TSV 1860 München 99 Prozent Zukunft

In der dritten Liga angekommen: Sechzigs Dennis Dressel (links) im Duell mit Patrick Choroba von der SG Sonnenhof Großaspach.

(Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Sechzig muss in Großaspach eine ärgerliche Niederlage hinnehmen. Ihre letzten Ambitionen auf Platz vier können die Löwen nun ad acta legen, stattdessen arbeiten sie am Konsolidierungs-Kader.

Von Markus Schäflein

Die Reise nach Großaspach war für den TSV 1860 München auch eine Reise in die Zukunft. Bekanntlich haben sich die Gesellschafter, der e.V. und Investor Hasan Ismaik, nicht über die Modalitäten für künftige Zahlungen des Jordaniers geeinigt, was dazu führt, dass für die kommende Saison die Konsolidierung geplant werden muss. Was beispielsweise bedingt, dass der Vertrag mit dem jungen und günstigen Dennis Dressel "zu 99 Prozent", wie Trainer Daniel Bierofka sagte, verlängert wird, der Vertrag mit dem nicht ganz so jungen und mutmaßlich nicht ganz so günstigen Aaron Berzel hingegen zu, na ja, vielleicht 85 Prozent nicht. Und so vertrat den gesperrten Mittelfeldspieler Efkan Bekiroglu im Montagabendspiel bei der SG Sonnenhof Großaspach auch Dressel, 20, und nicht Berzel. Auch wenn Bierofka seine Entscheidung an taktischen Gründen und der offensiveren Veranlagung Dressels festmachte, war sie doch ein Signal. Zumal sich Dressel in seinem allerersten Drittligaspiel sehr gut einfügte ins insgesamt stabile Löwen-Kollektiv.

Dass der TSV 1860 nach einer wenig berauschenden, aber doch ordentlichen Leistung noch eine 0:1-Niederlage hinnehmen musste, lag an einer Szene, die sich in der 87. Minute ereignete. Löwen-Rechtsverteidiger Herbert Paul foulte den beim FC Bayern ausgebildeten Marco Hingerl; zwar scheiterte Shqiprim Binakaj beim fälligen Foulelfmeter an Torwart Marco Hiller, aber Kai Brünker traf im Nachschuss doch noch.

Auch Großaspachs Trainer Florian Schnorrenberg wusste nicht so recht, wie ihm geschehen war: "Sechzig war fußballerisch besser und fast über die gesamte Spielzeit die dominante Mannschaft", stellte er bei Magenta Sport fest, und Unfallverursacher Paul meinte: "Wir hatten die besseren Chancen, machen das Tor mal wieder nicht und werden mal wieder spät bestraft." Die Strafe besteht in diesem Fall darin, dass die Löwen die Qualifikation für den DFB-Pokal über die Liga - wie auch die bayerischen Konkurrenten Haching und Würzburg - abschreiben können und sich über den bayerischen Landespokal qualifizieren müssen.

Dass Sechzig diese Partie verlieren könnte, war in der Tat lange kaum zu erahnen gewesen. Schon nach zwei Minuten sorgte Phlipp Hercher zwar für die erste Torchance der SG Sonnenhof, er setzte einen Flachschuss am entfernten Pfosten vorbei. Danach tat sich in dem Treffen zweier defensivstarker Mannschaften aber so wenig, wie man es sich bei einem Treffen zweier defensivstarker Mannschaften erwartet - und die wenigen Möglichkeiten auf ein Tor hatten die Löwen. Die erste Szene bot der junge und günstige Dressel mit einem Distanzschuss, Großaspachs Torhüter Kevin Broll parierte (37.). Fünf Minuten später zeichnete sich Broll dann bei einem Kopfball von Tim Lorenz im Anschluss an einen Freistoß aus, mit einem sehenswerten Reflex, dann ging es bereits ohne Treffer in die Halbzeitpause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte musste dann auch 1860-Torhüter Marco Hiller mal ran, er parierte einen Freistoß von Zlatko Janjic (47.). Für Sechzig schoss Benjamin Kindsvater, in Szene gesetzt von Sascha Mölders, deutlich über die Querlatte (54.). Die rund 2500 Löwen-Anhänger unter den 8253 Zuschauern vertrieben sich die Zeit weiterhin mit Gesängen, nach einer Stunde wollte Bierofka dann ein bisschen neuen Schwung ins Spiel bringen: Er ersetzte Stefan Lex durch Nono Koussou. Dressel sorgte noch einmal für Aufsehen, mit einem abgefälschten Schuss (77.), ehe Paul auf der anderen Seite unfreiwillig ebenfalls für Aufsehen sorgte. Nach dem Elfmeter-Gegentor hatte der eingewechselte Alessandro Abruscia in der Nachspielzeit noch die Gelegenheit zum Ausgleich, sein Flachschuss strich haarscharf vorbei.

Den Ausflug nach Großaspach musste man also als missraten bezeichnen, der Ausflug in die Zukunft fiel hingegen durchaus erfreulich aus. Und in der Gegenwart hat der TSV 1860 München nun noch ein verbleibendes Saisonziel: den Toto-Pokal zu gewinnen. Das hatte Bierofka schon vor der Partie im Vergleich zum Erreichen des vierten Tabellenplatzes als die deutlich wahrscheinlichere Variante bezeichnet, um in den DFB-Pokal zu kommen. Dass ihm seine Mannschaft so schnell Recht gab, wird ihn allerdings nicht sonderlich gefreut haben.