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TSV 1860 München:Forderungen auf Facebook

Hasan Ismaik

Hasan Ismaik.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Investor Ismaik spricht sich deutlich gegen den geplanten Umbau des Grünwalder Stadions aus. Vor der Stadtratssitzung beeilt sich das Präsidium klarzustellen, dass das nicht die Meinung des Vereins ist.

In der zweiten Hälfte war dann wieder zu spüren, welche Wucht dieses Stadion entfalten kann. Im Auftaktspiel der dritten Fußball-Liga hatte sich 1860 München in der ersten Hälfte gegen Preußen Münster so erschreckend schlecht präsentiert, dass selbst im Party-Stadtteil Giesing miese Laune aufkam. Doch dann: die zweite Hälfte, erst der schnelle Foulelfmeter zum 1:1 durch Phillipp Steinhart, immer mehr Druck der Löwen, die Einwechslung des Rückkehrers Timo Gebhart kurz vor Schluss - da ging es an der Grünwalder Straße wieder zu, wie es an der Grünwalder Straße zugeht. Hinterher in den umliegenden Kneipen erbauten sich die Anhänger dann weniger am Remis zum Ligastart als vielmehr an der nun realistischen Perspektive, dauerhaft in der geliebten Heimat bleiben zu können.

Am Freitag, wenige Stunden vor dem Spiel, waren nämlich die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie bekannt geworden; die Stadt München hatte das Architekturbüro Albert Speer und Partner beauftragt, einen Vorschlag zu erstellen, wie das Stadion zweitligatauglich gemacht werden könnte. Zwar passen dann nur 18 105 bzw. des vom Büro gemachten Zahlenwitzchens halber 18 060 Zuschauer hinein, aber es gibt auch positive Nachrichten für die Löwen: Die vorgeschriebene Anzahl an Sitzplätzen kann durch eine neue Haupttribüne erreicht werden, der aus finanzieller Sicht so wichtige Vip-Bereich würde in der sogenannten Stehhalle gegenüber der Haupttribüne entstehen. Ein Businessclub mit 890 Quadratmetern, 855 Sponsorenplätze, sechs Logen mit jeweils 40 Quadratmetern Größe - diese Rahmendaten fand auch 1860-Finanzgeschäftsführer Michael Scharold auf den ersten Blick "durchaus eine sehr sinnvolle Lösung für den Moment".

Hasan Ismaik präferiert nach wie vor den Bau einer wesentlich größeren Arena

Am Freitagabend waren die Freunde des Grünwalder Stadions also zufrieden. Doch es dauerte selbstredend nicht lange, bis sich Investor Hasan Ismaik über Facebook meldete und mal wieder eine recht gegensätzliche Sicht der Dinge präsentierte. Die Machbarkeitsstudie sei "sehr ernüchternd", teilte er mit, der Umbau sei mit rund 30 Millionen Euro Kosten "nicht nur preisintensiv und unrentabel, sondern auch wenig hilfreich für unseren TSV 1860 München".

Ismaik, dessen frühere Ankündigungen für ein Großstadion in Riem nicht Realität wurden, präferiert nach wie vor eine wesentlich größere Arena. "Ich hatte auf eine andere Realisierungsvariante gehofft, die es uns ermöglicht, mit einer für 1860 erforderlichen Zuschauerkapazität, die notwendigen Einnahmen zur Finanzierung des Profifußballbetriebes nachhaltig zu generieren", teilte er nun mit. 1860 brauche "endlich eine sinnvolle und zukunftsfähige Stadionlösung. Ich bin jederzeit bereit, sofern es die Stadt München wünscht, an einer neuen Stadionlösung mitzuarbeiten, um einen geeigneten Standort zu finden. Wir sollten als Verein keine Zeit mehr verlieren und müssen sofort in die Zukunftsplanung gehen, dabei sollten wir eine Neuorientierung an einem anderen Standort in München fokussieren."

Er wäre "dem Herrn Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang sehr dankbar, wenn er uns bei der Grundstückssuche dann maßgeblich unterstützen könnte", erklärte Ismaik. Der angesprochene Dieter Reiter hatte allerdings bereits erklärt, er unterstütze "diesen Ausbau ausdrücklich".

Am Mittwoch wird der Stadtrat abstimmen, und das Präsidium des TSV 1860 um Robert Reisinger beeilte sich dann auch, den Räten mitzuteilen, dass der Klub den Plänen nicht so ablehnend gegenübersteht wie Ismaik. Der Jordanier ist zwar Mehrheitsgeselllschafter der Profißball-KGaA, das Sagen haben allerdings aufgrund der 50+1-Regel die Vertreter des e.V., und diese sind Befürworter einer Zukunft in Giesing. Schließlich brachte die Gruppierung Pro1860, die explizit für den Standort Grünwalder Straße einsteht, vor einem Jahr alle ihre Kandidaten in den Verwaltungsrat. Die mutmaßlich so zahlreichen Fans vom Land, die sich eine moderne Neubau-Arena mit Autobahnanschluss und ausreichenden Parkmöglichkeiten wünschen, erscheinen regelmäßig nicht gerade zahlreich zu den Versammlungen.

"Unabhängig vom zu erwartenden Fassungsvermögen nach einem Umbau erlaubt die Perspektive (...) Planungssicherheit, die Anforderungen der DFL an eine Spielstätte im Falle eines sportlichen Aufstiegs erfüllen zu können", schrieb das Präsidium, auch wenn bloß 18 105 Plätze "zunächst betrüblich" seien. "Wir würden eine positive Entscheidung der Stadtratsmitglieder (...) sehr begrüßen."

Und dann merkten Reisinger und seine Kollegen an, damit es auch jeder Stadtrat mitbekommt: "In sozialen Medien veröffentlichte Verlautbarungen und Forderungen im Zusammenhang mit einem etwaigen Stadionneubau an anderer Stelle sind mit dem Verein und den Gremien nicht abgestimmt." Der TSV 1860 München ist eben ein Verein mit einem gewissen Erklärungsbedarf.