Thomas Tuchel:"Großer Dissens mit Aki"

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Vor Gericht sagt der Ex-Trainer des BVB aus, dass der Bomben-Anschlag auf den Mannschaftsbus vergangenes Jahr mit zu seinem Aus bei der Borussia geführt habe.

Trainer Thomas Tuchel sieht einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Entlassung bei Borussia Dortmund und dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des Bundesligisten im April 2017. Das erklärte Tuchel am Montag bei seiner Aussage im Prozess gegen Attentäter Sergej W. vor dem Landgericht Dortmund. "Davon würde ich ausgehen", sagte Tuchel auf die Frage des Oberstaatsanwalts, ob er ohne das Attentat über den Sommer 2017 hinaus BVB-Trainer geblieben wäre. Hintergrund ist der Streit Tuchels mit Klub-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über den richtigen Umgang mit dem Anschlag am Abend des Viertelfinalspiels in der Champions League gegen den AS Monaco.

Das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel galt am Ende als zerrüttet, auch wegen dieses Themas: "Aki (Watzke) hat ja öffentlich schon gesagt, dass es großen Dissens gegeben hat. Das stimmte auch so", sagte Tuchel: "Der große Dissens bestand darin, dass ich im Bus saß und Aki nicht. Deshalb gab es eine andere Herangehensweise, ohne das Aki jetzt vorhalten zu wollen." Er selbst spüre keine Nachwirkungen des Attentats. Er sei aber "absolut davon überzeugt", dass das Erlebnis Auswirkungen auf die Spieler hatte.

Tuchel verwies auf ein Gespräch mit einem Experten, wonach Betroffene nach solchen belastenden Ereignissen drei Tage nicht in ähnliche Situationen gebracht werden sollten: "Wir haben aber am nächsten Tag schon wieder gespielt." Es seien nach dem Attentat viele Gespräche nötig gewesen, "um eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir uns wieder kritisieren konnten", sagte er. Was das Team danach dennoch geschafft habe, sei "erstaunlich".

Der Anschlag sei "immer noch ein Thema in der Mannschaft", bestätigte der ebenfalls geladene Torwart Roman Weidenfeller. Er kenne Spieler, "die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben. Das hat mein Leben verändert". Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch: "Man ist immer noch betroffen, immer noch schreckhaft." Kapitän Marcel Schmelzer erklärte, er zucke immer noch bei lauten Geräuschen zusammen: "Ich versuche, es wegzuschieben. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, was für ein Glück wir hatten." Für den ehemaligen Dortmunder Sven Bender waren der Anschlag und der Umgang damit sogar ein Grund für seinen Wechsel nach Leverkusen. Das traumatische Erlebnis habe "auch Einfluss" darauf gehabt. Bender bezeichnete es im Nachhinein als "Fehler", dass die Mannschaft am Tag nach dem Attentat zum Viertelfinal-Hinspiel gegen Monaco angetreten sei. "Für mich wurde das Thema schnell abgehakt. Das war schade, deshalb hat man auch nicht so viel drüber gesprochen", sagte Bender.

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