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TSV 1860 München:Vorstellungsrunden

Die Nachfolge von Geschäftsführer Scharold soll entweder Sven Froberg antreten - oder Nicolai Pfeifer von den Stuttgarter Kickers.

Die Schicksale der Stuttgarter Kickers und des TSV 1860 München ähneln sich. Mit dem Unterschied, dass es die Kickers noch weitaus härter getroffen hat. 1992 spielten die Schwaben zuletzt in der Fußball-Bundesliga, 2001 zuletzt in der zweiten Liga, 2016 verabschiedeten sie sich aus der dritten, 2018 auch aus der Regionalliga - seit zwei Spielzeiten ist der 1899 unter dem Namen FC Stuttgarter Cickers gegründete Verein tatsächlich nur noch in der Oberliga Baden-Württemberg beheimatet, in der er hinter dem VfB Stuttgart II und dem 1. Göppinger SV derzeit auf Rang drei steht. Marc-Nicolai Pfeifer, 39, ist seit Dezember 2017 Geschäftsführer der Kickers, er erlebte also noch die letzten Monate in der vierten Liga im Amt, bevor er dann gemeinsam mit den Kickers in den Abgrund rauschte.

Wenn alles optimal läuft für Pfeifer, dann könnte er in wenigen Wochen drei Ligen weiter oben Geschäftsführer sein, bei einem Zweitligisten 1860 München. Drei Hürden müssten hierfür genommen werden: Der Spielbetrieb in der dritten Liga müsste wieder anlaufen. Trainer Michael Köllner müsste aufsteigen mit seiner Mannschaft. Und der Beirat von 1860 müsste Pfeifer als Finanz-Geschäftsführer bestellen. In das Gremium entsenden der e.V. und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik jeweils zwei Vertreter. Wenn sie sich nicht einigen, entscheiden mittels der 50+1-Regelung die Vereinsvertreter - so wie sie es bereits bei den Vorgängern Markus Fauser und Michael Scharold praktiziert haben.

Am Freitag hatte die SZ berichtet, dass Sechzigs Gesellschafter zwei unterschiedliche Kandidaten für die Stelle von Scharold vorgeschlagen haben, die dieser am 30. Juni freiwillig räumt. Die Seite von Ismaik wünscht sich Sven Froberg, 48, der bis April Marketing- und PR-Chef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg war. Die Vereinsseite wünscht sich Pfeifer, der namentlich zunächst auf dieblaue24 genannt wurde. Nachdem Pfeifer vom Präsidium als tauglich für das Amt bewertet worden war, stimmte am vergangenen Freitag auch der Verwaltungsrat des e.V. zu. Pfeifer hat Betriebswirtschaft und Sportmanagement studiert und vor seiner Zeit bei den Kickers bei Ralf Rangnick und Thomas Frölich im Reha-Zentrum Böblingen sowie bei den Sportausrüstern Puma und Hummel gearbeitet.

Der Kommunikationsexperte Froberg hingegen, der über den ehemaligen Löwenprofi und gegenwärtigen Wolfsburger Sportchef Marcel Schäfer in die Diskussion gebracht worden sein soll, schaffte es gar nicht über die präsidiale Vorauswahl hinaus. Das soll sich nun ändern: Nach SZ-Informationen bekommt Froberg eine weitere Chance, sich bei den Vereinsvertretern vorzustellen. Pfeifer wiederum hat die Investorenvertreter um ein Vorstellungsgespräch gebeten. Bei der Gelegenheit könnte er ein paar Anekdötchen über Hermann Gerland erzählen. Von 2008 bis 2010 hospitierte er an dessen Seite beim U23-Team des FC Bayern München.

© SZ vom 23.05.2020

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