zum Start der US Open Turbulenzen aus.

Von Gerald Kleffmann

Eigentlich gibt es das nicht: Zweikämpfe im Golf. Also in dem wortwörtlichen Sinne, dass einer den anderen hart attackiert, um ihn irgendwo zu treffen. Wenn auch verbal. Und der andere kontert dann, auch möglichst stichelnd. Eigentlich ist der Golfsport ein Sport der Etikette. Man respektiert die Regeln, den Gegner, die Ehre des anderen. Aber Brooks Koepka hat gerade anscheinend anderes vor.

Koepka ist 31, er stammt aus Florida, er ist einer der besten Profis der Welt, er gewann vier Major-Titel. Koepka ist vor allem auch ein sehr lässiger Kerl. Hübsche Freundin, coole Klamotten, schicke Fotos auf Instagram - mit diesem Profil wirkt er wirklich wie die komplette Gegenversion seines Gegenspielers, den er sich ausgesucht hat für einen öffentlichen Schlagabtausch. Bryson DeChambeau ist ja völlig anders, in allen Belangen.

DeChambeau, 27, stammt aus Modesto von der Westküste, er ist zweifellos nett, stets freundlich, aber hat wenig von der berühmten Leichtigkeit, die Kalifornier auszeichnet. Während Koepka den Eindruck macht, als würde er am liebsten einfach nur mit Kumpels um ein paar Drinks zocken, ist DeChambeau eher der Typ Streber. Studiert alles zum Golfspiel, was ihm helfen könnte. Pumpte seinen Körper um 20 Kilogramm Muskelmasse durch Training und Nahrung auf. Tüftelt am Material wie ein Wissenschaftler, berechnet Winkel und überprüft dank physikalischer Gesetze, wo er noch einen Schlag besser sein könnte. Vor zwei Jahren wurde er US-Open-Sieger, auf diese Weise: Hulk nannten sie ihn. Oder den Professor. Und ihn hat Koepka sich vorgeknöpft.

Koepka versprach Bier, wenn jemand DeChambeau gezielt "Let's go, Brooksy" zurufe

An diesem Donnerstag beginnt die US Open, diesmal auf dem spektakulär schönen Kurs in Torrey Pines bei San Diego. Und die Golfbranche kann nun ein Duell verfolgen, das bereits einen Namen erhalten hat: Bryson vs. Brooks! Als finde da ein Boxfight statt wie Ali vs. Frazier. Und tatsächlich hat die Auseinandersetzung zwischen den beiden noch vor dem ersten Abschlag erhebliche Turbulenzen ausgelöst. Der Zwischenstand: Sie werden die ersten beiden Runden nicht zusammen in einem Flight absolvieren, in der obligatorischen Dreiergruppe. Eigentlich keine Affäre. Aber: Wie amerikanische Medien berichten, sei durchaus geplant gewesen, die beiden in eine Gruppe zu stecken. Wer genau dieses Szenario nicht wollte, ja, darüber streitet man nun auch noch.

Koepka hatte schon länger keinen Hehl daraus gemacht, dass er nicht der größte Fan von DeChambeau ist. 2019 hatte er bereits dessen so langsames Spielen kritisiert. Als DeChambeau auf ungewöhnliche Weise an Muskeln zulegte, setzte Koepka einen Tweet im Internet ab, mit einer sanften Anspielung auf Steroide. Aber bei der vergangenen PGA Championship, dem zweiten Major-Turnier der Saison, verabschiedete er sich von jeder Diplomatie, live im Fernsehen. Als er selbst interviewt wurde und hinter ihm zufällig DeChambeau ging, stoppte Koepka sein Gespräch, schloss die Augen und murmelte etwas Abfälliges. Genervter als er konnte man nicht schauen.

"Es ist mir egal, mit wem ich zusammen spiele ... es macht keinen Unterschied für mich": Brooks Koepka gibt sich wie immer cool.

(Foto: Phelan M. Ebenhack/AP)

Wie das heutzutage so ist, nahm der Clinch auf Social Media nun so richtig Fahrt auf. Koepka setzte wieder Spitzen ab, DeChambeau erwiderte: "Es ist schön, dass ich mietfrei in deinem Kopf lebe." Er machte sich darüber lustig, dass sich Koepka so oft mit ihm beschäftigte. Nur: Natürlich beschäftigte sich DeChambeau genau so mit Koepka. Das musste er zwangsläufig. Vor dem PGA-Turnier in Dublin, Ohio, dem Memorial, rief Koepka im Internet seine Fans dazu auf, "let's go, Brooksy" zu rufen - wenn sie DeChambeau auf dem Platz sehen. Wer dies täte, dem würde er Bier spendieren. Koepka spielte nicht mal mit bei dem Event. Eine Grenze war damit überschritten. DeChambeau reichte es, er sagte, die Tour müsse sich dieses Falles annehmen. Konsequenzen gab es nicht, aber eines hatte Koepka geschafft: Golf war im Gespräch, sogar zwischen Turnieren.

Wollte DeChambeau wirklich nicht mit Koepka spielen? Sein Management sagt: stimmt nicht!

Amerikanische Medien berichteten nun, der amerikanische Verband USGA, der die US Open ausrichtet, hätte es daher auch gerne gesehen, dass Koepka und DeChambeau zusammen in einem Flight spielen. Gary Woodland wäre der dritte Partner gewesen. Damit hätten die Sieger der letzten drei US Open zusammen ihre ersten beiden Runden bestritten. Das wäre fürwahr Showtime im besten amerikanischen Sinne gewesen. Doch in einem Radio-Interview plauderte der angesehene frühere Ryder-Cup-Spieler Brad Faxon aus, DeChambeau sei offiziell gefragt worden, wollte aber angeblich nicht mit Koepka spielen. Es dauerte nicht lange, da stritten alle - etwa das Management von DeChambeau - diese Version ab, wie es auf golfdigest.com heißt. Alle möglichen Spieler der US Open wurden schließlich von den Reportern am Ort auch zu diesem Streit befragt, der tatsächlich nicht gespielt sein soll. Das bestätigte US-Profi Jordan Spieth, der eine schnelle Versöhnung der zwei ausschloss.

Und was sagten die beiden? "Ich hoffe, dass wir am Wochenende gegeneinander spielen und kämpfen. Das wäre ein Spaß und toll für den Sport", sagte DeChambeau. "Ich spiel mein eigenes Spiel. Es ist mir egal, mit wem ich zusammen spiele ... es macht keinen Unterschied für mich", sagte Koepka. Zumindest am Donnerstag und Freitag können sie sich aber bestens aus dem Weg gehen. DeChambeau schlägt um 7.29 Uhr Ortszeit ab, er spielt mit Masters-Sieger Hideki Matsuyama und Tyler Strafaci. Koepka ist von 13.14 Uhr an mit Collin Morikawa und Justin Thomas unterwegs. Unterhaltsam bleibt diese Fehde aber auch als Fernduell.

© SZ/lib
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