bedeckt München 23°
vgwortpixel

Turn-WM in Glasgow:Sorgen um den Superturner

2015 World Artistic Gymnastics Championships

Kohei Uchimura: Fast immer perfekt

(Foto: dpa)
  • Kohei Uchimura ist seit 2009 fünf Mal nacheinander Mehrkampfweltmeister geworden, dazwischen Mehrkampf-Olympiasieger, eine Serie, die vor ihm keiner schaffte.
  • Nun, bei der WM in Glasgow, will er seinen sechsten Mehrkampftitel holen, was nach ihm wohl nie mehr jemand schaffen wird.
  • Doch am Boden passiert ihm ein Malheur.

In der Mixed-Zone von Glasgow geht es zu wie auf einem Jahrmarkt. Kohei Uchimura erscheint vor der Absperrung, und dahinter, in den internationalen TV-, Radio- und Print-Boxen, bilden sich dicke Reporterknäuel. Kohei Uchimura hat eine Jacke über den Schultern, sein Gesicht ist fast weiß im Licht der Scheinwerfer, vor ihm beginnt das Feilschen um Fragen. Nur zwei Fragen pro Box sind erlaubt, eine Kollegin ringt dem Pressemann eine dritte ab. Dann geht es los, aber gefragt wird Uchimura eh fast nur das eine: "Wie geht's dem Kopf?"

Uchimura, der 26 Jahre alte, schmale, 1,60 Meter große Japaner, ist so etwas wie die Schul-Vorlage für einen Turner. Er beherrscht alle Geräte, die Hälfte davon so gut, dass er auch gegen Spezialisten besteht. Sein Fach ist aber die Vielfalt. Uchimura ist seit 2009 fünf Mal nacheinander Mehrkampfweltmeister geworden, dazwischen Mehrkampf-Olympiasieger, eine Serie, die vor ihm keiner schaffte. Er hat sich damit gelöst von den Normalturnern, in den Mehrkampfnoten schwebt sein Name zwei, drei Punkte über dem Rest. Uchimura wird deshalb als alles Mögliche bezeichnet, unter anderem als Superman oder King Kohei.

Nun, bei der WM in Glasgow, will er seinen sechsten Mehrkampftitel holen, was nach ihm wohl nie mehr jemand schaffen wird. Doch dann dieses Malheur im Vorkampf am Boden: ein falsch berechneter Anlauf? Eine verschätzte Flugbahn? Jedenfalls landete Uchimura nach gehocktem Salto statt auf den Füßen, auf Knien und Kopf. Er turnte zu Ende und ging benommen zu seinem Stuhl.

So etwas kommt gelegentlich mal vor, bei Uchimura aber raunt das Publikum. Denn seine Fehler auf großer Bühne lassen sich an einer Hand abzählen, obwohl er seit den Olympischen Spielen in Peking 2008 schon dabei ist. Niemand turnt das Schwere auf so leichte Weise. Einmal sagte er, er sei auf der Suche nach der vollendeten Übung - nicht nach Punkten. Seine Auftritte wirken wie von einem Manga-Zeichner hingeworfen, unpassend ist höchstens das Zucken seiner Stirn, wenn er die Übung im Stand beendet hat - und ihm seine langen Haare in die Augen fallen.

Während andere mit dicken Muskeln über die Matte sprinten und nach der Akrobatik donnernd landen, schleicht sich Uchimura eher an, und man rätselt, wie er die Höhe für seine Doppelsalti gewinnt. Auch ohne dicken Bizeps gelingen ihm schwere Kraftteile an den Ringen, und auch im Element Luft fühlt er sich wohl. Uchimura landet sonst nicht wie ein Käfer auf der Matte, wie geht es also dem Kopf? "Meinem Kopf geht es gut, ich habe eher was im Nacken gespürt", sagt er und zuckt sich ein paar Haare aus den Augen.

  • Themen in diesem Artikel: