Turnen 2. Liga:Hüpfer im Rampenlicht

Turnen 2. Liga: Ein Hüpfer auf dem Sprung: Der 16-jährige Fabian Stemmer gab am Samstag einen guten Einstand.

Ein Hüpfer auf dem Sprung: Der 16-jährige Fabian Stemmer gab am Samstag einen guten Einstand.

(Foto: Claus Schunk)

Das Zweitliga-Turnteam Exquisa Oberbayern will weitere junge Talente einbauen. Nach der Niederlage gegen Pfuhl zum Auftakt kann das ohne großen Druck geschehen.

Von Andreas Liebmann

Es ging damals alles ganz schnell mit Noe Seifert, dem Kunstturner aus der Schweiz: An einem Mittwoch Ende Oktober kündigte das Zweitliga-Turnteam Exquisa Oberbayern das bevorstehende Debüt seines damals 21-Jährigen Zugangs an, und das wäre schon ein gewaltiges Pfund gewesen: Pro Gerät darf je ein Ausländer eingesetzt werden in der Deutschen Turnliga, weshalb sich eigentlich jedes Team einen Pool internationaler Athleten hält, die dann im Falle ihres Einsatzes meist eine Schlüsselrolle spielen am jeweiligen Wettkampftag. Im vergangenen Corona-Herbst war es allerdings so, dass fast allen Vereinen sämtliche Legionäre weggebrochen waren, weil sie aus damaligen Risikogebieten kamen und nicht einreisen durften. Für die Kantone Bern und Aargau galt das jedoch nicht, und so schien der ohnehin starke Schweizer an jenem Mittwoch mehr als nur ein Hauptgewinn zu sein.

Wie gesagt, es ging schnell. Kurz vor dem Wettkampf gegen die KTV Ries am Samstag hatten sich die Zahlen nämlich geändert, auch die gesamte Schweiz galt nun als Risikogebiet - und Seifert blieb zu Hause. Wiederum kurz darauf wurde die Saison annulliert wegen der Pandemie.

Für das Team Oberbayern, einen Zusammenschluss mehrerer Vereine um den Lizenzhalter TSV Unterpfaffenhofen-Germering und vor allem mit dem TSV Unterhaching, war das eine frustrierende Wendung. Denn sie hatten 2020 erstmals offensiv den Aufstieg zum Ziel erklärt, und die Chancen standen gut, selbst ohne Seifert: weil die Nachwuchsschmiede, die immerhin Spitzenturner wie Marcel Nguyen, Lukas Dauser oder Felix Remuta hervorgebracht hat (die im Ligabetrieb allerdings längst für Erstligisten turnen) mit ihrem Mix aus Talenten und Routiniers auch den Vergleich ohne Legionäre nicht zu scheuen brauchte; und weil die Liga für 2020 Corona-bedingt ihren Modus geändert hatte: Die Südstaffel war in zwei Vierergruppen unterteilt worden, was lediglich drei Wettkämpfe bedeutete und dann einen Überkreuzvergleich mit der anderen Gruppe um den Aufstieg - das obligatorische Kräftemessen mit der Nordstaffel wäre ausnahmsweise entfallen.

Turnen 2. Liga: Zehn Punkte aus den Niederlanden: Casimir Schmidt überzeugte in Unterhaching an seinen drei Geräten.

Zehn Punkte aus den Niederlanden: Casimir Schmidt überzeugte in Unterhaching an seinen drei Geräten.

(Foto: Claus Schunk)

Und so standen sie wirklich prima da nach Siegen gegen die TG Hanauerland (76:13) und die KTV Ries aus Nördlingen (65:20) - ähnlich gut wie in der Parallelgruppe der aus der ersten Liga abgestiegene TSV Pfuhl, gegen den es dann wohl um den Aufstieg gegangen wäre. Dass Marcel Nguyen, der Olympia-Zweite und Europameister, am Rande eines Vorbereitungswettkampfs erwähnte, er wolle seine Karriere eines Tages mit der Heimkehr zu den Oberbayern ausklingen lassen, dämpfte die Euphorie auch nicht gerade.

