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TSV 1860 München:Aufstiegs­kampfausruf­verbot

27.06.2020, Fussball 3. Bundesliga 2019/2020, 36.Spieltag, TSV 1860 München - SPVGG Unterhaching, im Grünwalderstadion

„Ich hoffe, dass er sich nicht verletzt mit so komischen akrobatischen Einlagen“, sagt Trainer Köllner über Dennis Dressels Flik-Flaks beim Torjubel.

(Foto: MiS/imago images)

Nach dem 3:0-Erfolg warnt Trainer Köllner vor Rechnerei. Und den Torschützen Dressel vor zu viel Akrobatik.

Von Christoph Leischwitz

Der Held des Tages schlug schon nach dem ersten Tor einen Flick Flack mit einer halben Schraube. Dennis Dressel ist 21 Jahre alt, und er hatte allen Grund, sich über sein 1:0 für den TSV 1860 München in der 39. Spielminute zu freuen. So oft gelingen dem Mittelfeldspieler keine Tore, außerdem war das Derby gegen die SpVgg Unterhaching ja auch gut geeignet, die Niederlage im Derby gegen den FC Bayern II drei Tage zuvor ein bisschen vergessen zu machen. Dressel also stieg hoch nach der butterweichen Flanke von Daniel Wein und setzte den gar nicht so harten Kopfball platziert ins Eck. Von da an wirkte alles viel leichter im Spiel der Sechziger. "Ich hoffe, dass er sich nicht verletzt mit so komischen akrobatischen Einlagen", meckerte Trainer Michael Köllner dann ein wenig. Dressel ist einer der größten Profiteure des Trainerwechsels im vergangenen Herbst, er ist seitdem Stammspieler. Und er sollte am Samstag sein Torekonto von drei auf sechs verdoppeln, beim klaren 3:0-Sieg über matte Hachinger nutzte er die vielen freien Räume, die sich in der zweiten Halbzeit im gegnerischen Strafraum boten (58. und 73.). Der Sieg bedeutet auch, dass der Aufstieg rein mathematisch gesehen noch möglich ist, vor den beiden Partien in Großaspach (Mittwoch) und zu Hause gegen Ingolstadt (Samstag). Allerdings muss Sechzig in zwei Spielen drei Plätze und fünf Punkte aufholen.

1860 müsste, um die Relegation zu erleben, in zwei Spielen drei Plätze und fünf Punkte aufholen

Der Antiheld des Tages schlich in der 48. Spielminute vom Platz, hinter dem Tor vorbei in die Kabine, ohne noch einmal mit irgendjemandem abzuklatschen. Alexander Winkler hat genau 99 Drittliga-Spiele für Unterhaching bestritten, der 28-jährige Abwehrspieler spielte inklusive der Jugendzeit insgesamt elf Jahre für die Vorstädter, er war fraglos zum Leistungsträger gereift. Diesmal führte er die Mannschaft noch einmal als Kapitän auf den Platz, bei seinem letzten Spiel vor dem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern - die Hachinger hatten darauf verzichtet, bei den Pfälzern einen Antrag auf eine einwöchige Verlängerung zu stellen. Hachings Trainer Claus Schromm sagt, es sollte eigentlich ein schöner, würdiger Abschied werden für Winkler. Doch der sah zunächst nach einem Luft-Zweikampf mit Sascha Mölders die gelbe Karte (34.). Mölders schrie bei der Szene auf, hielt sich den Kopf. Obwohl Winkler ihn an der Schulter touchiert hatte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit beging Winkler ein taktisches Vergehen, indem er vor einem Einwurf für Sechzig den Ball blockierte. Es habe dann noch eine Diskussion über das Thema Fingerspitzengefühl gegeben mit dem Schiedsrichter, aber das half natürlich nichts. "Es tut mir unfassbar leid, wir wollten hier noch mal einen Derbysieg", sagte Winkler. Trainer Schromm war sauer. Die Spieler verkrafteten die vielen englischen Wochen zurzeit ja ganz gut, "im Gegensatz zu den Kollegen". Damit meinte er wohl unparteiische Kollegen.

Der Platzverweis war freilich der "Knackpunkt" des Spiels (Winkler), auch wenn die Hachinger schon in der ersten Halbzeit deutlich weniger Offensiv-Aktivität gezeigt hatten als der Gastgeber. Immerhin, ein paar gute Einschussmöglichkeiten hatten sie gehabt. Und so hadern Trainer Schromm oder seine Spieler zurzeit nicht nur relativ häufig mit den Schiedsrichtern, sondern auch mit der schlechten Chancenverwertung. Sie sei ein wichtiger Grund, warum man das Rennen um die Aufstiegsplätze verloren habe.

Und die Sechziger? Es wäre "fatal", jetzt wieder den Aufstiegskampf auszurufen, sagt Trainer Köllner, nur, weil da rechnerisch noch etwas möglich sei. Erst, wenn man seine Hausaufgaben mache und vor dem letzten Spieltag noch eine Chance habe, könne man darüber wieder reden. Gleichzeitig nutzte er den verdienten Sieg, um das zu tun, was den Hachingern nun beim besten Willen nicht mehr möglich ist: die Saison schön zu reden. Er hob nicht nur den Dreifach-Torschützen Dressel hervor, der hoffentlich noch über mehrere Jahre für Furore sorgen werde, sondern auch den 19-jährigen Fabian Greilinger. "Er hat der Mannschaft gutgetan, er hat dem Gegner sehr wehgetan", befand Köllner. Besonders schön fand er, dass die Fans am Vereinsgelände ihm am Wochenende zugejubelt und applaudiert hätten. Erfolgreich wäre die Saison für ihn mit dem Erreichen des DFB-Pokals.

Wenn darüber hinaus etwas passieren sollte, dann wären das zusätzliche Heldengeschichten.

© SZ vom 29.06.2020

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