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Deutsche Turner bei der WM:"Der Schmerz bringt mich nicht um"

Baku 2015 Europaspiele

Die deutschen Turner um Fabian Hambüchen reisen in einer Art Ausnahmezustand zur WM in Glasgow.

(Foto: dpa)
  • Die deutschen Turner müssen bei der WM in Glasgow einigen Schmerzen trotzen.
  • Fabian Hambüchen turnte jüngst mit einem Cut am Oberarm, Marcel Nguyen mit Handproblemen.
  • Dass sie trotzdem antreten, soll eine Zitterpartie in der Qualifikation für Olympia verhindern.

Man hört solche Sätze sonst von anderen Athleten, von Eishockeyspielern vielleicht, Boxern, oder - früher - von Fußballern: "Natürlich tut es weh, aber der Schmerz bringt mich nicht um", sagt Andreas Bretschneider. Es helfe ja nichts: "Wir müssen jetzt zeigen, dass wir Männer sind." Sein Trainer Andreas Hirsch hatte ihm echtes Mann-Sein schon vorher bescheinigt. Wenn einer so ein Dauerstechen im Ringfinger aushalte, sagte Hirsch, "dann der Breti".

Der Schmerz ist aber nicht nur der Begleiter von Bretschneider, sondern von fast allen Mannschaftskollegen. Fabian Hambüchen zum Beispiel winkte nur ab, als er vor drei Wochen in Stuttgart gefragt wurde, ob es nicht sehr weh tue, mit einem Cut am Oberarm auf dem Barrenholm zu landen. Und Marcel Nguyen sagte zu seinen Handproblemen knapp: "Es wird schon funktionieren."

Eine Art Ausnahmezustand

Die deutschen Turner betreiben keinen Zweikampfsport, und trotzdem befindet sich die Riege des Bundestrainers Hirsch seit Wochen wegen ihrer Blessuren an Kapseln, Sehnen und Muskeln in einer Art Ausnahmezustand. Nach Möglichkeit wurde weiter an den Geräten geübt, und nun sind sie in Glasgow und üben in den Trainingshallen der Weltmeisterschaft, die am Freitag beginnt.

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Diese WM ist für viele von ihnen der entscheidende Ort für den letzten großen Plan der Karriere. Es geht um die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im nächsten Jahr, und bei Abwägung aller Alternativen gab es keine andere Wahl, als es mit Schmerzen durchzuziehen. Glasgow in Schottland ist für die deutschen Turner ein Nadelöhr.

Die Worte der Turner, die also ständig die Zähne zusammenbeißen, mögen drastisch klingen, doch es haben sich tatsächlich viele Blessuren angehäuft, auch bedingt durch einen Trainingszeitdruck, der wiederum entstanden war durch lange Pausen nach schweren Verletzungen. Am Ende war es für Trainer, Physios und Sportler ein ständiges Abwägen. Wie früh kann Nguyen, der zweifache Olympia-Zweite von London, schon seine Boden-Übung ausprobieren, nachdem er wegen seines Kreuzbandrisses lange abgewartet hatte?