Es sind Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit, auch wenn sie noch kein Jahr zurückliegen. Das Duell gegen Pfuhl ist am vergangenen Samstag in Unterhaching nachgeholt worden, in einer neue Saison unter anderen Vorzeichen, darunter der Rückkehr zum alten Modus. Und es ging erneut ganz schnell: Mit 25:57 unterlag Exquisa Oberbayern, trotz begeisterter Unterstützung der endlich zurückgekehrten Zuschauer, und damit ist nun bereits nach diesem Saisonauftakt relativ wahrscheinlich, dass das Team diesmal nichts mit einem Aufstieg zu tun haben wird.

Dass es gleich mit einem "Kracher" begann, wie Teamkapitän Jakob Paulicks zuvor gesagt hatte, war klar. Dass die Oberbayern in diesem Kracher nicht favorisiert waren gegen den ehemaligen Erstligisten aus Neu-Ulm, war ebenso klar. Der Schweizer Seifert ist zwar im Kader geblieben, als einer von drei Legionären. Und neue Talente sind hinzugekommen, wie der 16-jährige Unterhachinger Fabian Stemmer oder der 15-jährige Leo Kühl vom TSV Mühldorf. "Junge Hüpfer", wie Paulicks sagt, was er als positives Signal sieht - anderswo tue man sich viel schwerer mit dem Nachwuchs. Und doch waren die Vorzeichen keineswegs positiv: Neben Manuel Förster (Schulterprobleme) und Jonas Olbrich (Trainingsrückstand) fiel auch Routinier Jakob Glück aus, der sich vor einigen Wochen am Boden das Kreuzband riss. "Das tut uns richtig weh", sagte Paulicks. Auch er selbst musste passen. In Stuttgart, wo der 31-jährige Paulicks inzwischen lebt, habe er ein halbes Jahr lang Corona-bedingt nicht in die Halle gedurft, erst seit fünf Wochen wieder trainiert, da hätte ein Einsatz ein großes Verletzungsrisiko bedeutet. Und so musste man eben gleich gegen Pfuhl damit beginnen, die jungen Hüpfer einzusetzen, auf dass sie rasch zu Leistungsträgern aufgebaut werden, wie das zuletzt etwa mit Felix Kriedemann oder Fabian Dauth prima geklappt hatte. Kriedemann, 18, gewann dann eines seiner fünf Duelle, immerhin: Am Barren setzte er sich gegen Alexander Kunz durch, der an diesem Tag mit 17 Punkten Pfuhls Topscorer war.

Teamkapitän Paulicks sieht es gelassen: "Wir werden nicht schwächer in den nächsten Jahren."

Probiert hatten die Gastgeber in Unterhaching alles, sie hatten sogar gleich zwei ihrer drei Ausländer gebucht, den Holländer Casimir Schmidt und den Belgier Noah Kuavita. Beide sind schon länger im Kader, während der Schweizer Seifert noch immer nicht debütiert hat. Schmidt legte mit einer blitzsauberen Bodenübung los, mit der er sich gegen Pfuhls Litauer Robert Tvorogal durchsetzte; am Ende hatte er an drei Geräten zehn Punkte erobert. Kuavita gewann an den anderen drei Geräten nur eine Übung, die anderen beiden wurden jeweils von Tvorogal übertrumpft.

Auch Pfuhl betreibt gute Nachwuchsarbeit, das hatte Paulicks schon vor dem Duell betont. "Sie machen einen tollen Job und sind an jedem Gerät gut aufgestellt." Pfuhls Erstliga-Ausflug fand 2019 statt, in jenem Jahr war der Unterhachinger Paulicks zu seinem Heimatklub zurückgekehrt, nachdem er zuvor mit der KTV Obere Lahn deutscher Mannschaftsmeister geworden war. Dem Gegner wünschten sie "viel Erfolg auf dem Weg zum Meistertitel", so schrieben die Oberbayern nach dem verlorenen Duell auf der Liga-Homepage. Für diese Saison, in der es für sie gleich an diesem Samstag bei der TG Hanauerland weitergeht, haben sie nun andere Prioritäten als den Aufstieg. Paulicks sieht das gelassen, denn er weiß: "Wir werden nicht schwächer in den nächsten Jahren."

© SZ
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