TSV 1860 München Alles ist nicht genug

Rückschlag: Daylon Claasen vom TSV 1860 München bekommt den Ellenbogen seines Gegenspielers ins Gesicht - und verliert das Spiel.

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Die Münchner verlieren das Derby gegen Fürth, aber überzeugen dabei die eigenen Fans. Die kommende Begegnung mit Duisburg ist das nächste Endspiel im Abstiegskampf.

Von Markus Schäflein, München

Der Gang zu den Journalisten gehört - neben den Fußballspielen als solchen - zu den unangenehmen Aufgaben der Profis beim Zweitligisten TSV 1860 München. Jan Mauersberger erschien nach dem 0:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth mit dem festen Willen in der Mixed Zone, erst einmal das Positive herauszustellen. "Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war richtig stark. Wir haben über 88 Minuten ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht", sprach der Innenverteidiger, "das muss uns Mut machen. Jeder war da, jeder war fokussiert, wir waren aggressiv, haben Fürth bekämpft. Wir hatten alles, was man braucht, um ein Spiel zu gewinnen."

Allerdings hatten sie es nicht gewonnen.

Ursprung der Misere war ein Gegentor in der zweiten Minute, das Münchens Ersatz-Linksverteidiger Sertan Yegenoglu verschuldete: Fürths Veton Berisha durfte unbehelligt die rechte Seite entlang flitzen und flanken, Robert Zulj setzte den Ball per Kopf ins Tor. Mauersberger fand es "sehr, sehr bitter, dass uns das den Sieg gekostet hat", und erklärte: "Wir wollten vorne auf den Ballführenden schieben, das hat nicht geklappt. Es war eine Verkettung von Fehlern." Und das Ergebnis einer sehr risikofreudigen Taktik von Beginn an. "Insgesamt haben wir es taktisch gut gemacht", meinte Mauersberger, "dass unsere Außenverteidiger sich nach vorne einschalten, ist auch schon in den letzten Spielen so gewesen."

Sechzig hat etliche Chancen - doch es fehlt die Präzision

Diese Taktik zogen die Löwen weiter durch, was dazu führte, dass Fürth nach einer guten Viertelstunde schon 3:0 hätte führen können angesichts exzellenter Konterchancen. Aber auch dazu, dass der Tabellen-16. aus München eine Reihe von Möglichkeiten hatte. 12:0 Eckbälle standen am Ende der Partie zu Buche. "In den letzten Spielen hatten wir immer weniger Ecken als der Gegner und kaum Standards", sagte Mauersberger.

Diesmal hingegen standen Ecken, Freistöße, Fernschüsse, Kopfbälle und Flanken en masse zu Buche - fast alle jedoch ohne die notwendige Präzision oder den letzten Tick Überzeugung. "Wir haben genug Chancen gehabt", meinte Stürmer Sascha Mölders, der selbst genug Chancen gehabt hatte. "Die bessere Mannschaft hat verloren, so grausam kann Fußball sein." In jedem Fall hatte die wesentlich aktivere, engagiertere Mannschaft verloren; die SpVgg schlug die Bälle in der zweiten Hälfte oft einfach weg, 1860 fehlte die Zielstrebigkeit. Trainer Benno Möhlmann hüpfte wild an der Linie herum, Fürths Übungsleiter Stefan Ruthenbeck nahm das merkwürdige Spiel etwas gelassener, sagte hinterher aber: "So wie heute wollen und werden wir nicht mehr auftreten, das war gar nix."

Dass auch gar nix reichen kann, um bei Sechzig zu gewinnen, mag zu denken geben. Mauersberger blieb jedoch positiv: "Wenn wir die nächsten fünf Spiele so auftreten, werden wir auf jeden Fall die Punkte holen", sagte er. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Freitag beim MSV Duisburg, dem Tabellenletzten.

Gut für 1860: Paderborn geht gegen Union Berlin unter

Das Bemerkenswerteste gegen Fürth war das Publikum: Die 18300 Zuschauer boten trotz des Rückstands stetige Anfeuerung, Pfiffe waren kaum zu hören. "Die Fans haben gemerkt, dass wir alles getan haben, heute hier nicht zu verlieren, und das haben sie honoriert", meinte Mauersberger, und Mölders fand die Fans "wunderbar". Vielleicht freuten sie sich über die deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Spiel in Karlsruhe, die allerdings auch zu erwarten gewesen war ("schlechter konnten wir nicht mehr spielen", meinte Mölders).

Und womöglich hob die Laune auf den Rängen auch die Nachricht vom Debakel des SC Paderborn gegen Union Berlin (0:4) - 1860 bleibt nicht nur auf dem Relegationsplatz, sondern hat sich in puncto Torverhältnis im Vergleich zum ersten Direktabsteiger sogar verbessert. "Das Torverhältnis ist sicherlich auch irgendwann entscheidend", sagte Mauersberger, "aber grundsätzlich geht's um Punkte."