Galoppsport:Auf dem Sprung in die Zucht

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Galoppsport: Mehrere Nasenlängen zurück: Torquator Tasso (rechts, geritten von Frankie Dettori) bleibt in Paris hinter Alpinista und Soumillon in seinem geplant letzten Rennen nur Rang drei.

Mehrere Nasenlängen zurück: Torquator Tasso (rechts, geritten von Frankie Dettori) bleibt in Paris hinter Alpinista und Soumillon in seinem geplant letzten Rennen nur Rang drei.

(Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Torquator Tasso, der elegante und schnelle Galopper, verpasst in seinem wohl letzten Auftritt den Sieg und wird Dritter. Die Karriere dieses Rennpferds aber bleibt außergewöhnlich.

Von Ulrich Hartmann, Paris/ München

Der Galopper Torquator Tasso hat keine Flügel. Trotzdem kann er fliegen. Das bestätigt jeder, der ihn mal hat reiten dürfen. Auch am Sonntag ist der fünfjährige Hengst beim Fünf-Millionen-Euro-Rennen "Prix de l'Arc de Triomphe" über regennasses tiefes Gras geradezu hinweggeflogen. Auf der Zielgeraden der Rennbahn in Paris-Longchamp düste der Vollblüter aus dem hinteren Drittel des Feldes unnachahmlich nach vorne. Er hatte das höchste Schlusstempo im Wettrennen dieser derzeit 20 besten europäischen Pferde. Doch sein Pilot Frankie Dettori hatte den Zielflug vielleicht etwas zu spät angesetzt. Die beiden vordersten Pferde erreichte er jedenfalls nicht mehr rechtzeitig.

Ein paar mehr als die 2400 Meter und er hätte vielleicht auch sie noch überholt. So wie letztes Jahr, als sein phänomenaler Schlussspurt in einen sensationellen Sieg mündete. Diesmal kam er um eine Länge hinter der britischen Stute Alpinista und knapp hinter dem französischen Hengst Vadeni als Dritter ins Ziel. Marcel Weiß, der Torquator Tasso in Mülheim an der Ruhr trainiert, war mit dem Ergebnis trotzdem glücklich. "Wir sind hochzufrieden. Mehr war diesmal nicht drin, weil vor ihm einfach auch sehr gute Pferde waren, die mit den Gegebenheiten genauso gut klarkamen und ebenfalls Spitzenleistungen abgerufen haben." Der zweite deutsche Hengst im Rennen, Mendocino, geritten von René Piechulek und trainiert von dessen Freundin Sarah Steinberg in München, wurde Zwölfter.

Der Galopper-Karriere folgt die Zucht. Torquator Tasso soll in einem Betrieb in Ostwestfalen unterkommen

Als erst neuntes Pferd in der 101. Auflage dieses Rennens hätte Torquator Tasso den Arc um ein Haar zum zweiten Mal nacheinander gewonnen. Vor einem Jahr hatte er unter Piechulek das Rennen sowie 2,85 Millionen Euro Preisgeld gewonnen. Diesmal heimste er unter dem Italiener Dettori Platz drei und damit 571.500 Euro ein. Mit dieser Summe ist es ihm gelungen, im 200. Jahr der deutschen Galoppgeschichte zum gewinnreichsten Rennpferd zu avancieren. 4,22 Millionen Euro hat es von 2020 bis 2022 eingebracht, die Stute Danedream war in den Jahren 2010 bis 2012 auf 3,76 Millionen Euro gekommen. Sie hatte 2011 als zweites deutsches Pferd nach Star Appeal (1975) den Arc in Paris gewonnen.

Das diesjährige Siegerpferd Alpinista gehört der schwedischen Milliardärin Kirsten Rausing und ist auf deutschen Rennbahnen bereits recht gut bekannt, weil es im vergangenen Jahr den Großen Preis von Berlin in Hoppegarten, den Großen Preis von Europa in Köln und den Großen Preis von Bayern in München gewonnen hatte. Paris nun war Alpinistas achter Sieg in Serie. Ihr Vater Frankel hat es vor zehn Jahren sogar geschafft, sämtliche 14 Rennen in seiner Karriere zu gewinnen. Seine fünfjährige Tochter absolviert Ende November beim Japan-Cup ihr vermutlich letztes Rennen. Danach geht sie genauso wie Torquator Tasso wohl in die Zucht. Letzterer wird in Japan vermutlich nicht mehr starten. Am Ende seiner Galopper-Karriere steht er auf dem Sprung in den Zuchtbetrieb Auenquelle im ostwestfälischen Rödinghausen. Mitbesitzer Peter-Michael Endres sagte in Paris: "Wir haben noch nicht entschieden, ob er noch mal läuft - ich glaube aber, eher nicht." Dann wäre am Sonntag eine Traumkarriere zu Ende gegangen.

Aufgrund von Sperren nur mit Verzögerung fortgesetzt werden unterdessen die Karrieren der Jockeys Dettori und Christoph Soumillon. Letzterer hat den Hengst Vadeni auf den zweiten Platz gesteuert. Dettoris Sperre hat bereits am Montag begonnen und dauert fünf Tage. Ihm war kürzlich während eines Rennens in Doncaster/England die Behinderung eines gegnerischen Pferdes zur Last gelegt worden.

Schlimmeres hat sich der Belgier Soumillon geleistet, als er am vergangenen Freitag während eines Rennens in Saint-Cloud/Frankreich den irischen Reiter Rossa Ryan per Ellbogen brüsk vom Pferd stieß. Ryan stürzte aufs Grün und purzelte dort noch ein paar Meter weiter. Er verletzte sich allerdings nicht. Soumillon ist ab dem 14. Oktober für 60 Tage gesperrt.

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