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Uefa:Dämpfer für Infantino  

Rainer Koch

Aufstieg in der Uefa: DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Die Europäische Fußball-Union hat den DFB-Vize Rainer Koch in den Vorstand berufen. Auf dem Kongress griff Uefa-Chef Ceferin den Weltverbands-Boss Infantino an. Funktionäre seien nicht die Stars des Spieles, sagte er: "Wir sind nur die Wächter."

Nun ist vollzogen, was vor Monaten geklärt wurde: Mit Rainer Koch ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder in einem internationalen Gremium vertreten. Der Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Amsterdam beförderte den Münchner Multifunktionär ohne Gegenkandidaten per Akklamation ins Exekutivkomitee. Parallel erfolgte die Berufung des Franzosen Noël Le Graët ins Council des Weltverbands Fifa. Dafür war Koch nicht in Frage gekommen.

Beide Ämter wurden neu besetzt, weil ihr vorheriger Inhaber, DFB-Präsident Reinhard Grindel, im März 2019 über eine Geschenkaffäre gestolpert war und abtreten musste. Grindels Amtsführung im DFB stand stets stark in der Kritik, international aber hatte er massiv für Europas Interessen gekämpft. Was auch nicht überall gut ankam - gerade im deutschen Profilager suchen starke Kräfte die Nähe zu dem ebenso rastlos wie diskret an neuen Milliardendeals bastelnden Fifa-Chef Gianni Infantino. Grindel trat Infantino stets entschlossen entgegen. Koch gilt hingegen als Musterfunktionär, mit einem Faible für den mächtigen Fifa-Patron. Still aufgestiegen ist er im DFB, wo er als Vizepräsident hinter dem neuen Boss Fritz Keller zwar weiter in der zweiten Reihe steht, faktisch aber Kellers Königsmacher war - und auch sonst als neue treibende Kraft im umgestalteten Verband gilt. Als Lehre aus der Affäre Grindel, der neben dem DFB-Amt Vorstandsposten in Uefa und Fifa hielt, zählt zu den Reformen nun strikte Gewaltenteilung: Der seit Herbst amtierende Verbandschef Keller soll keine internationale Zuständigkeit erhalten - also insbesondere kein Spitzenamt in diesen Gremien.

Bedenken zur künftigen Rolle der Deutschen in Europa gab es schon im Vorjahr. Im Weltfußball herrscht Aufruhr, Uefa und Fifa liegen in einem verzehrenden Streit. Infantino und Uefa-Präsident Aleksander Ceferin sind offen verfeindet, weil der Fifa-Boss über Hinterzimmer-Deals die Rolle der Kontinentalverbände zu untergraben versucht. Jetzt strebt er eine globale Superliga der Topklubs an - unter dem Fifa-Dach. Das würde vor allem die Champions League marginalisieren und die Einkünfte der Uefa einbrechen lassen. Während Infantino versucht, Risikoinvestoren für seine im Juni 2021 geplante Klub-WM mit erstmals 24 Teams in China aufzutreiben, hat sich Ceferin mit dem Amtskollegen in Südamerika, Conmebol-Chef Alejandro Dominguez, verbündet. Ohne die Klubs aus Europa und Südamerika ist ein interkontinentales Turnier schlicht: wertlos.

In Amsterdam bezichtigte Dominguez den Fifa-Boss der Augenwischerei: Die Beteiligten würden von der Klub-WM die versprochenen Rieseneinnahmen erwarten, "aber ich bin nicht so sicher, dass der Markt das Geld hergibt". Frontal attackiert wurde Infantino von Ceferin. "Kein Fußballverwalter", sagte der Uefa-Präsident in seiner Rede, "wie groß sein Ego auch sein mag, darf glauben, dass wir die Stars des Spieles sind! Wir sind nur die Wächter."

Angesichts der Coronavirus-Krise und mit Blick auf die EM im Sommer prüft die Uefa diverse Notfallszenarien, dies hat sie nun erstmals erklärt. Details gebe es aber noch nicht.

© SZ vom 04.03.2020

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