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Rücktritt von Maria Scharapowa:Abschied in Hochglanzform

Australian Open Viertelfinale - Maria Scharapowa gewinnt

Maria Scharapowa: Goodbye zum Leben als Tennisspielerin

(Foto: dpa)
  • Maria Scharapowa beendet mit 32 Jahren ihre aktive Tennis-Karriere.
  • Sie gewann alle vier Major-Turniere, nach ihrer Dopingsperre schaffte sie den Anschluss an die Weltspitze nicht mehr.

Wie lässt man das einzige Leben, das man kannte, hinter sich? Wie schließt man zum Abschluss leise die Tür hinter den Tenniscourts, auf denen man trainierte, seit man ein kleines Mädchen war, das kaum den Schläger halten konnte? Wie sagt man "goodbye" zu seinem Sport nach 28 Jahren? Maria Scharapowa hat versucht, eine Antwort auf diese Fragen zu finden: Am besten, so dachte sie, ist ein Abgang mit erhobenem Haupt.

Maria Scharapowa, 32 Jahre alt, hat am Mittwoch ihr Karriereende bekanntgegeben. Und mit dem unvergleichlichen Sinn für Eleganz und Stil, der ihre gesamte Laufbahn prägte, wählte sie dafür die Hochglanzform: Sie schrieb einen Abschiedsbrief in der Form eines Essays für die amerikanische Ausgabe des Lifestyle-Magazins Vanity Fair. "Ich habe mein Leben dem Tennis gegeben, und Tennis hat mir ein Leben zurückgeschenkt", heißt es da: "Ich werde es jeden Tag vermissen."

Fünf Grand-Slam-Titel hat Maria Scharapowa, geboren in Russland, aufgewachsen in Florida, gewonnen: den ersten in Wimbledon als 17-Jährige, die noch Briefmarken sammelte und mit unerschrockenen, furiosen Schlägen der Finalgegnerin Serena Williams die Bälle vor die Füße jagte. Scharapowa gehört zu den wenigen Tennisspielerinnen, die mindestens einmal bei den vier wichtigsten Wettbewerben in Melbourne (2008), Paris (2012, 2014), London (2004) und New York (2006) triumphierten. Sie war die Nummer eins der Welt. Aber in Erinnerung wird sie der Tennisszene wohl bleiben als eine der seltenen Glamour-Erscheinungen, die beim Publikum die Illusion erwecken, sie stöckelten sogar auf flachen Turnschuhsohlen über den Platz. "Ich habe mich nie wirklich veranlasst gesehen, über die Arbeit, die Mühe, die Fron zu sprechen", schreibt sie in ihrem Abschiedsessay. Jeder Athlet wisse, dass er seinem Sport Opfer bringen müsse, das sei eine Grundanforderung des Metiers. Aber zumindest wolle sie jedem, der von Höherem träume, die Erkenntnis mitgeben, dass es zu schaffen sei, wenn man an sich glaubt. Auch wenn man hundert Mal fällt.

Maria Scharapowa war sechs Jahre alt, als sie mit ihrem Vater in die USA übersiedelte, um sich zur Tennisspielerin ausbilden zu lassen. Sie wurde das Covergirl ihres Sports, Werbefigur, Geschäftsfrau; zwischenzeitlich stieg sie zur bestverdienenden Athletin weltweit auf. Ihre kommerzielle Vermarktung, gefördert von ihrem geschickten Management, hat im Tennis die Maßstäbe gesetzt: Scharapowa vertrieb als Profisportlerin sogar ihre eigenen Bonbon- und Süßwarenartikel. Für die Turnierveranstalter war sie ein Gewinn, weil sie die Massen an die Kassen zog.

Der Bruch in der Karriere kam 2016, als sie wegen der Einnahme des auf der Verbotsliste stehenden Medikaments Meldonium 15 Monate von Wettkämpfen ausgeschlossen wurde. Zu gewohntem Glanz fand sie danach nie mehr zurück. Bei den Australian Open im Januar verlor sie schon in der ersten Runde. Im Jahr zuvor hatte sie wegen langwieriger Schulterprobleme nur wenige Turniere spielen können. In der Weltrangliste rutschte Russlands beste Spielerin danach auf eine Position jenseits der 350 zurück. Was sie als Nächstes plane, wurde sie in Australien gefragt. "Ehrlich gesagt, das kann ich nicht sagen", antwortete sie.

Sie ist in sich gegangen und hat den Entschluss gefasst, die Karriere zu beenden. Sie werde die "tägliche Routine vermissen, das Aufstehen im Morgengrauen, meinen linken Schuh vor dem rechten zuzubinden und vor meinem ersten Schlag die Tür zum Platz zu verschließen", schrieb sie. Was immer nun auf sie zukomme, sie wolle es in Angriff nehmen. Tennis, das sei gewissermaßen ihr Berg gewesen. Sie sei nun "bereit, einen anderen Berg hinaufzuklettern", kündigte sie an. Bis auf den Gipfel, wohin auch sonst.

© SZ vom 27.02.2020/ska
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