Unfall von Sophia Flörsch "Ich bin okay"

Sophia Flörsch vor einem Rennen in den Niederlanden im Juli 2018.

(Foto: Kirchner-Media/imago)
  • Die Münchner Rennfahrerin Sophie Flörsch fliegt beim Formel-3-Saisonfinale mit fast 250 Kilometern pro Stunde über die Streckenbegrenzung.
  • Sie gibt erste Entwarnungen - offenbar hat sie keine bleibenden Schäden davongetragen.
  • Die Strecke in Macao gilt als gefährlich - seit 2012 starben zwei Motorradfahrer und ein Tourenwagenpilot.
Von Anna Dreher

Der medizinische Bericht liest sich sehr nüchtern. Und was dort geschrieben steht, lässt nicht wirklich vermuten, welche Ursache er hat: ein schlimmer Unfall der Münchner Rennfahrerin Sophia Flörsch am Sonntag beim Weltfinale der Formel 3 in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao. 15.44 Uhr ist als Zeit angegeben, Rückenschmerzen als Symptom. Zur Diagnose des behandelnden Chefarztes des General Krankenhauses Conde S. Januario steht unter Punkt eins: bei Bewusstsein, stabiler Zustand. Punkt zwei: Fraktur der Wirbelsäule. Am Sonntagmittag meldete sich die Patientin über Twitter schließlich selbst zu Wort: "Ich wollte alle wissen lassen, dass ich okay bin", schrieb sie, und dass sie diesen Montag operiert werde.

Da war ihr Unfall gerade ein paar Stunden her. Und wer auf der Tribüne an der Geraden vor der Lisboa-Kurve auf dem engen 6,115 Kilometer langen Stadtkurs saß oder später Videoaufnahmen sah, wird Erleichterung im Inhalt des medizinischen Berichts und in den Twitter-Zeilen von Flörsch gefunden haben. Schon unmittelbar nach dem Unfall soll die 17-Jährige bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen sein. Lähmungserscheinungen soll sie keine haben und auch alles bewegen können.

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Beim Saisonfinale in Macao fliegt Sophia Flörsch nahezu ungebremst über die Streckenbegrenzung. Sie erleidet nach einer ersten Diagnose eine Wirbelsäulenfraktur - soll aber keine Lähmungserscheinungen haben.

Die Unfallursache blieb zunächst unklar. Auf den im Internet kursierenden Sequenzen ist der entscheidende Moment nicht zu sehen. Dass sie in der vierten Runde die Kontrolle über ihren Wagen verloren haben muss, geht aus den Aufnahmen jedoch hervor. Diese zeigen erst, wie ein Fahrer nach dem anderen an der schnellsten Stelle der Strecke an den Zuschauern vorbei von der Geraden in die Kurve biegt. Und dann, wie von einer Rampe geschossen, hebt Flörsch mit ihrem Formel-3-Wagen von der Strecke ab, fliegt ungebremst mit dem Heck zuerst durch und über die Fangzäune und schlägt mit der Cockpitseite in mehreren Metern Höhe in die Streckenbegrenzung ein. Bei einer Geschwindigkeit von über 250 Stundenkilometern. Guan Yu Zhou, chinesischer Teamkollege von Formel-3-Europameister Mick Schumacher, fuhr hinter Flörsch und schilderte den Unfall später aus seiner Sicht. Er habe gelbe Warnlampen auf der Geraden gesehen. "Ich denke, das war ein Organisationsfehler. Sophia war sehr nahe an Jehan Daruvala dran, und als der früh bremste, hatte sie keine Zeit zu reagieren", sagte er. "Sie hat mit ihrem Auto den rechten Hinterreifen von Jehans Auto getroffen, und wurde in die Luft geschleudert." Das Rennen wurde sofort unterbrochen und nach etwa einer Stunde fortgesetzt. Wie 2017 gewann am Ende der Brite Daniel Ticktum, Mick Schumacher wurde Fünfter. Das Ergebnis war an diesem Tag aber Nebensache. "An Sophia und die anderen Unfallbeteiligten - wir denken an euch und hoffen weiterhin das Beste", twitterte der 19-jährige Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher. Insgesamt wurden in den Unfall vier weitere Personen verwickelt. Der japanische Nachwuchspilot Sho Tsuboi klagte über Schmerzen im Lendenwirbelbereich, ein Fotograf erlitt Verletzungen an der Leber, ein anderer sowie ein Streckenposten Gesichts- und Kopf-Traumata. Der Marshall zog sich zudem einen Oberkieferbruch zu. "Wir werden die Situation analysieren und die nötigen Schlussfolgerungen ziehen", twitterte Jean Todt, Präsident des Internationalen Automobilverbands Fia. "All meine Gedanken sind bei dir, Sophia Flörsch, und den anderen Verletzten." Für seine gefährlichen Passagen ist der Guia Circuit schon öfter kritisiert worden. Jedoch weniger in der Formel 3, wo viele Fahrer die herausfordernde Strecke schätzen, sondern vor allem aus den Reihen des Motorrad Grand Prix. Erst im vergangenen Jahr war ein Pilot dort tödlich verunglückt. 2012 starb innerhalb von 24 Stunden erst ein Motorrad- und einen Tag später ein Tourenwagen-Fahrer.

Für die als eines der größten weiblichen Motorsporttalente geltende Flörsch markiert der Macao Grand Prix nun das schlimme Ende ihrer ersten Saison in der Formel 3. Nach einer erfolgreichen Zeit in der Formel 4, in der sie es als erste Frau zweimal aufs Podest schaffte, konzentrierte sich Flörsch zunächst aufs Abitur und stieg im Verlauf der Saison in die nächsthöhere Nachwuchsserie auf. Im niederländischen Zandvoort debütierte sie im Juli beim Heimrennen ihres Teams Van Amersfoort Racing. In der Gesamtwertung belegte Flörsch den letzten Platz, nur ein Mal hatte sie in die Punkte fahren können. In diese Saison war sie jedoch ohne sportliche Ambitionen gegangen, das Sammeln von Erfahrung stand ganz bewusst im Vordergrund. An die Art von Erfahrung, die sie nun in Macao gemacht hat, hatte dabei aber niemand gedacht.

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